Einfache Untersuchung lässt Rückschlüsse auf Lebenserwartung zu

Kinder können es mit Leichtigkeit: sich auf den Boden setzen und dann wieder aufstehen, ohne sich abzustützen. Dieses kleine Kunststück gibt offenbar Anhaltspunkte darüber, wie lange eine Person noch zu leben hat. In einer aktuell veröffentlichten Studie wurde so die Beweglichkeit älterer Menschen untersucht. Je nachdem, wie agil sie sind, nimmt offenbar auch ihre Lebenserwartung zu.

Sich hinzusetzen geht meist noch einfach. Aber wieder aufstehen, ohne sich abzustützen? (Bild: thinkstock)Sich auf den Boden setzen und dann wieder aufstehen – ohne Hilfsmittel. Klingt einfach, ist es aber mit zunehmendem Alter nicht. In einer im Fachmagazin "European Journal of Cardiovascular Prevention" veröffentlichten Studie unterzogen sich 2000 Probanden zwischen 51 und 80 Jahren dieser Übung. Sie gab den Ärzten Aufschluss über den Gesundheitszustand und die wahrscheinliche Lebensdauer der Teilnehmer.

Bisher mussten sich Probanden für ähnliche Untersuchungen auf einen Stuhl setzen und wieder aufstehen. Bei einem vergleichbaren Test auf dem Boden kommen entscheidende Komponenten dazu: Hier lässt sich konkreter beurteilen, wie schnell und geschickt eine Person reagieren kann, wenn ihr zum Beispiel eine Brille oder Medizin heruntergefallen ist. Auch das Risiko, nach einem Sturz stundenlang hilflos zu liegen, lässt sich durch die Untersuchung besser einschätzen.

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Für die Studie mussten sich die Teilnehmer aus dem Stand auf den Boden setzen und dann wieder in die Ausgangsposition bringen. Schnelligkeit spielte für das Ergebnis keine Rolle, dafür aber, inwieweit der Proband Hilfsmittel benötigte. Ziel war es, sowohl beim Setzen als auch beim Aufstehen je fünf Punkte zu erreichen. Wenn sich der Teilnehmer bei der Übung aufs Knie oder die Hand stützte, gab’s einen Abzug von einem halben bis zu einem Punkt. Wer den Test auf wackeligen Beinen absolvierte, dem wurde ebenfalls ein halber Punkt abgezogen.

Mehr als die Hälfte der Probanden zwischen 76 und 80 Jahren bestanden die Übung nicht. Sie erreichten lediglich zwischen null und drei Punkten. Etwa 70 Prozent der Teilnehmer unter 60 Jahren erzielten dagegen zwischen acht und zehn Punkten. Anhand der Punktezahl konnten Ärzte Rückschlüsse auf die Lebenserwartung der Teilnehmer ziehen. Wer die Übung gut meisterte, lebte länger.

Insgesamt dauerte die Studie 6,3 Jahre. In dieser Zeit gab es 159 Todesfälle unter den 2000 Teilnehmern. Von Personen mit einem Ergebnis zwischen 0 und 3 Punkten starben 6,5 Mal mehr als von den Probanden, die ein hohes Ergebnis erreicht hatten. Bei Teilnehmern mit einer Bilanz zwischen 6 und 7,4 Punkten war die Lebenserwartung gleich wesentlich höher. Ihre Sterberate war nur noch 1,8 Mal höher als bei Patienten mit den Topresultaten.

„Lediglich zwei Testpersonen, die zehn Punkte erreicht hatten, starben in den folgenden sechs Jahren“, sagte Claudio Gil Soares de Araújo, Professor an der Gama Filho University in Rio de Janeiro. Der Wissenschaftler war an der Studie beteiligt. Wenn ein Teilnehmer zwischen 51 und 80 Jahren zehn Punkte erreicht, „stehen die Chancen ziemlich gut, in den nächsten sechs Jahren noch zu leben“, so Araújo. Es sei die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Sitzen und Aufstehen auf dem Boden und der Lebenserwartung feststelle. „Es ist bekannt, dass die Ausdauer stark mit dem Überleben zu tun hat. Unsere Studie zeigt aber auch, dass ein hohes Niveau an körperlicher Beweglichkeit, Muskelkraft, das Verhältnis zwischen Kraft und Gewicht sowie Koordination nicht nur bei täglichen Aktivitäten nützlich sind. Sie beeinflussen auch die Lebenserwartung positiv.“




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