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HSV-Unikum Dörfel: Flankengeber, Schlagersänger, Ehrenclown

13 Jahre lang beim Hamburger SV kongenialer Flankengeber für Uwe Seeler, aber auch Schlagersänger und Ehrenclown beim Zirkus Roncalli:

Ex-Nationalspieler Charly Dörfel, ein Fußball-Unikum der Hansestadt, wird am Mittwoch 80 Jahre alt.

Flanke Charly, Kopfball Uwe, Tor! Wenn Mittelstürmer-Idol Uwe Seeler wieder einmal den Ball ins gegnerische Tor gewuchtet hatte, ging sein erster Dank regelmäßig auf den linken Flügel.

Denn ohne die präzisen Hereingaben von Gert "Charly" Dörfel hätte der Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wohl weit weniger als 137 Bundesligatore für den Hamburger SV erzielt.

Am Mittwoch feiert der kongeniale Partner von "Uns Uwe" auf Mallorca seinen 80. Geburtstag.

Dörfel: "Vor dem Fernseher sitze ich wie ein Weltmeister"

"Ich habe Pflegestufe 3, sieben Stents, aber vor dem Fernseher sitze ich wie ein Weltmeister", sagt der Mann, der mit dem HSV deutscher Meister und DFB-Pokalsieger wurde, aber stets im Schatten vom "Dicken", wie er Seeler nannte, stand.

Dörfel schoss das allererste HSV-Bundesligator, ihm gelang der erste Dreierpack der Ligageschichte, doch der ganz große sportliche Ruhm blieb ihm verwehrt.

Doch Neid war und ist dem waschechten Hamburger fremd.

"War gerne die beste Nummer zwei"

"Ich war gerne die beste Nummer zwei und habe ja auch von Uwe profitiert", sagte Dörfel im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.

Seelers Ernsthaftigkeit setzte der pfeilschnelle Außenstürmer ("100 m in 10,6 Sekunden, handgestoppt") Faxen, Späße und manchmal sogar anarchischen Humor entgegen.

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Die Bundestrainer Sepp Herberger und Helmut Schön konnten mit dem nicht immer asketischen Stürmer wenig anfangen, nur elf Länderspiele stehen in der Statistik.

Einen Platzverweis fing er sich ein, als er sich beim Schiedsrichter als "Meier" zurückmeldete.

Dörfel versuchte sich als Schlagersänger

Dörfel kam mal mit, mal ohne Toupet auf den Platz, nahm sich bei großer Hitze gern einmal Auszeiten im Schatten der Tribüne und führte Hunde, die ihren Herrchen entwischt waren, am Mittelkreis Gassi.

Als sich der Tausendsassa dann sogar noch als Schlagersänger versuchte und die Single "Das kann ich Dir nicht verzeih'n" in den Plattenläden auftauchte, wurde sogar der renommierte Zirkus Krone auf den Fußball-Harlekin aufmerksam.

Vom Konkurrenten Roncalli gab es eine Ehren-Urkunde für seinen Ulk. Doch seinen sicheren Anschlussjob nach der Fußballkarriere beim Wirtschafts- und Ordnungsamt wollte Dörfel dann doch nicht aufgeben.

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Bei "seinem" HSV, da ist er sich sicher, wird es bald wieder bessere Zeiten geben, für den ersten Bundesliga-Abstieg sind laut Dörfel personelle Fehlplanungen und zu komplizierte interne Strukturen verantwortlich gewesen:

"Bei Bayern München haben nur drei, vier Leute etwas zu sagen, beim HSV sind es zehn bis 15." Nur ihn hat nie jemand gefragt...