HSV: Letzte Hoffnung

Daniel Jovanov
·Lesedauer: 2 Min.

Kurz vor Saisonende wechselt der HSV seinen Trainer aus: Daniel Thioune muss gehen, Horst Hrubesch soll retten, was zu retten ist. Die Zuversicht gehört eher nicht dazu.

Horst Hrubesch, 70, Ikone und neuer Trainer des Hamburger SV  © Robert Michael/​dpa
Horst Hrubesch, 70, Ikone und neuer Trainer des Hamburger SV © Robert Michael/​dpa

Noch vor wenigen Tagen, nach fünf sieglosen Spielen in Serie und nur zwei Siegen aus den letzten zwölf Partien, hatte Sportvorstand Jonas Boldt seinem Trainer öffentlich den Rücken gestärkt. "Uns fehlt eine Leistungskultur und Mut, da gebe ich den Kritikern recht. Dieser Zustand ist über Jahre gewachsen", sagte der 39-Jährige noch am Freitagmittag. Am Vortag hatte seine Mannschaft mit einem 1:1 gegen den Karlsruher SC die Hoffnungen auf den direkten Aufstieg verspielt. Inzwischen zum dritten Mal in Folge, seit die Hamburger in der Zweiten Liga spielen.

Um den Kreislauf zu brechen, jedes Jahr alles und jeden auszutauschen, habe man sich deshalb ganz bewusst für den Schritt Entwicklung entschieden. "Das fängt bei mir an, geht bei Michael (Mutzel, Sportdirektor, Anm. d. Redaktion), dem Trainer (Thioune) und der Mannschaft weiter und hört im Nachwuchs auf. Nur so bekommt man eine Kulturveränderung in den Club", war sich Boldt sicher.

Nur drei Tage später, am Montagmorgen, erklärte er auf einer Pressekonferenz, zwischen Trainer und Mannschaft passe es nicht mehr. "Der Eindruck hat sich verfestigt, dass die Distanz zwischen Daniel Thioune und der Mannschaft zu groß geworden ist", führte der Manager aus. "Wir liefen Gefahr, die Saison austrudeln zu lassen und bei uns viel kaputtzumachen." Die Saison, das muss man an dieser Stelle dazusagen, umfasst für den Verein noch ganze drei Spieltage.

Nach Informationen der ZEIT hat es in den vergangenen Monaten in der Kabine immer wieder Reibereien zwischen dem Trainer und seiner Mannschaft gegeben. Vermeintliche Leistungsträger sorgten für schlechte Stimmung, wenn sie sich auf der Bank wiederfanden. Thioune stellte sie wieder auf, opferte dafür andere – etwa den jungen Manuel Wintzheimer – um das Klima in der Mannschaft zu verbessern.

"Vielleicht hat unser Trainer hinsichtlich der Flexibilität an manchen Stellen überdreht. Durch die letzten Wochen ist auch bei ihm viel passiert. Die klare Führung, die er hatte, ist auf der Strecke geblieben", begründete Boldt den Trainerwechsel. Mit dieser Art hatte Thioune sein Standing in der Kabine verloren. Aber nicht erst seit dem 1:1 gegen KSC.

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