Historischer Kurswechsel in China: „Nordkorea ist unser latenter Feind“

Nordkorea setzt seine Raketentests gern in Szene. Das südkoreanische Fernsehen überträgt die Bilder. (Bild: AP Photo)

Angst, Armut, Ausbeutung – das ist es vor allem, was man heute mit der Schreckensherrschaft in Pjöngjang assoziiert. Der nördliche Teil der koreanischen Halbinsel ist der letzte Arbeiter-und-Bauern-Staat der Erde, und jahrzehntelang konnte sich die Diktatur auf Rückendeckung aus Peking verlassen. Wann immer man auf militärische Schützenhilfe oder finanzielle Mittel angewiesen war, wandte sich das kommunistische Regime an den benachbarten roten Riesen. Doch damit ist neuerdings Schluss.

US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping bei einem Treffen in Washington. (Bild: AP Photo)

Wie der renommierte chinesische Historiker und Nordkorea-Fachmann Shen Zhihua unlängst in einer viel beachteten Rede sagte, sei von der Allianz aus dem Kalten Krieg nicht mehr viel übrig. „Wir müssen klar sehen, dass China und Nordkorea nicht mehr Waffenbrüder sind“, sagte der 67-Jährige. „Nordkorea ist Chinas latenter Feind – und Südkorea könnte Chinas Freund sein.“

In den letzten Wochen wurde das zerrüttete Verhältnis der beiden Länder offensichtlich. Erst vor Kurzem soll Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un einen Termin mit dem chinesischen Chefunterhändler Wu Dawei abgesagt haben. Zudem hatte Nordkorea die Warnungen Chinas, weitere Raketentests durchzuführen, ignoriert und mehrere Militärgeschosse abgefeuert.

Kim Jong-un droht, wie schon sein Vater, regelmäßig mit einem nuklearen Angriff. (Bild: AP Photo)

Genau das sei laut Zhihua auch der Grund für die Spannungen zwischen Peking und Pjöngjang: „Dass Nordkorea sich nukleare Waffen zulegt und ständig Atomraketen-Tests durchführt, ist der Grund für diese ständig schlimmer werdende Krise auf der koreanischen Halbinsel.“

Seit Donald Trump ins Weiße Haus gezogen ist, wandert auch der Fokus der US-Außenpolitik wieder Richtung Nordkorea. Nach mehreren nordkoreanischen Raketentests schickten die USA eine Flugzeugträgerflotte an die koreanische Küste. Während Kim Jong-un nun mit einem Atomkrieg droht, lässt Trump ausrichten, dass er sich ein Treffen mit dem Autokraten vorstellen könnte.

China hingegen bezieht unterdessen keine klare Stellung. Einerseits schickt die Staatspartei von Präsident Xi Jinping Warnungen sowohl nach Nordkorea als auch in die USA, allerdings bemüht sich Trump seit seinem Amtsantritt um ein gutes Verhältnis zu China.

In Pjöngjang demonstriert das Regime regelmäßig seine potenzielle militärische Stärke. (Bild: AP Photo)

Ein weiterer Hinweis, dass Peking sich eher gen Westen orientiert und von Nordkorea als Partner ablässt: Seit Anfang des Jahres kauft China kaum noch Kohle aus Nordkorea – eine bislang wichtige Einnahmequelle für das Regime von Kim Jong-un. Auch die Bankgeschäfte zwischen den beiden Ländern werden von Pekings Seite nach und nach zurückgefahren.

Das enge Band der beiden Länder, die noch im Korea-Krieg Seite an Seite gegen Südkorea und die USA gekämpft haben, scheint damit endgültig zerschnitten.

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