Horror-Zahnarzt aus Marseille zu acht Jahren Haft verurteilt

Er zog massenhaft gesunde Zähne und bereicherte sich durch den Zahnersatz: Der ehemalige Zahnarzt Lionel Guedj ist am Donnerstag in Marseille wegen mutwilliger Körperverletzung zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht ordnete zudem seine Festnahme an. Die Strafe bleibt damit hinter dem Höchstmaß von zehn Jahren zurück, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Guedjs Vater, der mit ihm zusammengearbeitet hatte, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die beiden Männer hätten das Leben vieler Patienten beschädigt und ihnen das Lächeln gestohlen, sagte die Vorsitzende Richterin Céline Ballerini. Viele hätten "unerträgliche Schmerzen" erlitten.

Insgesamt soll Guedj etwa 3900 gesunde Zähne ohne therapeutischen Nutzen abgetötet oder gezogen haben. Mit seinen betrügerischen und fahrlässigen Methoden hat er vielen seiner Patienten das das Leben zur Hölle gemacht. Den meisten von ihnen empfahl er, möglichst viele Zähne ersetzen zu lassen. Mehr als 300 seiner Patienten waren schließlich vor Gericht gezogen.

2005 hatte Guedj seine Praxis im Norden von Marseille eröffnet, wo viele Menschen mit geringem Einkommen und nordafrikanischen Wurzeln leben. Fünf Jahre später war er mit einem Monatseinkommen von bis zu 80.000 Euro der bestbezahlte Zahnarzt Frankreichs.

Seine Operationen führte er schnell und nachlässig aus. Viele Patienten klagten anschließend über Entzündungen, Abszesse, Geschwüre, schlecht sitzenden Zahnersatz. Der Zahnarzt rechnet so viele Eingriffe ab, dass sein Arbeitstag bis zu 52 Stunden hätte dauern müssen.

Vor Gericht hatte Guedj seine Patienten um Entschuldigung gebeten und erklärt, er habe niemanden verletzten wollen.

kol/ans