Hermann: "Wahnsinn, was im Training abging"

Florian Plettenberg
Überpünktlich erscheint Peter Hermann drei Minuten vor Anpfiff des Interviews mit SPORT1. Im sportlichen Outfit nimmt die 67 Jahre alte Co-Trainer-Legende Platz. Am rechten Handgelenk trägt er, wie immer, eine Uhr, auf deren Ziffernblatt das Schalke-Emblem zu sehen ist. Hermann nennt sie seinen "Glücksbringer".Unmittelbar in der Nähe der BayArena in Leverkusen lässt Hermann im fast zweistündigen Gespräch seine Karriere Revue passieren.Dort, wo er 1984 seine Profikarriere als Spieler beendet hat und 1989 seine erfolgreiche Co-Trainerkarriere begann. Diesen Sommer, 30 Jahre, 19 Cheftrainer und etliche Titel später, beendete er sie. Passend zum Start des Gesprächs laufen auf einem großen Monitor der Hotel-Lobby Trainingsbilder des FC Bayern ein. Des Vereins, dem Hermann vor allem dank Jupp Heynckes so verbunden ist und mit dem er in der vergangenen Saison das Double einfuhr.ICC: FC Bayern - FC Arsenal im Relive ab 20 Uhr im TV und STREAMIm zweiten Teil des Interviews spricht Hermann über die besondere Herausforderung München, Professionalität und das jüngste Nachtreten von Rafinha (Hier geht es zum ersten Teil).SPORT1: Herr Hermann, liegt hinter Ihnen eine der schwierigsten Spielzeiten ihrer Karriere?Peter Hermann: Zum Schluss ja. Man hat irgendwann gemerkt, dass die Jungs nichts mehr verlieren werden. Ich weiß noch genau, als wir Anfang März in Gladbach gespielt haben (5:1, d. Red.). Einen Tag vorher hatte Dortmund in Augsburg verloren (1:2, d. Red.). In der Kabine war der Tenor von Spielern wie Robert Lewandowski: "Heute muss geliefert werden." Die liefern dann auch. Das finde ich bei Bayern außergewöhnlich.SPORT1: War der Wille trotz vieler Querelen der Schlüssel zum Erfolg?Hermann: Es ist doch so: Die Bayern waren in den vergangenen Jahren auch deshalb so erfolgreich, weil da immer was los ist. Da kann sich niemand hinsetzen und ausruhen. Der Karl-Heinz Rummenigge hat ja recht, wenn er sagt, dass jeder liefern muss. Das gilt dort wirklich für jeden. Auf Schalke hat mich das ein bisschen gestört damals. Mit dem damaligen Gehaltsetat lagen sie in der oberen Spitze der Bundesliga. Aber Mannschaften, in denen weniger gezahlt wurde, standen vor uns. Da kann etwas nicht stimmen. Das habe ich auch versucht, einigen Spielern zu erklären. Bei Bayern verdient man zwar am meisten, aber du musst auch am meisten liefern. Sonst braucht man da gar nicht hingehen. Das wissen die Spieler aber auch. "Rafinhas Nachtreten gefiel mir nicht"SPORT1: Rafinha hat neulich in einem Interview mit der Sport Bild deutlich gegen Trainer Niko Kovac nachgetreten.Hermann: Nachtreten macht man nicht. Ich mag Rafinha. Er ist ein guter Spieler, der seine Rolle gut erfüllt hat und zuverlässig war. Man wusste, was man an ihm hat. Aber sein Nachtreten gefiel mir nicht.SPORT1: Er kritisierte die fehlende Teamchemie zwischen Mannschaft und Trainer. Wie empfanden Sie das Innenverhältnis?Hermann: Es war das erste Jahr von Niko Kovac bei den Bayern, und man hat dort als Trainer den schwierigsten Job der Bundesliga. Das muss man erstmal schaffen. Man hat mit den Medien unheimlich viel am Hals und hat es auch mit anderen Spielertypen zu tun. Das sind zwar einfache Spieler, die alle Lust am Fußballspielen haben. Aber sie sind anders als in Leverkusen, Frankfurt oder Düsseldorf. Der James (Rodríguez, d. Red.) ist ein Star in Südamerika. Mit Arjen Robben war es auch nicht