Hilfsorganisation: Syrische Kinder schwer traumatisiert

Save the Children dokumentiert Folter und Gewalt

Kinder sind durch den Konflikt in Syrien nach Angaben von Save the Children "schwer traumatisiert". Sie seien Opfer von Gewalt und müssten mitansehen, wie Angehörige sterben, heißt es in einem Bericht der Hilfsorganisation. Vor der UN-Generaldebatte in New York, bei der auch US-Präsident Barack Obama reden wollte, zeichnete der Syrien-Gesandte Lakhdar Brahimi ein düsteres Bild der Lage.

In dem Bericht der in Großbritannien ansässigen Organisation werden die Aussagen betroffener Kinder festgehalten, wonach diese "Massaker beobachteten" und in einigen Fällen selbst Opfer von Folter wurden. Ein 15-Jähriger berichtete, er sei zehn Tage ohne Nahrungsmittel eingesperrt worden, an den Handgelenken aufgehängt und geschlagen worden. Seine Peiniger hätten ihre Zigaretten auf ihm ausgedrückt.

In dem seit März 2011 anhaltenden Konflikt in Syrien wurden nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 29.000 Menschen getötet, darunter mehr als 2000 Kinder. Die UNO gibt die Zahl der Toten insgesamt mit mehr als 20.000 an.

Brahimi sagte am Montag nach der Teilnahme an einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York, es gebe "keine Aussicht" auf ein baldiges Ende der Gewalt in Syrien. Die Lage sei "extrem schlecht" und verschlimmere sich weiter. Die Gewalt sei "eine Gefahr für die Region und eine Gefahr für Frieden und Sicherheit in der Welt".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), der Brahimi zuvor in New York getroffen hatte, nannte die Situation in Syrien "ernst". Berlin werde sich weiter für eine gemeinsame Haltung des Sicherheitsrats einsetzen. Deutschland führt in diesem Monat den Vorsitz im Sicherheitsrat, der in der Syrien-Frage tief zerstritten ist. Drei Mal scheiterte ein Resolutionsentwurf, der Syriens Staatschef Baschar al-Assad Konsequenzen wegen der Gewalt androht, am Veto Chinas und Russlands.

Die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und Aufständischen in Syrien gingen unvermindert weiter. Ein Mädchen wurde am Morgen auf der Straße zwischen der Hauptstadt Damaskus und Aleppo von Schüssen tödlich getroffen. In Damaskus erschütterten gewaltige Explosionen ein militärisches Verwaltungsgebäude, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Mehrere Menschen seien verletzt worden.

In der seit zwei Monaten heftig umkämpften Stadt Aleppo wurden Rebellen-Viertel bombardiert. Die Regierung verkündete die Wiedereroberung des Viertels Arkub. Die Kämpfe dort seien vorbei, nun würden Häuser durchsucht, sagte ein Armeevertreter einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Die Beobachtungsstelle berichtete dagegen, die Kämpfe in Arkub dauerten an. Der AFP-Korrespondent vor Ort hörte aus Richtung des Viertels sporadische Schüsse und Explosionen. Die Armee errichtete Straßensperren und untersagte den Zugang zu dem Viertel.

Die Lage in Syrien ist eines der beherrschenden Themen bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York. Zu den ersten Rednern vor der UN-Vollversammlung zählen neben Obama weitere Kritiker Assads, darunter Frankreichs Präsident François Hollande, der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Für Obama wird es die letzte große außenpolitische Rede vor der US-Präsidentschaftswahl im November sein.

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