HSV: Jetzt spricht der Mäzen

Daniel Jovanov

Klaus-Michael Kühne hat den HSV jahrelang mit seinen Millionen gerettet. Nun will er nicht mehr zahlen und positioniert sich im internen Machtkampf neu.

Milliardär Klaus-Michael Kühne hat seinem HSV den Geldhahn zugedreht. © dpa

Klaus-Michael Kühne ist der wichtigste Investor des Hamburger SV. Ohne ihn wären im Volksparkstadion schon längst alle Lichter ausgegangen, sagen viele ehemalige Funktionäre. Wenn die Not besonders groß war, ist Kühne mit seinen Millionen immer wieder eingesprungen. Mal in Form von Darlehen, mal, indem er Aktien kaufte. 20 Prozent der HSV Fußball AG gehören ihm mittlerweile.

Doch jetzt gibt's von ihm kein neues Geld mehr. "Ein weiteres finanzielles Engagement habe ich bis auf Weiteres nicht vorgesehen", schreibt Kühne der ZEIT. Die Formulierung "bis auf Weiteres" heißt beim HSV in der Regel: bis zur nächsten Krise, dann wird neu verhandelt.

Damit diese Krise nicht eintritt, muss der aktuelle Kader weiter verstärkt werden. Ausschließlich aus Bordmitteln, wie aus Kreisen des Vorstandes versichert wird. Also müssen Spieler verkauft werden. Douglas Santos ist bereits für zwölf Millionen Euro zu Zenit St. Petersburg gewechselt. Viel mehr ist derzeit aber nicht rauszuholen. Für die übrigen Verkaufskandidaten Julian Pollersbeck, Bobby Wood und Kyriakos Papadopoulos gibt es keinen Markt. Der HSV wird bis zum Ende der Transferperiode am 2. September hoffen müssen, dass sich doch noch Interessenten melden. Mäzen Kühne zeigt sich wenig begeistert von der bisherigen Kaderzusammenstellung. "Noch scheint mir die Mannschaft 'kunterbunt zusammengewürfelt' zu sein, aber ich hoffe, es wird Sportvorstand und Trainer gelingen, daraus ein starkes Team zu formen. Das wünsche ich mir wenigstens sehr", schreibt er.

Dass der HSV die kommende Saison, die am 28. Juli mit einem Heimspiel gegen Darmstadt beginnt, ohne Zuschüsse von Klaus-Michael Kühne bestreiten kann, scheint sicher zu sein. Die Frage ist aber schon jetzt: Was passiert danach? Sollte die Mannschaft aufsteigen, braucht der Verein frisches Kapital, um in der Bundesliga mithalten zu können. Sollte er in der zweiten Liga bleiben, bräuchte er Mittel, um die fehlenden Einnahmen aus Fernsehgeldern auszugleichen. Woher soll das Geld kommen?

Seit Bernd Hoffmann im Mai 2018 den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernahm, tut er viel dafür, den HSV Schritt für Schritt von Kühne zu emanzipieren. Zu viel Mitspracherecht von außen hat der Entwicklung des HSV geschadet, findet Hoffmann. Deshalb wird im Hintergrund eine Idee geprüft, die den Club unabhängiger machen soll von einem einzigen Geldgeber. Es geht dabei um eine Änderung der Rechtsform. Vor fünf Jahren entschieden die Mitglieder des HSV, die Profifußballabteilung in eine Aktiengesellschaft auszugliedern. Bis dahin waren alle Sportarten unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins HSV e.V. organisiert. Kühne hat die Ausgliederung damals unterstützt. Sie hat ihm die Tür geöffnet, Aktien zu kaufen und damit seinen Einfluss zu vergrößern. Bei der letzten Jahreshauptversammlung im Januar haben die Mitglieder beschlossen, diese Tür wieder zu schließen. Ohne ihre Zustimmung darf die Profifußballabteilung, die HSV Fußball AG, nicht mehr als 25 Prozent der Aktien verkaufen.

Lesen Sie hier weiter!