einfach, wenn er nicht gespielt hat. Da wollen alle 18 Spieler immer spielen. Spieler müssen sich an den Trainer gewöhnen und andersrum.SPORT1: Wie verschafft man sich als Trainer in der Bayern-Kabine Respekt?Hermann: Das ist das Schwierige an diesem Job. Im Endeffekt ist wichtig, was rauskommt und nicht, ob dich alle gut leiden können. Lieber Erster werden und mal mit dem einen oder anderen Stress gehabt haben, statt Fünfter zu werden. Ich persönlich fand auch, dass das Verhältnis zwischen der Mannschaft und Niko im Verlauf der Saison immer besser wurde. Ganz alleine gewinnen die Spieler auch nicht alle Spiele. So negativ wie das Verhältnis teilweise dargestellt wurde, war es auf keinen Fall. "Verhältnis zwischen Mannschaft und Kovac wurde immer besser"SPORT1: Was trauen Sie Kovac im zweiten Bayern-Jahr zu?Hermann: Meister zu werden ist normal. Aber ein Double zu holen, ist außergewöhnlich. Das Triple wäre zwar noch besser. Aber er hat jetzt auch durch das Double eine gute Ausgangsposition. Er hat nun auch zweimal in Folge den Pokal gewonnen und weiß jetzt genau, wie es läuft. Es wird aber nicht einfach für die Bayern, weil andere Vereine aufgerüstet haben. Die Bayern werden personell aber noch was tun, da bin ich mir sicher.SPORT1: Es wird viel über die Arbeit von Hasan Salihamidzic diskutiert. Wie sehen Sie seine Rolle?Hermann: Er ist sehr fleißig und versteht was von Fußball. Ich finde, dass er das gut macht. Er hat auch seinen Anteil daran, dass der FC Bayern letzte Saison noch das Double einfahren konnte. Mit Brazzo konnte man immer gut darüber diskutieren, wer gut oder schlecht ist. Auch über Callum Hudson-Odoi (Bayern-Wunschspieler vom FC Chelsea, d. Red.). Ich kannte den nicht, aber habe ihn mir dann auf Video angeschaut. Das ist schon ein sehr guter Spieler. Bei Bayern habe ich mich aber nie in Transfers eingemischt. In Düsseldorf habe ich aber dafür gesorgt, dass zum Beispiel Kaan Ayhan kommt. Jetzt ist er türkischer Nationalspieler.SPORT1: Was denken Sie über Ihren Nachfolger Hansi Flick?Hermann: Der Hansi ist eine sehr gute Wahl. Er kommt als Co-Trainer-Weltmeister, der auch schon bei Bayern gespielt hat. Er kennt auch viele Spieler aus der Nationalmannschaft. Mit dieser Vorgeschichte ist es doch ideal, denn die Spieler haben Respekt vor ihm. Wenn es gut läuft, kann er sicher ein paar Jahre bleiben. Er wird sich jetzt aber auch erstmal reinfinden und herausfinden müssen, was Niko will und wie er eingebunden wird. Die Arbeit findet ja nicht nur auf dem Platz statt. Niko ist aber ein Trainer, der seine Co-Trainer in alles einbindet. Im Team kann man gut mit ihm zusammenarbeiten.SPORT1: Sie lobten im ersten Teil unseres Interviews Arjen Robben und bedauerten sein Karriereende. War er der Professionellste, mit dem Sie jemals zusammengearbeitet haben?Hermann: Ja, der war professionell hoch drei. Aber du kannst bei Bayern nicht arbeiten, wenn du nicht professionell bist. Das sind alles Top-Profis. Das hat man ja auch in der vergangenen Saison gesehen, denn mit neun Punkten Rückstand ist es nicht einfach. Da bist du eigentlich fertig. Als die Jungs aber gemerkt haben, dass da noch was geht, war es Wahnsinn, was dann im Training abging. Die letzten Wochen habe ich jedes Training genossen. Wie die trainiert haben und in engen Räumen spielen können, das war schon eine außerordentliche Qualität. Klar, der eine ist mal pünktlicher als der andere. Aber auf dem Platz und im Training haben die immer abgeliefert. Auch ein James. Die wollten immer Fußball spielen und gewinnen. Ich musste ja immer den Schiri machen im Training. Das war nicht immer einfach… So neckte ich Lahm mit GuardiolaSPORT1: Sind Sie mal bepöbelt worden?Hermann: Was glauben Sie denn (lacht)? Ich habe damals dem Philipp Lahm gesagt, den ich übrigens auch als Mensch immer super fand: ‚Weißte was: Nächstes Jahr wird es anders, weil der Pep Guardiola einen Profi-Schiri aus Spanien mitbringt.