Hightech-Spickerei in Indien: Mit Simkarte im Schuh erwischt

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Über eineinhalb Millionen Bewerber*innen für rund 30.000 Stellen: In Indien fanden vergangene Woche die Aufnahmeprüfungen zum Lehramtstudium statt. Um an die begehrten Ausbildungsplätze zu kommen, schummeln Bewerber*innen regelmäßig – und werden dabei äußerst kreativ.

Polizisten in Indien: Zu ihren Aufgaben gehört auch, die Prüfungen zum Lehramtsstudium zu überwachen.
Polizisten in Indien: Zu ihren Aufgaben gehört auch, die Prüfungen zum Lehramtsstudium zu überwachen. (Bild: Reuters)

Immer wieder gibt es Berichte von Schüler*innen, die besonders kreativ spicken. Zeit also für einen Seitenwechsel: Denn in Indien wurden kürzlich fünf Männer beim Schummeln erwischt – und zwar vor ihrer Aufnahmeprüfung zum Lehramt-Studium.

Smartphones im Schuh und Bluetooth-Kopfhörer

Wie eine der größten Zeitungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, The National, schreibt, haben die Männer dabei technologisch aufgefahren: Sie trugen kabellose Kopfhörer im Ohr, die dazugehörigen Sim-Empfangsgeräte waren in ihren Flipflops eingearbeitet.

Die Männer wurden allerdings bei Eintritt in den Prüfungsraum durchsucht. Dabei sind sie allesamt aufgeflogen. Die Polizei wurde daraufhin informiert, die hat die Männer in Gewahrsam genommen.

In einem Interview mit The National sagte der leitende Ermittler dazu: "In ihre Flip-Flops waren Empfangsgeräte und die dazugehörigen Sim-Karten geklebt, im Ohr trugen sie Bluetooth-Kopfhörer. Bei einem mussten wir sogar ärztliche Unterstützung anfordern, weil er sich den Kopfhörer so tief in seinen Gehörgang gedrückt hatte."

Laut dem Ermittler haben die Männer ihre Hightech-Spick-Technologie nicht selbst gebastelt, sondern bei einer "kriminellen Gang" gekauft, die ihre Flipflops zahlreichen Prüflingen verkauft hatte.

Viele Bewerber*innen, wenige Stellen

In Indien fanden vergangene Woche die Aufnahmeprüfungen zu den staatlichen Lehramt-Ausbildungen statt. Insgesamt nahmen daran 1,6 Millionen Menschen teil. Ausgeschrieben sind aber nur 31.000 Stellen. Geprüft wurde zeitgleich in 4.000 Städten und Bildungszentren – alle bewacht von Polizist*innen oder Sicherheitspersonal, um eben solche Betrugsversuche zu verhindern.

Denn die sind bei den Prüfungen ein großes Problem, weil sich stets viele Menschen auf wenige Jobs bewerben – immer mehr greifen deshalb zu unfairen Mitteln. Dazu kommt, dass staatliche Berufe ohnehin heiß begehrt sind. Zwar werden sie nicht besonders gut bezahlt, sie bedeuten aber ein sicheres Einkommen und später eine Pension.

Mobiles Netz ausgeschaltet

Im Vorfeld der Prüfung warnte die Regierung vor möglichen Betrugsversuchen mit Smartphones – und forderte deshalb die Distrikte, das sind die Verwaltungseinheiten, das lokale Funknetz für die Zeit der Prüfungen auszuschalten.

In mindestens zehn der 33 Distrikte wurde deshalb das mobile Netz und damit SMS und Internet, gestoppt.

Teures Paar Schuhe

Ob bei den Kontrollen alle Hightech-Sandalen und -Flip-Flops gefunden wurden, ist fraglich. Derzeit geht die Polizei davon aus, dass mindestens 25 solcher frisierten Schuhpaare verkauft worden sind – die Ermittlungen laufen noch.

Das Geschäft mit Prüflingen lohnt sich zumindest für die Kriminellen: Laut Polizei kostete ein Schuhpaar 600.000 Rupien, das sind umgerechnet rund 7.000 Euro.

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