Howard Hodgkin als Porträtmaler

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Howard Hodgkin als Porträtmaler

Howard Hodgkin, Portrait of the Artist Listening to Music, 2016. Foto: Jorge Herrera

  Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass eine neue Ausstellung über den britischen Maler Howard Hodgkin in London mit dem Bild «Memoirs» beginnt und mit einem Selbstporträt endet.

Denn Hodgkin, der am 9. März im Alter von 84 Jahren gestorben ist, hatte zwei Jahre lang aktiv an dem Projekt der National Portrait Gallery mitgearbeitet und sich riesig gefreut. Es sei höchste Zeit, dass seine Porträtkunst erklärt und verstanden werde, habe er gesagt. «Für uns ist dies ein bittersüßer Augenblick - eine Feier und Huldigung seines Lebens und Werks zugleich», sagte Direktor Nicholas Cullinan zur Eröffnung der Ausstellung «Absent Friends» (Abwesende Freunde) am Donnerstag.

Hodgkin, der überwiegend auf Holz malte, ist vor allem für die glühenden Farben und schweifenden Pinselstriche seiner Gemälde bekannt. Er erhielt 1985 den renommierten Turner-Preis und wurde weltweit in Museen gezeigt. Er galt als einer der größten zeitgenössischen britischen Maler - und ließ sich dennoch nicht einordnen. Label wie Pop-Art oder abstrakte Malerei trafen auf ihn nicht zu. Seine großen Vorbilder waren unter anderen Picasso und Matisse.

Er hasse den Prozess des Malens, hatte Hodgkin einmal gesagt. Er empfinde es als eine Qual, seine «nebulösen Gefühle» adäquat in die Malerei einzubinden, auch wenn er meistens mit dem Endergebnis zufrieden war. «Ich male repräsentative Bilder von emotionalen Situationen», sagte er. Dies wird laut Kurator Paul Moorhouse besonders in der Porträtmalerei Hodgkins deutlich, die in der neuen Ausstellung weltweit erstmals überhaupt thematisiert wird. Seine Porträts, so Moorhouse, «sind sehr unorthodox, weil sie auf Erinnerung und Emotion beruhen, sie sind weder gegenständlich noch abstrakt.»

So ist es denn auch zu erklären, dass auf den 55 gezeigten Werken nicht auf Anhieb Personen zu erkennen sind. Der Künstler vermittelt aus dem Gedächtnis Elemente von Personen, die ihm wesentlich erscheinen, und verbindet sie mit seinen eigenen Emotionen und seinem Verhältnis zu der in Frage stehenden Person. So können Figuren auf einem idyllischen Spaziergang nur aus breiten Pinselstrichen in orange oder rosa bestehen oder der Freudentanz einer befreundeten Künstlerin nach dem Geschenk eines teuren Kleids zu einem abstrakt anmutenden Gemälde werden. Hodgkins habe eine «neue visuelle Sprache gefunden, in der er sein Gedächtnis in nicht-figurative Formen gießt», sagte Moorhouse.

Deutlich wird dies schon bei Hodgkins allererstem Porträt, das er als 17-Jähriger 1949 malte. Es trägt den Titel «Memoirs» und stellt aus dem Gedächtnis eine zwei Jahre zuvor geführte Unterhaltung zwischen ihm und einer Familienfreundin in New York dar. Absolutes Glanzstück der Ausstellung ist ein bewegendes Selbstporträt, das der zuletzt an den Rollstuhl gefesselte Hodgkin eigens für die Schau erst Ende letzten Jahres fertigstellte. «Portrait of the Artist Listening to Music» (Porträt des Künstlers beim Musikhören) ist nun sein letztes Werk. In dem «psychologisch geladenen» Gemälde, so Moorhouse, «starrt der Künstler scheinbar ins Ungewisse.» 

Ausstellung

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