‘ ‚Was? Wie? Stimmt das echt?‘, hat Lahm gefragt, und ich so: ‚Ja klar. Glaubst du denn, der lässt sich von euch auch so beschimpfen?‘. Mit dem Abseits war es auch immer so eine Sache.SPORT1: Inwiefern?Hermann: Es war nicht immer einfach, wenn ich pfeifen musste, aber meine Abseitsentscheidungen waren fast immer korrekt. Der Thomas Müller hat meine Entscheidungen in der Kabine aber oft am Monitor überprüft, weil das Training ja aufgenommen wurde (lacht). Manchmal war es ganz knapp, aber ich lag fast immer richtig. Aber Thomas und auch Joshua Kimmich hat es immer ausgezeichnet, dass sie auch im Training kein Spiel verlieren konnten.Jetzt das aktuelle Trikot des FC Bayern bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGESPORT1: Warum schaffte es beim FC Bayern zuletzt kein Jugendspieler dauerhaft in den Profi-Kader?Hermann: Weil bei den Bayern oben eine Top-Qualität vorhanden ist. Ich habe viele Jugendspieler gesehen, die bei uns oben mittrainiert haben. Dann haben wir Alphonso Davies in der Winterpause geholt, der eine ganz andere Qualität hatte als die Spieler, die wir in den eigenen Reihen hatten. Er war natürlich auch ein paar Euro teurer. Auch für Davies ist es nicht einfach, aber dem rechne ich schon ein paar Chancen mehr aus. Ich finde, dass es schon ein Riesenerfolg ist, wenn man Spieler rausbringt, die es überhaupt in die Bundesliga schaffen.SPORT1: Maxime Awoudja ist zum VfB Stuttgart gewechselt. Adrian Fein zum Hamburger SV. Waren Spieler wie Thomas Müller oder Holger Badstuber damals weiter?Hermann: Die genannten Spieler sind gut, aber Toni Kroos, Müller und Badstuber waren damals schon Topspieler. Da war es aber auch noch ein bisschen einfacher. Am Cheftrainer liegt es jedenfalls nicht, dass es so wenige schaffen. Denn wenn ein Spieler gut ist, bekommt er von jedem Trainer die Chance. David Alaba war auch ein Ausnahmetalent. Er ist einer der besten Verteidiger Europas geworden. Für mich übrigens der beste Außenverteidiger, den es gibt. Mit Franck Ribéry auf der linken Seite zusammen war er Wahnsinn. Früher waren mehr Kontrollen bei JugendspielernSPORT1: Haben Sie Jugendspieler besonders kontrolliert als Co-Trainer?Hermann: Früher musste man die Spieler abends kontrollieren, ob sie um 22 Uhr im Bett waren. Ich habe dann aber irgendwann damit aufgehört, Spieler zu kontrollieren. Wenn jemand von sich aus nicht rechtzeitig zu Hause ist, dann ist das halt so. Wenn der morgens dann nicht abliefert, kannst du ihn eh nicht gebrauchen. Dann hört der Spaß bei mir auch auf. So war es zumindest in den letzten Jahren.SPORT1: Sie als Leverkusener sind ein bekennender Fan von Kai Havertz.Hermann: Ja. Der Junge kann Fußball spielen. Das sieht bei ihm alles so leicht aus. Nicht nach Arbeit oder Maloche. Das ist Fußball. Er ist eines der größten Talente, die es derzeit gibt. Er ist außergewöhnlich. Wenn er Leverkusen mal verlassen sollte, wäre es schön, wenn er zum FC Bayern geht. Er hat auf jeden Fall das Zeug dazu.

