Hitler-Debatte um Gauland: Experte erklärt, warum die Aufregung übertrieben ist

Viktor Weiser

Die Debatte um die AfD ist um einen Skandal reicher, wenn auch nur um einen vermeintlichen.

Begonnen hatte der Streit am Samstag, als die konservative “Frankfurter Allgemeine Zeitung” einen Gastbeitrag von AfD-Chef Alexander Gauland veröffentlichte. Namhafte Historiker warfen dem AfD-Vordenker daraufhin im Berliner “Tagesspiegel” vor, in seinem Text den Duktus und die Argumentationsweise Adolf Hitlers kopiert zu haben. 

Ein schwerwiegender Vorwurf.

Am Mittwoch nun meldete sich AfD-Sprecher Christian Lüth zu Wort und die Debatte nahm eine überraschende Wendung. Lüth behauptete, Gauland habe sich nicht von Hitler inspirieren lassen, sondern vielmehr vom “Tagesspiegel”. Genauer gesagt von einem Artikel aus dem Jahr 2016 mit dem Titel “Die Globale Klasse - Eine andere Welt ist möglich – aber als Drohung”.

Das bringt nun wiederum den “Tagesspiegel” in Erklärungsnot.

Der etwas vorschnelle Hitler-Vergleich zeigt aber auch, wie hysterisiert die politische Debatte derzeit ist. Profitieren wird davon wohl am Ende nur Gauland selbst, der den Medien wieder einmal Parteilichkeit vorwerfen kann. 

Die HuffPost hat über die Aufregung im Fall Gauland mit dem Philosophen, Publizisten und Populismus-Experten Daniel-Pascal Zorn gesprochen – er erklärt auch, wie man klüger mit Populisten umgeht als viele Gauland-Kritiker es derzeit tun.

Gauland und Hitler – same same but different? 

Zorn warnt im Gespräch vor einer übertriebenen Skandalisierung, die nur dazu beitrage, dass sich Populisten wie Gauland immer wieder auf ihre Opferrolle berufen könnten. In Bezug auf den Gauland-Hitler-Vergleich sagt Zorn: 

“Ich halte diese Einschätzung für einen assoziativen Fehlschluss. Duktus und Inhalt erinnern deswegen an Hitler, weil sie dem stets gleichen, strikten Mustern populistischer Argumentation gleichen.”

Die Kritiker Gaulands hatten sich vor allem auf eine Passage bezogen, in der der AfD-Chef vor einer...

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