Tropische Nächte und bis zu 40 Grad zur Wochenmitte

Die Hitze macht dem Körper zu schaffen

Tropische Nächte und bis zu 40 Grad zur Wochenmitte: Über Deutschland rollt eine Hitzewelle hinweg. Nach Temperaturen mit Höchstwerten bis zu 34 Grad am Montag erwarteten die Meteorologen für die kommenden Tage weiter steigende Temperaturen. Für Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sind die Wetterdaten ein Indiz dafür, "dass Hitzewellen und andere Wetterextreme in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben".

Bereits in der Nacht zum Montag kündigte sich die Hitzewelle mit tropischen Nächten an, bei denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken. In Köln beispielsweise registrierte der Deutsche Wetterdienst Nachttemperaturen von 20,2 Grad, in Duisburg waren es 21,2 Grad.

Für Dienstag erwarteten die Meteorologen Höchsttemperaturen zwischen 31 und 36 Grad, entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse lokal auch bis 38 Grad Celsius. Voraussichtlich am Mittwoch sollte die Hitzewelle ihren Höhepunkt erreichen. Dann könnte Hoch "Ulla" Deutschland Werte bis 40 Grad Celsius bescheren, sagte Diplommeteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Nachts seien in den Ballungsräumen dann sogar 23 bis 25 Grad möglich.

Für den Körper sei die Hitze in jedem Fall "eine Tortur", sagte der DWD-Experte. Grund für die hohen Temperaturen ist demnach eine Südströmung, die heiße Luft aus Nordwestafrika bis nach Mittel- und Westeuropa bringt. Aus Afrika mitgelieferter Saharastaub könnte die Temperaturen möglicherweise noch etwas ausbremsen, sagte Kirchhübel.

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) warnte vor möglichen gesundheitlichen Risiken. "Temperaturen, die über einen längeren Zeitraum hinweg bei weit über 30 Grad liegen, können Kreislaufbeschwerden und körperliches Unwohlsein auslösen", erklärte Lucha in Stuttgart. Im schlimmsten Fall könne die extreme Hitze lebensbedrohlich sein.

"Monatliche Hitzerekorde auf der ganzen Welt treten heute fünfmal häufiger auf, als es bei einem stabilen Klima der Fall wäre", erklärte der PIK-Experte Rahmstorf. Damit bestätigten sich die Vorhersagen der Wissenschaftler zu den Folgen der globalen Erwärmung, "die verursacht wird durch den steigenden Ausstoß von Treibhausgasen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas".

Auch in anderen Staaten Europas bereiten die Behörden die Menschen auf ungewöhnlich hohe Temperaturen vor. In Spanien warnte die Wetterbehörde Aemet vor einer bis mindestens Ende Juni anhaltenden Hitzewelle mit Temperaturen über 35 oder sogar über 40 Grad Celsius. Belgien erwartete ab Dienstag Temperaturen von mindestens "34 oder 35 Grad". In Großbritannien rechnete die Wetterbehörde für Montag und Dienstag mit "schweren Unwettern".

In Frankreich dürfte die ungewöhnlich frühe Hitze mit Temperaturen um die 40 Grad am Dienstag auch Paris erreichen. In der französischen Hauptstadt und ihrer Umgebung galt bereits seit Montag die zweithöchste Hitze-Alarmstufe Orange: Damit traten eine Reihe von Vorkehrungen in Kraft, die vor allem alte und kranke Menschen sowie Kinder und Obdachlose schützen sollen.

Dazu zählen Räume in öffentlichen Einrichtungen, in denen sich Menschen abkühlen können, Ventilatoren in Krippen und Schulen sowie die nächtliche Öffnung von Parks für Obdachlose. In Frankreich wurde nach dem traumatischen Glutsommer im Jahr 2003 mit rund 15.000 Hitzetoten ein staatlicher Notfallplan zum Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft entwickelt.