Überpünktlich erscheint Peter Hermann drei Minuten vor Anpfiff des Interviews mit SPORT1. Im sportlichen Outfit nimmt die 67 Jahre alte Co-Trainer-Legende Platz. Am rechten Handgelenk trägt er, wie immer, eine Uhr, auf deren Ziffernblatt das Schalke-Emblem zu sehen ist. Hermann nennt sie seinen "Glücksbringer".

Unmittelbar in der Nähe der BayArena in Leverkusen lässt Hermann im fast zweistündigen Gespräch seine Karriere Revue passieren.

Dort, wo er 1984 seine Profikarriere als Spieler beendet hat und 1989 seine erfolgreiche Co-Trainerkarriere begann. Diesen Sommer, 30 Jahre, 19 Cheftrainer und etliche Titel später, beendete er sie. Passend zum Start des Gesprächs laufen auf einem großen Monitor der Hotel-Lobby Trainingsbilder des FC Bayern ein. Des Vereins, dem Hermann vor allem dank Jupp Heynckes so verbunden ist und mit dem er in der vergangenen Saison das Double einfuhr.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Hermann über die besondere Herausforderung München, Professionalität und das jüngste Nachtreten von Rafinha (Hier geht es zum ersten Teil).

SPORT1: Herr Hermann, liegt hinter Ihnen eine der schwierigsten Spielzeiten ihrer Karriere?

Peter Hermann: Zum Schluss ja. Man hat irgendwann gemerkt, dass die Jungs nichts mehr verlieren werden. Ich weiß noch genau, als wir Anfang März in Gladbach gespielt haben (5:1, d. Red.). Einen Tag vorher hatte Dortmund in Augsburg verloren (1:2, d. Red.). In der Kabine war der Tenor von Spielern wie Robert Lewandowski: "Heute muss geliefert werden." Die liefern dann auch. Das finde ich bei Bayern außergewöhnlich.

SPORT1: War der Wille trotz vieler Querelen der Schlüssel zum Erfolg?

Hermann: Es ist doch so: Die Bayern waren in den vergangenen Jahren auch deshalb so erfolgreich, weil da immer was los ist. Da kann sich niemand hinsetzen und ausruhen. Der Karl-Heinz Rummenigge hat ja recht, wenn er sagt, dass jeder liefern muss. Das gilt dort wirklich für jeden. Auf Schalke hat mich das ein bisschen gestört damals. Mit dem damaligen Gehaltsetat lagen sie in der oberen Spitze der Bundesliga. Aber Mannschaften, in denen weniger gezahlt wurde, standen vor uns. Da kann etwas nicht stimmen. Das habe ich auch versucht, einigen Spielern zu erklären. Bei Bayern verdient man zwar am meisten, aber du musst auch am meisten liefern. Sonst braucht man da gar nicht hingehen. Das wissen die Spieler aber auch.

"Rafinhas Nachtreten gefiel mir nicht"

SPORT1: Rafinha hat neulich in einem Interview mit der Sport Bild deutlich gegen Trainer Niko Kovac nachgetreten.

Hermann: Nachtreten macht man nicht. Ich mag Rafinha. Er ist ein guter Spieler, der seine Rolle gut erfüllt hat und zuverlässig war. Man wusste, was man an ihm hat. Aber sein Nachtreten gefiel mir nicht.

SPORT1: Er kritisierte die fehlende Teamchemie zwischen Mannschaft und Trainer. Wie empfanden Sie das Innenverhältnis?

Hermann: Es war das erste Jahr von Niko Kovac bei den Bayern, und man hat dort als Trainer den schwierigsten Job der Bundesliga. Das muss man erstmal schaffen. Man hat mit den Medien unheimlich viel am Hals und hat es auch mit anderen Spielertypen zu tun. Das sind zwar einfache Spieler, die alle Lust am Fußballspielen haben. Aber sie sind anders als in Leverkusen, Frankfurt oder Düsseldorf. Der James (Rodríguez, d. Red.) ist ein Star in Südamerika. Mit Arjen Robben war es auch nicht einfach, wenn er nicht gespielt hat. Da wollen alle 18 Spieler immer spielen. Spieler müssen sich an den Trainer gewöhnen und andersrum.

