"heute-show"-Rückkehr: Oliver Welke verhöhnt Linkspartei als "Putin-Troll-Armee"

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 5 Min.

"Kack 2020!" Mit diesen Worten von Oliver Welke kehrte die heute-show (ZDF) aus der Sommerpause zurück. Kacke, das mag für die Corona-geschüttelte Welt gelten, für die Show galt es nicht. Nawalny-Giftanschlag, Sauerei ums Schweinewohl, Versagen im Wirecard-Skandal - Welke & Team starteten furios.

"War doch ein ganz toller Sommer, oder?" Im satirischen Schnelldurchgang handelte "die erste komplett coronafreie Sendung seit Februar" die Themen des Sommers ("Ein Wahnsinn, was alles passiert ist!") ab. Der Kanzlerinnen-Besuch in Bayern ("Markus Söder hat seine Vormieterin im Kanzleramt nach Bayern eingeladen.") und der Lobby-Skandal um Philipp Amthor ("Tierischer Ärger für einen CDU-Schülerpraktikanten wegen eines Ferienjobs.") wurden gestreift, bevor sich Oliver Welke am "Fall Nawalny" festbiss.

Welke: "Heiko Maas kann morgen bei uns als Autor anfangen!"

Natürlich, höhnte Welke, gäbe es bis auf die offizielle Analyse eines Sepziallabors der Bundeswehr keinen einzigen Beweis dafür, dass der russische Oppositionelle Alexej Kawalny vergiftet worden sei. Und die russischen Staatsmedien führten ja auch an, dass es sich auch um Folgen von Alkohol und/oder Tabletten, einen Zuckerschock oder eine falsche Diät handeln könne. Überdies, so stellte das russische Staastfernsehen fest, hätten "wir Kawalny ohne Gift nach Deutschland" geschickt. Das Gift sei (wenn überhaupt) erst in Deutschland aufgetaucht. "Sherlock Olli" kombinierte knallhart: Wo war Nawalny? Bei der Kanzlerin. Was ist deren Lieblingsspeise? Spaghetti Bolognese. Also liege der Fall klar: "Bei Cluedo würde es heißen: die Kanzlerin, im Kanzleramt, mit Spaghetti Bolognese!"

Tatsache sei aber auch, das Dutzende von Oppositionellen und Journalisten in Russland ermordet worden seien. Welke: "Das System Putin ist menschenverachtend." Doof sei nur, dass sich niemand gegen Putin auflehne. Über den Appell von Außenminister Heiko Maas ("Dringlich ist es nun, dass auch in Russland die Verantwortlichen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden.") lachte Welke. "Ein toller Witz vom Heiko. Der kann morgen bei uns als Autor anfangen."

Skrupelloser oder Psychopath? Merkel in der Gasklemme

Angela Merkel steckt halt in der Klemme. Es geht ums Gas. Die heute-show spielte "Herzblatt" und zählte die Lieferanten-Alternativen auf: Soll es der "skrupellose Vladimir sein oder der ulkige Psychopath Donald". Wenn Angela beide "zum Kotzen" finde, solle sie doch "beim Türken" ihr Gas einkaufen. Regen, Traufe und Hagelsturm, sozusagen.

Ebenso sehr wie Putin störte Welke die "Putin-Troll-Armee" hierzulande, vor allem in der Linkspartei, die "die Nawalny-Nebelkerzen der russischen Propaganda" nachbete. Müssten die, so fragte Welke in einer von Martina Hill als Mandy Hausten genial moderierten Persiflage auf die einstige DDR-Tagesschau "Aktuelle Kamera", nicht eigentlich gegen Putin sein, wo der doch rechte Parteien in Europa unterstütze? Da blendete die linientreue Mandy den erbosten Welke ("Muss ich Ihren Führungsoffizier beim ZDF anrufen?") einfach aus. Er habe sich wohl beim Zubereiten einer Tasse Tee beide Beine gebrochen.

In der Wirecard-Kritik: Die Kanzlerin und ihr Freund, "Karl-Theodor zu Nuttenberg"

Bei Putin traut sich keiner, wirklich was zu tun. Bei Wirecard schauten alle irgendwie weg. Wie war es möglich, dass sich der Dax-Konzern ein Vermögen von 1,9 Milliarden Euro einfach ausdachte, andererseits aber Kleinanleger sehr reell um 3,2 Milliarden Euro betrog? "Alle Kontrollinstanzen haben versagt!", so Welke.

Vor allem der Aufsichtsrat ("Da sitzen abgehalfterte Ex-Manager des Unternehmens, abgehalfterte Ex-Politiker und eine Alibi-Gewerkschaftstussi, essen Kekse und kriegen dafür sehr, sehr viel Geld."), die Wirtschaftsprüfer und die Bafin (in der 'heute-show'-Übersetzung "Bundesanstalt für irgendwie nichts") - aber auch die Kanzlerin. Wie habe die sich von ihrem Freund, Ex-Minister und jetzigem Lobbyisten Karl-Theodor zu Guttenberg ("Der macht's mit allen; Freunde nennen ihn schon Karl-Theodor zu Nuttenberg.") nur in die Wirecard-Misere "reinlabern" lassen können?

Fazitfrage von Welke: Mannesmann, Deutsche Bank, Siemens, VW, Wirecard - "Ist Deutschland ein Paradies für kriminelle Firmen?"

In Deutschland "wird man zum Bescheißen gezwungen"

Ja - sagte zumindest 'heute-show'-Kommentator Ulrich von Heesen (Dietrich Hollinderbäumer). Der will den Job wechseln und eine Internet-Porno-Firma gründen. Die sei zwar schon kriminell, aber "in diesem Land nicht kriminell zu sein, ist schlicht blöd. Hier wird man doch zum Bescheißen gezwungen." Hierzulande guckten viele einfach gezielt weg: "Bei Tönnies wussten doch alle, dass der seit Jahren massiv gegen den Arbeitsschutz verstößt."

Weggucken geht bei einem Thema nicht mehr lange: Der Rohstoff Wasser wird knapper! Ein Experte kam zu Wort, der bald die Einschränkungen befürchtet, dass man nicht mehr Swimmingpools füllen, Golfrasen oder Gärten bewässern oder Autos waschen könne. "Jetzt wird's persönlich. Das ist schlimm", konstatierte Welke. Da die Bundesländer unterschiedlich betroffen sein, müsse über einen neuen Länder-Finanzausgleich nachgedacht werden. "Vielleicht nicht mehr in Euro, sondern in Liter."

Schweinereien aus "Julia Klöckners Tierleben"

Zu guter Letzt berichtete Dietmar Wischmeyer aus "Julia Klöckners Tierleben". Verbot von Kükenschreddern, neue Gassi-Verordnung - sogar Welke stellte Fleißkärtchen für die Ministerin in Aussicht. Allerdings trübt das rührige Bild die Verordnung, wonach Schweine noch weitere acht Jahre in tierquälerischen Kastenständen eingepfercht bleiben dürfen. Das erbarmte Wischmeyer: "Dabei sind Schweine so intelligent und sehen so aus wie die meisten von uns: also rosa, übergewichtig und kleiner Ringelschwanz."

Die Sauerei mit den Grunzern sei, so Wischmeyer, der erneute Beweis: "Das größte Schwein ist und bleibt der Mensch!"