Hier leben tatsächlich die meisten Flüchtlinge

NPD-Anhänger demonstrieren im thüringischen Eisenach (Bild: dpa)

Die rechtsradikalen Proteste gegen Asylbewerber im sächsischen Heidenau haben die Frage aufgeworfen: Ist der Osten Deutschlands fremdenfeindlicher als der Westen? In der Debatte wird wiederholt auf das Paradox hingewiesen, dass in den neuen Bundesländern viel weniger Flüchtlinge leben als im Westen. Eine etwas andere Deutschlandkarte veranschaulicht dies besonders eindrücklich.

In dieser Deutschlandkarte sind Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern buchstäblich an den rechten Rand gequetscht. Der Geograf Benjamin Hennig, Stipendiat an der Universität Oxford, zeichnet mit seiner Darstellung ein völlig anderes Bild der Bundesrepublik. Hennig hat auf seinem Blog „Views of the World“ die tatsächliche Größe der Bundesländer in Hinblick auf die Verteilung von Asylbewerbern verändert. Je mehr Flüchtlinge auf einen Einwohner kommen, desto aufgeblähter erscheint das Bundesland in der Karte. Und so zeigt sich auf einen Blick: Mit Ausnahme Berlins leben in den Ostländern im deutschlandweiten Vergleich deutlich weniger Auswanderer.

Die Karte zeigt die Verteilung von Flüchtlingen in Deutschland (Bild: Views of the World/Benjamin Hennig)

 

Die Farbgebung mit dem roten Ostdeutschland ist von Hennig zwar etwas unglücklich gewählt. Schaut man sich aber die neue Größe der Länder an, ergibt sich ein beeindruckendes Bild. Das winzige Bremen ist plötzlich ziemlich groß, hier kommen schließlich auf einen Flüchtling 56 Bürger. Auch die Stadtstaaten Hamburg (1:60) und Berlin (1:73) sowie Nordrhein-Westfalen (1:87) beherbergen vergleichsweise viele Asylbewerber.

Ganz anders das Bild im Osten Deutschlands. In Sachsen-Anhalt kommen 160 Bürger auf jeden Flüchtling. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 164, in Thüringen schon 206. Bundesweites Schlusslicht ist ausgerechnet Sachsen. Dort kommen auf einen Flüchtling sage und schreibe 238 Bundesbürger – etwa doppelt so viel wie in Schleswig-Holstein (119) oder Baden-Württemberg (129). Der Geograf stützte sich auf Zahlen des „Zeit Magazins“, das wiederum Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für das Gesamtjahr 2014 verwendete.