Hochwasser in Venedig: Frust über Politik

In Venedig kommt mit dem Hochwasser Missmut über die Politik auf. Der Bürgermeister geht von Schäden von mehreren Hundert Millionen Euro aus und sprach von einer Katastrophe - vor der angesichts des Klimawandels immer wieder gewarnt worden war. Die Stadt sei nicht bereit für die Zukunft, meint der Venezianer Marco Agostini. Politische Probleme würden Projekte lahmlegen.

Eine Anspielung auf das Flutschutzsystem "Mose", das die Stadt durch ausfahrbare Barrieren vor Hochwasser schützen soll und an dem sich mehrere Politiker unrechtmäßig bereichert haben. Ursprünglich sollte es 2011 fertiggestellt werden. Mit einer Inbetriebnahme wird aktuell 2021 gerechnet.

130 Zentimeter Hochwasser am Donnerstag 

Regierungschef Giuseppe Conte erklärte bei einem Krisenbesuch in Venedig, man sei dabei, die Probleme zu beseitigen, die die Stadt seit Jahren versinken lassen. Ein Sonderausschuss werde einberufen, um endgültige Lösungen zu finden.

Zudem wird seit Jahren über die Kreuzfahrtschiffe gestritten, die durch die Kanäle fahren und laut Expertinnen und Experten die ohnehin gefährdete Bausubstanz bedrohen. Sie sollen jetzt aus dem Zentrum verbannt werden.

Das Hochwasser hatte Mittwochnacht seinen Hochstand von 187 Zentimetern über dem Meeresspiegel erreicht - das hatte es seit 1966 nicht mehr gegeben. Damals stiege das Wasser auf 194 Zentimeter. Für Donnerstag wurden 130 Zentimeter erwartet. Der italienische Zivilschutz warnte vor neuen Unwettern mit starkem Wind in der Region.