SPORT1: Wie verschafft man sich als Trainer in der Bayern-Kabine Respekt?

Hermann: Das ist das Schwierige an diesem Job. Im Endeffekt ist wichtig, was rauskommt und nicht, ob dich alle gut leiden können. Lieber Erster werden und mal mit dem einen oder anderen Stress gehabt haben, statt Fünfter zu werden. Ich persönlich fand auch, dass das Verhältnis zwischen der Mannschaft und Niko im Verlauf der Saison immer besser wurde. Ganz alleine gewinnen die Spieler auch nicht alle Spiele. So negativ wie das Verhältnis teilweise dargestellt wurde, war es auf keinen Fall.

"Verhältnis zwischen Mannschaft und Kovac wurde immer besser"

SPORT1: Was trauen Sie Kovac im zweiten Bayern-Jahr zu?

Hermann: Meister zu werden ist normal. Aber ein Double zu holen, ist außergewöhnlich. Das Triple wäre zwar noch besser. Aber er hat jetzt auch durch das Double eine gute Ausgangsposition. Er hat nun auch zweimal in Folge den Pokal gewonnen und weiß jetzt genau, wie es läuft. Es wird aber nicht einfach für die Bayern, weil andere Vereine aufgerüstet haben. Die Bayern werden personell aber noch was tun, da bin ich mir sicher.

SPORT1: Es wird viel über die Arbeit von Hasan Salihamidzic diskutiert. Wie sehen Sie seine Rolle?

Hermann: Er ist sehr fleißig und versteht was von Fußball. Ich finde, dass er das gut macht. Er hat auch seinen Anteil daran, dass der FC Bayern letzte Saison noch das Double einfahren konnte. Mit Brazzo konnte man immer gut darüber diskutieren, wer gut oder schlecht ist. Auch über Callum Hudson-Odoi (Bayern-Wunschspieler vom FC Chelsea, d. Red.). Ich kannte den nicht, aber habe ihn mir dann auf Video angeschaut. Das ist schon ein sehr guter Spieler. Bei Bayern habe ich mich aber nie in Transfers eingemischt. In Düsseldorf habe ich aber dafür gesorgt, dass zum Beispiel Kaan Ayhan kommt. Jetzt ist er türkischer Nationalspieler.

SPORT1: Was denken Sie über Ihren Nachfolger Hansi Flick?

Hermann: Der Hansi ist eine sehr gute Wahl. Er kommt als Co-Trainer-Weltmeister, der auch schon bei Bayern gespielt hat. Er kennt auch viele Spieler aus der Nationalmannschaft. Mit dieser Vorgeschichte ist es doch ideal, denn die Spieler haben Respekt vor ihm. Wenn es gut läuft, kann er sicher ein paar Jahre bleiben. Er wird sich jetzt aber auch erstmal reinfinden und herausfinden müssen, was Niko will und wie er eingebunden wird. Die Arbeit findet ja nicht nur auf dem Platz statt. Niko ist aber ein Trainer, der seine Co-Trainer in alles einbindet. Im Team kann man gut mit ihm zusammenarbeiten.

SPORT1: Sie lobten im ersten Teil unseres Interviews Arjen Robben und bedauerten sein Karriereende. War er der Professionellste, mit dem Sie jemals zusammengearbeitet haben?

Hermann: Ja, der war professionell hoch drei. Aber du kannst bei Bayern nicht arbeiten, wenn du nicht professionell bist. Das sind alles Top-Profis. Das hat man ja auch in der vergangenen Saison gesehen, denn mit neun Punkten Rückstand ist es nicht einfach. Da bist du eigentlich fertig. Als die Jungs aber gemerkt haben, dass da noch was geht, war es Wahnsinn, was dann im Training abging. Die letzten Wochen habe ich jedes Training genossen. Wie die trainiert haben und in engen Räumen spielen können, das war schon eine außerordentliche Qualität. Klar, der eine ist mal pünktlicher als der andere. Aber auf dem Platz und im Training haben die immer abgeliefert. Auch ein James. Die wollten immer Fußball spielen und gewinnen. Ich musste ja immer den Schiri machen im Training. Das war nicht immer einfach…

So neckte ich Lahm mit Guardiola

SPORT1: Sind Sie mal bepöbelt worden?

