Hollywood-Altstar Coppola zeigt in Cannes seinen Monumentalfilm "Megalopolis"

Der 85 Jahre alte US-Filmemacher Francis Ford Coppola stellte am Donnerstagabend seinen hoch gehypten Film "Megalopolis" in Cannes vor. (CHRISTOPHE SIMON)
Der 85 Jahre alte US-Filmemacher Francis Ford Coppola stellte am Donnerstagabend seinen hoch gehypten Film "Megalopolis" in Cannes vor. (CHRISTOPHE SIMON)

Seit etwa 40 Jahren plante er diesen Film, er verkaufte dafür einen Teil seines Weinguts und hofft nun im Wettbewerb auf eine dritte Goldene Palme in Cannes: Der 85 Jahre alte US-Filmemacher Francis Ford Coppola stellte am Donnerstagabend seinen hoch gehypten Film "Megalopolis" in Cannes vor. Die Meinungen des Publikums waren geteilt. Nach der Premiere fiel der Beifall geringer aus als für andere Filme.

"Wann geht ein Reich zugrunde? Bricht es in einem schrecklichen Moment zusammen? Nein, es geschieht eher, wenn niemand mehr an es glaubt", verkündet eine Stimme aus dem Off zu Beginn des Films, der eine Parallele zwischen einer verzerrten Version der modernen USA mit dem Römischen Reich kurz vor dessen Zusammenbruch zieht.

Die Einwohner eines dekadenten New Yorks geben sich wilden Partys hin, amüsieren sich an Wagenrennen und Ringkämpfen im Madison Square Garden und sind von bröckelnden antiken Statuen umgeben.

Ein konservativer Bürgermeister und ein von Adam Driver verkörperter Architekt mit magischen Fähigkeiten und großen Plänen rivalisieren miteinander. Der Konflikt verschärft sich, als die Tochter der Bürgermeisters sich in den Architekten verliebt.

Der knapp zweieinhalb Stunden lange Film ist eine Mischung aus Science Fiction und Experimentalfilm mit zahlreichen historischen Anleihen wie Shakespeare-Zitaten und Archivbildern von Adolf Hitler und einer russischen Raumstation. In der zweiten Hälfte des Films überschreitet der Filmemacher die Grenze zum Theater und lässt einen Schauspieler im Saal auf das Geschehen auf der Leinwand reagieren.

"Wir könnten unsere Republik verlieren, die Republik und die Demokratie sind so wertvoll", so fasste Coppola die Botschaft seines Films in einem Interview mit France2 zusammen. "Wir können Sterne erforschen und das Genom entschlüsseln (...), und wir können eine wunderbare Welt für unsere Kinder schaffen", betonte er.

An dem Drehbuch hatte der US-Filmemacher bereits 1983 gearbeitet. Mehrere der Schauspieler, die mitspielen sollten, starben vor der Fertigstellung des Werks. Im Jahr 2001 begann ein erster Dreh in New York, den Coppola nach den Anschlägen vom 11. September zunächst nicht fortsetzte.

Zur Finanzierung des 120-Millionen-Dollar-Vorhabens trennte Coppola sich von einem großen Teil seines Weinguts in Kalifornien. "Ohne Risiko kann man keine Kunst machen", sagte Coppola dazu.

Beim Gang über den roten Teppich in Cannes mit Strohhut und Gehstock, an der Seite seiner Enkelin, wurde der Altstar von den Zuschauern bejubelt. Coppola widmete den Film seiner vor wenigen Wochen verstorbenen Frau Eleonore, mit der er 60 Jahre lang verheiratet war. 45 Jahre ist es her, dass Coppola mit dem Vietnam-Film "Apocalypse Now" in Cannes seine erste Goldene Palme gewann.

In den 70ern zählte Coppola zu den jungen Rebellen des "New Hollywood", die gesellschaftskritische Themen ins Kino brachten und von Happy End-Filmen nichts mehr wissen wollten. Die Mafia-Trilogie "Der Pate" zählt zu seinen bekanntesten Werken. "Megalopolis" erscheint als ein Vermächtnis, das manche Zuschauer verstören dürfte.

kol/se