Ist die Idee zur extragroßen BMW-Niere schon 50 Jahre alt?

de.info@motor1.com (Roland Hildebrandt)
BMW i4 vs. BMW Garmisch

BMW Concept i4 und BMW Garmisch im Vergleich

Sie kennen es bestimmt: Man läuft an einer bestimmten Sache vorbei und hat ein Déjà-vu-Erlebnis. Das hat man doch irgendwo schon mal gesehen ... Genau ging es mir neulich bei einem Besuch der Klassikabteilung von BMW. Dort steht der Nachbau des legendären "Garmisch" von 1970. Beim Anblick seiner Frontpartie kamen mir spontan die beiden Studien BMW Concept i4 und Concept 4 in den Sinn. Ganz genau: Jene Autos mit dem Riesen-Grill, den Monster-Nieren, über die sich Fans der Marke derzeit aufregen. Nur ist die Designinspiration womöglich schon 50 Jahre alt.   

Sehen wir uns den BMW Garmisch (seinerzeit auch als 2200ti Garmisch bezeichnet) genauer an: Der Nachbau des Originals wurde erstmals beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2019 enthüllt. Das ursprüngliche Konzeptfahrzeug war von Marcello Gandini für Bertone entworfen worden und nach der Enthüllung auf dem Genfer Automobilsalon 1970 spurlos verschwunden. 

BMW-Klassiker im Fahrbericht:

„Marcello Gandini ist für mich einer der Großmeister des Automobildesigns und seine Entwürfe waren schon immer eine wichtige Inspirationsquelle für meine Arbeit”, sagte Adrian van Hooydonk, Senior Vice President der BMW Group Design, anno 2019. Der BMW Garmisch fasziniert ihn, seit er vor einigen Jahren eine verblichene Fotografie des Autos entdeckte.

Inspiration. Da haben wir es! In der direkten Gegenüberstellung von i4 Concept und Garmisch (siehe oben) zeigt sich, dass schon bei der Studie von 1970 der Grill überproportional groß war und weit nach unten reichte.

BMW Garmisch (1970) neu aufgebaut

Wie viele andere italienische Konzeptautos der 1960er und 1970er Jahre wurde auch der BMW Garmisch bei Bertone als unabhängiger Designvorschlag entwickelt, um das kreative Potential des Studios zu demonstrieren. „Die ursprüngliche Idee kam von Nuccio Bertone persönlich, der unsere bestehende Beziehung zu BMW mit einer überraschenden Designstudie auf dem Genfer Autosalon festigen und ausbauen wollte”, erinnert sich Marcello Gandini, der zu jener Zeit Bertones Designstudio leitete.

„Wir wollten ein Mittelklasse-Coupé entwickeln, das einerseits der Formensprache von BMW treu blieb, andererseits aber auch etwas dynamischer herüberkam und sogar ein wenig provozierte.”, so Gandini weiter.

BMW Garmisch (1970) neu aufgebaut

Während die Seitenflächen des Autos sehr aufgeräumt und glatt wirkten, zog der BMW Garmisch mit seinem kühnen, kantigen und vertikal positionierten Kühlergrill und den rechteckigen, verglasten Scheinwerfern die Aufmerksamkeit auf sich. Weitere ungewöhnliche Details waren die Lufteinlässe in den C-Säulen, die mehr an Sportwagen erinnerten, und die wabenförmig strukturierte Sonnenschutzblende auf der Heckscheibe – ein typisches Stilelement Marcello Gandinis.

Kenner der Markengeschichte sehen natürlich sofort die Einflüsse auf die erste Generation der 5er-Reihe (E12) von 1972. Sie kam allerdings mit Doppelscheinwerfern nach Art des BMW 2500/2800, verantwortlich zeichnete der ehemalige Mercedes-Designer Paul Bracq.

BMW E12

Interessant ist aber mit Blick auf die kommende XXL-Niere der 4er-Modelle ein Detail des E12: Nach der Modellpflege im August 1976 endete die Niere dort in einer Ausbuchtung in der Mitte der Motorhaube (siehe Bild oben aus dem Jahr 1978). Ähnlich wird es auch beim nächsten 4er und i4 sein, allerdings wird die Haube hier über beiden Teilen der Niere einzeln ausgeformt, in das so entstehende "Tal" wandert das BMW-Logo.