HINTERGRUND: Verteidigungsministerinnen in der EU

Mit der Übernahme des Verteidigungsministeriums im neuen Kabinett steht Ursula von Leyen (CDU) in einer ganzen Reihe von Chefinnen dieses Ressorts. Selbst bei den konservativen Parteien in Europa ist sie damit keine Vorreiterin

Was für Deutschland ein historisches Novum ist, haben zahlreiche andere europäische Staaten teils schon vor vielen Jahren erlebt: Mit der Übernahme des Verteidigungsministeriums im neuen Kabinett steht die Niedersächsin Ursula von Leyen (CDU) in einer ganzen Reihe von Chefinnen dieses Ressorts. Selbst bei den konservativen Parteien in Europa ist sie damit keine Vorreiterin.

Als eine der bekanntesten Verteidigungsministerinnen der europäischen Geschichte gilt die französische Konservative Michèle Alliot-Marie, die das Ressort in Paris in den Jahren 2002 bis 2007 leitete. Sie wurde danach noch Innen- und schließlich die erste Außenministerin Frankreichs, stürzte im Jahr 2011 allerdings über dubios finanzierte Urlaubsaufenthalte und Immobiliengeschäfte in Tunesien.

Für Aufsehen sorgte auch die Ernennung der spanischen Sozialistin Carme Chacón im Jahr 2008, die bei ihrem Amtsantritt im siebten Monat schwanger war. Sie leitete das Ressort in Madrid bis zur Wahlniederlage ihrer Partei im Jahr 2011. Ein wenig in Chacóns Schatten agierte in Litauen zudem in den Jahren 2008 bis 2012 Rasa Jukneviciene in einer konservativen Regierung als Verteidigungsministerin.

Vorreiter mit einer Frau an der Spitze des Verteidigungsressorts war allerdings Finnland. Dort übernahm im Jahr 1990 Elisabeth Rehn von der schwedischen Minderheit das Ministerium und blieb fünf Jahre im Amt. Kurz nach ihr wurde die Konservative Anneli Taina Verteidigungsministerin und blieb es bis zum Jahr 1999. Im Nachbarland Schweden wurde im Jahr 2002 die Sozialdemokratin Leni Björklund für vier Jahre erste Ressortchefin.

Bei EU-Ministertreffen dürfte von der Leyen bald auf Kolleginnen aus den Niederlanden und Schweden treffen. Dort leiten die Liberale Jeanine Hennis-Plasschaert und die Konservative Karin Enström jeweils seit dem vergangenen Jahr die Ressorts. Knapp verpassen würde von der Leyen die luxemburgische Christdemokratin Jean-Marie Haldorf, die beim jüngsten Regierungswechsel abgelöst wurde.

Weitere Frauen an der Spitze der Verteidigungsministerien gab es in den vergangenen Jahren zudem in Dänemark, Slowenien und Tschechien. In Kopenhagen übernahm die Liberale Gitte Lillelund Bech im Jahr 2010 für anderthalb Jahre das Ressort. In Ljubljana agierte in den Jahren 2008 bis 2012 die Sozialdemokratin Ljubica Jelusic an der Stelle, in Prag in den Jahren 2007 bis 2009 die Konservative Vlasta Parkanova.