Hermann: Was glauben Sie denn (lacht)? Ich habe damals dem Philipp Lahm gesagt, den ich übrigens auch als Mensch immer super fand: ‚Weißte was: Nächstes Jahr wird es anders, weil der Pep Guardiola einen Profi-Schiri aus Spanien mitbringt.‘ ‚Was? Wie? Stimmt das echt?‘, hat Lahm gefragt, und ich so: ‚Ja klar. Glaubst du denn, der lässt sich von euch auch so beschimpfen?‘. Mit dem Abseits war es auch immer so eine Sache.

SPORT1: Inwiefern?

Hermann: Es war nicht immer einfach, wenn ich pfeifen musste, aber meine Abseitsentscheidungen waren fast immer korrekt. Der Thomas Müller hat meine Entscheidungen in der Kabine aber oft am Monitor überprüft, weil das Training ja aufgenommen wurde (lacht). Manchmal war es ganz knapp, aber ich lag fast immer richtig. Aber Thomas und auch Joshua Kimmich hat es immer ausgezeichnet, dass sie auch im Training kein Spiel verlieren konnten.

SPORT1: Warum schaffte es beim FC Bayern zuletzt kein Jugendspieler dauerhaft in den Profi-Kader?

Hermann: Weil bei den Bayern oben eine Top-Qualität vorhanden ist. Ich habe viele Jugendspieler gesehen, die bei uns oben mittrainiert haben. Dann haben wir Alphonso Davies in der Winterpause geholt, der eine ganz andere Qualität hatte als die Spieler, die wir in den eigenen Reihen hatten. Er war natürlich auch ein paar Euro teurer. Auch für Davies ist es nicht einfach, aber dem rechne ich schon ein paar Chancen mehr aus. Ich finde, dass es schon ein Riesenerfolg ist, wenn man Spieler rausbringt, die es überhaupt in die Bundesliga schaffen.

SPORT1: Maxime Awoudja ist zum VfB Stuttgart gewechselt. Adrian Fein zum Hamburger SV. Waren Spieler wie Thomas Müller oder Holger Badstuber damals weiter?

Hermann: Die genannten Spieler sind gut, aber Toni Kroos, Müller und Badstuber waren damals schon Topspieler. Da war es aber auch noch ein bisschen einfacher. Am Cheftrainer liegt es jedenfalls nicht, dass es so wenige schaffen. Denn wenn ein Spieler gut ist, bekommt er von jedem Trainer die Chance. David Alaba war auch ein Ausnahmetalent. Er ist einer der besten Verteidiger Europas geworden. Für mich übrigens der beste Außenverteidiger, den es gibt. Mit Franck Ribéry auf der linken Seite zusammen war er Wahnsinn.

Früher waren mehr Kontrollen bei Jugendspielern

SPORT1: Haben Sie Jugendspieler besonders kontrolliert als Co-Trainer?

Hermann: Früher musste man die Spieler abends kontrollieren, ob sie um 22 Uhr im Bett waren. Ich habe dann aber irgendwann damit aufgehört, Spieler zu kontrollieren. Wenn jemand von sich aus nicht rechtzeitig zu Hause ist, dann ist das halt so. Wenn der morgens dann nicht abliefert, kannst du ihn eh nicht gebrauchen. Dann hört der Spaß bei mir auch auf. So war es zumindest in den letzten Jahren.

SPORT1: Sie als Leverkusener sind ein bekennender Fan von Kai Havertz.

Hermann: Ja. Der Junge kann Fußball spielen. Das sieht bei ihm alles so leicht aus. Nicht nach Arbeit oder Maloche. Das ist Fußball. Er ist eines der größten Talente, die es derzeit gibt. Er ist außergewöhnlich. Wenn er Leverkusen mal verlassen sollte, wäre es schön, wenn er zum FC Bayern geht. Er hat auf jeden Fall das Zeug dazu.