Hilfsschiffe aus Deutschland und Spanien auf der Suche nach sicherem Hafen

Gerettete Flüchtlinge auf der "Alan Kurdi"

Nach ihrer Abweisung durch Italien sind zwei Hilfsschiffe aus Deutschland und Spanien mit insgesamt 164 geretteten Flüchtlingen an Bord auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms teilte am Freitag mit, ihr Schiff "Open Arms" habe in der Nacht vor der Küste Libyens 69 Bootsflüchtlinge gerettet. Sie müssten sich den Platz an Bord mit den 55 Flüchtlingen teilen, die bereits am Donnerstag gerettet worden waren.

Die Fahrt in einen italienischen Hafen blieb der "Open Arms" verwehrt: Italiens Innenminister Matteo Salvini hat angeordnet, dass das Rettungsschiff nicht in italienische Gewässer einfahren darf. Die "Open Arms" fuhr daher ohne klares Ziel nordwärts.

Am Donnerstag hatte Salvini bereits dem Rettungsschiff "Alan Kurdi" der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye die Einfahrt in einen italienischen Hafen verwehrt. Das Schiff hatte mit 40 geretteten Flüchtlingen Kurs auf die italienische Insel Lampedusa genommen.

Proactiva Open Arms hob hervor, dass die 69 in der Nacht zu Freitag geretteten Flüchtlinge "schreckliche Spuren der Gewalt" trügen. Zu ihnen zählten zwei Kinder und eine im neunten Monat schwangere Frau mit Wehen. Zu den 55 zuvor geretteten Flüchtlingen gehören den Angaben zufolge zwei Babys und etwa 15 Frauen.

Seit Sommer vergangenen Jahres waren alle von Proactiva Open Arms geretteten Migranten in Spanien von Bord gegangen. Nach Angaben der Hilfsorganisation haben die spanischen Behörden ihr aber mittlerweile unter Androhung einer Geldstrafe zwischen 200.000 und 900.000 Euro untersagt, zu Einsätzen vor die Küste Libyens zurückzukehren.

Zu den 40 Geretteten auf der "Alan Kurdi" gehören laut Sea-Eye drei Kinder, eine im sechsten Monat schwangere Frau sowie ein Mann mit Schusswunden. Außerdem seien zwei Menschen an Bord, die Anfang Juli das Bombardement auf ein Flüchtlingslager in Tajoura, einem Vorort der libyschen Hauptstadt Tripolis, mit dutzenden Todesopfern überlebt hatten.

Die in Regensburg ansässige Organisation Sea-Eye erklärte, Italien habe es nicht einmal der geretteten Schwangeren und einer Familie mit Kindern erlaubt, von Bord zu gehen. Die italienischen Behörden hätten stattdessen "auf die Zuständigkeit des 100 Seemeilen entfernten Nachbarlandes Malta" verwiesen. Das Hilfsschiff nehme daher nun Kurs auf Malta. Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler kritisierte, so werde "das menschenunwürdige Geschacher um Einzelschicksale nahtlos fortgesetzt".

Aus dem Bundesinnenministerium in Berlin hieß es am Freitag, der Bundesregierung sei es "ein Anliegen, Menschen vor dem Ertrinken zu retten und zu vermeiden, dass Schiffe tage- oder wochenlang vor den europäischen Häfen liegen, bevor sie anlegen dürfen". Sie habe sich daher "im laufenden Jahr in allen bisherigen Fällen freiwillig zur Übernahme der Zuständigkeit für aus Seenot gerettete Personen aus dem Mittelmeer bereit erklärt".