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Holocaust-Gedenktag: Religionsvertreter warnen vor Erstarken rechtsextremer Kräfte

Vor dem Holocaust-Gedenktag haben Religionsvertreter vor einem Erstarken rechtsextremer Kräfte gewarnt. Die Grundlagen des Zusammenlebens seien "in den vergangenen Jahren stark beschädigt" worden, erklärte der Limburger Bischof Georg Bätzing. (JANEK SKARZYNSKI)
Vor dem Holocaust-Gedenktag haben Religionsvertreter vor einem Erstarken rechtsextremer Kräfte gewarnt. Die Grundlagen des Zusammenlebens seien "in den vergangenen Jahren stark beschädigt" worden, erklärte der Limburger Bischof Georg Bätzing. (JANEK SKARZYNSKI)

Vor dem Holocaust-Gedenktag haben Vertreter von Religionsgemeinschaften und Verbänden die Bedeutung der Erinnerungskultur hervorgehoben und vor einem Erstarken rechtsextremer Kräfte gewarnt. Die Grundlagen des Zusammenlebens seien "in den vergangenen Jahren stark beschädigt" worden, erklärte der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Freitag. "Rechtspopulistische Propaganda hat wesentlich zur Vergiftung des sozialen Klimas beigetragen. Manche Beiträge zur Debatte um Migration und Integration sind von Fremdenfeindlichkeit, wenn nicht gar Rassismus geprägt."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hob die Rolle der Gedenkstätten hervor. Diese leisteten "wichtige Bildungsarbeit" und stärkten "unsere lebendige Demokratie", betonte Präsident Josef Schuster. "Diese pädagogische Arbeit muss von Bund und Ländern ausreichend finanziell ausgestattet werden, um den hohen Anspruch an Gedenkstättenbesuche gerecht zu werden." Mit den schwindenden Zeugen des Holocausts rückten Gedenkstätten noch stärker in den Fokus. "Sie sind für das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft unentbehrlich", so Schuster.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erklärte, "eine Erinnerung ohne die Verpflichtung im Hier und Jetzt zu handeln und alles dafür zu tun, dass solches Unrecht nie wieder geschieht", bleibe "unvollkommen". Der Antiziganismus-Beauftragte Mehmet Daimagüler ergänzte, "der Blick in den Abgrund deutscher Geschichte, für den der Name Auschwitz steht", mache "mit aller Deutlichkeit klar, warum wir uns gemeinsam gegen Hetze, Ausgrenzung und Gewalt stellen müssen."

Der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, äußerte Sorgen angesichts aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. "Das beunruhigende Erstarken rechtsextremer Parteien in Europa, der zunehmende Antisemitismus der extremen Linken und islamistischer Fundamentalisten lassen ein Wiederaufleben von Ideologien befürchten". Sie bedrohten nicht nur Juden und jüdische Einrichtungen, "sondern auch Europa, die europäische Lebensweise und unsere Freiheit".

Auch der Deutsche Behindertenrat mahnte die Bedeutung der Erinnerung in der heutigen Zeit an. "In einer Zeit, in der Rechtsextreme wieder von Massendeportationen auch deutscher Staatsbürger mit ausländischen Wurzeln träumen" rief der Rat Bürgerinnen und Bürger auf, "sich entschlossen gegen diese menschenfeindlichen Bestrebungen zu stellen", heißt es in einer Mitteilung.

Am Samstag wird weltweit der Opfer des Holocausts gedacht. Der internationale Gedenktag findet 79 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau statt. Am Mittwoch kommender Woche ist die diesjährige Holocaust-Gedenkstunde im Bundestag geplant. Die Auschwitz-Überlebende und Publizistin Eva Szepesi und der Sportjournalist Marcel Reif, Sohn eines Holocaust-Überlebenden ist, sollen Reden halten.

hol/mt