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Experten: Sparmaßnahmen, Bauernproteste und Bahnstreiks trüben Geschäftsklima

Die Stimmung bei den Unternehmern in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn weiter verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts sank von 86,3 Punkten im Dezember auf 85,2 Punkte im Januar (John MACDOUGALL)
Die Stimmung bei den Unternehmern in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn weiter verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts sank von 86,3 Punkten im Dezember auf 85,2 Punkte im Januar (John MACDOUGALL)

Die Stimmung bei den Unternehmern in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn weiter verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts sank von 86,3 Punkten im Dezember auf 85,2 Punkte im Januar. Gründe dafür dürften nach Ansicht von Experten auch die Bauernproteste und Bahnstreiks sein.

"Die deutsche Wirtschaft steckt in der Rezession fest", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Donnerstag in München. Schon im Dezember war das Ifo-Geschäftsklima nach vorher drei leichten Anstiegen in Folge überraschend gesunken. Dieses Ergebnis setzte sich nun fort und auch die Erwartungen für die kommenden Monate bewerteten die Unternehmen pessimistischer als noch im Dezember.

"Neben den Sparmaßnahmen der Bundesregierung dürften auch die Bauernproteste und die Bahnstreiks nicht ganz unschuldig an dieser negativen Entwicklung sein", erklärte Claus Niegsch, Branchenanalyst der DZ Bank am Donnerstag. Das sorge für eine allgemeine Verunsicherung. Die moderate Erholung, die für dieses Jahr erwartet worden war, dürfte sich damit "wohl noch etwas verzögern".

Das Risiko eines weiteren Quartals mit schrumpfender Wirtschaft sieht auch ING-Analyst Carsten Brzeski und verweist auf Störungen der Lieferketten und den Lokführerstreik. Der zaghafte Optimismus des vergangenen Herbstes habe sich als "sehr kurzlebig" entpuppt. Nun sei der Pessimismus in Deutschland "wieder voll da", erklärte er.

Die Stimmung im Dienstleistungssektor hat sich im Januar deutlich eingetrübt, wie das Ifo-Institut mitteilt. Dies sei insbesondere auf eine merklich schlechtere Einschätzung zur aktuellen Lage zurückzuführen. Auch die Erwartungen wurden noch pessimistischer als zuvor.

Im Handel fiel der Index auf den niedrigsten Wert seit Oktober 2022. Die Erwartungen verschlechterten sich hier ebenfalls, sowohl im Groß- als auch im Einzelhandel. Und auch das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe setzte seine Talfahrt im Januar fort. Der ohnehin schon düstere Ausblick für die kommenden Monate trübte sich weiter ein.

Nur im Verarbeitenden Gewerbe war die Stimmung im Januar besser als einen Monat zuvor. Die Unternehmen waren etwas zufriedener mit ihren laufenden Geschäften und auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich leicht, blieben aber pessimistisch. Der Auftragsbestand ist den Angaben zufolge weiter rückläufig.

Trotz der insgesamt schlechten Stimmung rechnet die Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW mit einer Verbesserung der Lage im Laufe des Jahres: "Bei nachlassendem Inflationsdruck und steigenden Reallöhnen dürften sich zentrale Belastungsfaktoren im Verlauf dieses Jahres verringern und eine vor allem vom Konsum getragene Erholung einsetzen", erklärte Fritzi Köhler-Geib am Donnerstag. Sie erwarte für 2024 ein Wachstum von rund einem halben Prozent.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex basiert auf monatlichen Angaben von rund 9000 Unternehmen. Sie können ihre Geschäftslage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" und ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate als "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger" bewerten.

mb/pe