Wirtschaftsforscher senken ihre Konjunkturprognosen deutlich ab

Baukräne in Kiel

Die Wirtschaftsforscher haben ihre Konjunkturprognosen für Deutschland deutlich abgesenkt. Das Münchner Ifo-Institut geht statt von 2,6 Prozent Wachstum nur noch von 1,8 Prozent in diesem Jahr aus, das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung schraubte seine Erwartung von 2,4 auf 1,8 Prozent herunter. Beide Institute nannten am Dienstag den schwachen Start ins Jahr und vor allem das "rauer gewordene außenwirtschaftliche Klima".

Für das kommende Jahr sagt das Ifo-Institut ebenfalls nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent voraus, nachdem es zunächst von einem Plus von 2,1 Prozent ausgegangen war. Die RWI-Forscher senkten ihre Prognose für 2019 sogar von 1,9 auf 1,5 Prozent.

"Die Wirtschaft hat sich in den ersten Monaten des Jahres deutlich schlechter entwickelt als gedacht", erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Das vom Ifo gemessene Geschäftsklima sei zurückgegangen "und die weltwirtschaftlichen Risiken haben deutlich zugenommen".

Auch das RWI in Essen erklärte, die deutsche Konjunktur habe in der ersten Hälfte des Jahres "merklich an Fahrt verloren". Die Exporte seien im ersten Quartal gesunken, und die Indikatoren wie etwa die Industrieproduktion ließen keine rasche Erholung erwarten.

Bei den Ausfuhren blicken die RWI-Forscher besorgt in die Zukunft: Die USA wendeten inzwischen Zölle auf Stahl und Aluminium an, und die betroffenen Länder hätten ihrerseits bereits Vergeltungszölle verhängt oder angekündigt. Auch eskaliere der Handelsstreit zwischen den USA und China. Das Aufkeimen des Protektionismus dürfte demnach negativ auf das Exportklima in Deutschland wirken.

Die Binnenwirtschaft dagegen läuft rund: Die Bauinvestitionen expandierten wohl weiterhin kräftig, erklärte das RWI, und die privaten Konsumausgaben profitierten von einer voraussichtlich weiter zunehmenden Beschäftigung, Lohnerhöhungen und Abgabensenkungen ab 2019.

Das Ifo-Institut prognostizierte, in diesem und im kommenden Jahr werde die Zahl der Arbeitslosen weiter sinken - von 2,5 Millionen 2017 auf 2,3 Millionen im laufenden Jahr und auf 2,2 Millionen 2019. "Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte neue Rekorde erzielen und auf über 44,8 Millionen in diesem und 45,2 Millionen im kommenden Jahr steigen", erklärte Wollmershäuser.