Längste totale Mondfinsternis des Jahrhunderts zog Himmelsgucker in ihren Bann

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Rötlicher Mond über Köln

Beim Blick zum Himmel haben Millionen Menschen in weiten Teilen Deutschlands und der Welt am Freitagabend die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts bewundern können. Das Spektakel sei "im größten Teil Deutschlands gut zu sehen gewesen", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Ausnahmen gab es demnach im östlichen und südöstlichen Brandenburg, über der Lausitz standen Wolken. Auch am Alpenrand hatten Himmelsgucker eine eingeschränkte Sicht.

Von etwa 21.30 Uhr bis gegen 23.13 Uhr war die Scheibe des Vollmonds in ein rötliches Licht getaucht. Mit einer Gesamtdauer von 103 Minuten war die Phase der totalen Verfinsterung des Monds außergewöhnlich lang.

Erst am 9. Juni 2123 wird es eine drei Minuten längere Mondfinsternis geben. Bei der Mondeklipse stand die Erde auf einer geraden Linie zwischen Sonne und Mond - der Vollmond tauchte also in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde ins Weltall wirft.

Unterhalb der verfinsterten Vollmondscheibe konnten Himmelsgucker zudem den Mars erkennen. Der Rote Planet befindet sich zur Zeit in Erdnähe und leuchtet daher in diesen Tagen außergewöhnlich hell.

"Es ist spannend zu sehen, wie sich der Mond rot verfärbt - als wäre er mit Blut bedeckt", sagte Marion Rotich, die das Phänomen zusammen mit ihren beiden Töchtern in Naivasha im Süden Kenias durch ein Teleskop beobachtete. In der Nähe des abgelegenen Magadi-Sees, unbeeinträchtigt vom Lichtermeer der Großstädte, war die totale Mondfinsternis besonders gut zu verfolgen.

Das Teleskop stellte das Paar Susan Murabana und Daniel Chu Owen zur Verfügung. "Das haben wir schon bei der Sonnenfinsternis 2016 gemacht." Etwa 300 Mitglieder der örtlichen Gemeinde kamen damals, wie Mubana erklärt, hauptsächlich Angehörige der Massai-Volksgruppe.

Zur gleichen Zeit versammelten sich im Wissenschaftsmuseum in Tunis mehr als 2000 Menschen, um das Himmelsspektakel zu erleben. Mit Ferngläsern bewehrte Männer, Frauen und vor allem Kinder standen vor dem Teleskop Schlange und ließen sich vom Farbwechsel des Erdtrabanten beeindrucken. Viele Tunesier dokumentierten das Erlebnis mit ihren Handykameras.

In Berlin guckten dutzende Menschen die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts auf dem Drachenberg, einem Hügel im Westen der Hauptstadt. Die Vereinigung der Sternfreunde im südhessischen Hepppenheim, der größte überregionale Verein von Amateur-Astronomen im deutschsprachigen Raum, mobilisierte seine Fans, zahlreiche Sternwarten in ganz Deutschland luden zur Beobachtung ein. Im Planetarium Bochum fand das Luna-Festival - Die Nacht des Blutmondes statt.

Im Alexandra Palace im Norden Londons hatten sich zu dem astronomischen Jahrhundertereignis hunderte Menschen eingefunden. Doch als Wolken den Himmel verdunkelten, war von dem erhofften Schauspiel nichts zu sehen. Die Briten nahmen es mit Humor und stimmten den Bonnie-Tyler-Hit aus dem Jahr 1983 an: "Total eclipse of the heart".

Ebenfalls kein Glück hatten die Schaulustigen an Strand und Felsen in Dorset im Südwesten Englands. Die 67-jährige Tish Adams zeigte sich "tief enttäuscht". Statt eines blutroten Mondes habe sie nur einen kleinen rosa Streifen am Himmel fotografieren können.

In Rio de Janeiro war die Himmelsbeobachtung dagegen ein Erfolg. "Das war sehr schön, und noch besser hat mir der Mars direkt beim Mond gefallen", sagte die 34-jährige Talita Oliveira überwältigt. Tatsächlich war der Rote Planet sogar mit bloßem Auge gut zu sehen.

Denn der Abstand zwischen Erde und Mars schrumpfte auf 57,6 Millionen Kilometer im Vergleich zur Durchschnittsentfernung von 228 Millionen Kilometern. Entsprechend hell leuchtete der von der Sonne angestrahlte Planet am Nachthimmel.