An ihm kommt niemand vorbei

Sven Hauberg
1 / 6

An ihm kommt niemand vorbei

Im "Herr der Ringe" kämpfte er gegen Orks, im wahren Leben gegen Vorurteile: Am 25. Mai wird Ian McKellen 80 Jahre alt.

Im "Herr der Ringe" kämpfte er gegen Orks, im wahren Leben gegen Vorurteile: Am 25. Mai wird Ian McKellen 80 Jahre alt.

"Ein Zauberer kommt nie zu spät, ebenso wenig zu früh", wusste Ian McKellen in seiner Rolle als Gandalf aus "Der Herr der Ringe". "Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt." Ein bisschen stimmt das auch für das Leben des britischen Schauspielers. Spät dran war McKellen wirklich - mit seiner Filmkarriere, aber auch damit, seinen eigenen Platz zu finden. Aber vielleicht war eben doch alles genau richtig so. McKellen, Jahrgang 1939, galt schon lange als einer der besten Schauspieler Großbritanniens, als er im Alter von 62 Jahren den sympathischer Zauberer mit dem langen, grauen Bart in der Verfilmung des Tolkien-Klassikers spielte. Da war er, der Star der englischen Bühnen, auf einmal einer der größten Kinostars der Welt. Und das in einem Alter, an dem manch ein Kollege schon die nahe Rente in den Blick nimmt. Es sollte die größte Rolle seiner Karriere werden - für die "Herr der Ringe"-Filme setzte er sich dreimal den Zaubererhut auf, anschließend für die "Hobbit"-Trilogie erneut. Ian McKellen war ein Publikumsliebling, einer mit tiefen Falten und Tränensäcken. Am 25. Mai wird er 80 Jahre alt.

"Beruflich würde ich gar nichts ändern", sagte McKellen, als er vor wenigen Jahren im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau auf sein Leben zurückblickte. "Meine Karriere verlief ... 'nach Plan' wäre das falsche Wort: Ich hatte zwar eine Art Plan, aber ich hatte nicht erwartet, dass der Weg, den ich einschlage, so angenehm und erfüllend sein würde." Da sprach einer, der tief in sich ruhte. Doch es dauerte, bis McKellen so über sich sprechen konnte - erst kurz vor seinem 50. Geburtstag outete sich der Schauspieler als schwul. "Danach konnte ich endlich ehrlich sein und die Gesellschaft anderer genießen, die diesen Schritt auch gewagt hatten. Und mit denen konnte ich mich dann für andere einsetzen, die sich nicht outen konnten", erinnerte sich McKellen. "Es war ein weiter Weg, und so hart, grausam und unnötig er auch gewesen sein mag, ich bin froh, dass ich ihn beschritten habe. Obwohl ich von der Gesellschaft zurückgewiesen wurde, habe ich geholfen, sie zu verändern."

Von der Bühne auf die Leinwand

<p>Geboren wurde Ian McKellen am 25. Mai vor 80 Jahren im nordenglischen Burnley, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Seine Kindheit war geprägt von den Luftangriffen der Deutschen. Erst nach dem Sieg der Alliierten habe er gemerkt, dass nicht der Krieg Normalität ist, sondern Frieden, erinnerte er sich später. Als McKellen zwölf Jahre alt war, starb seine Mutter, als er 24 war, sein Vater. Seine Schwester Jean war es, die ihn mit dem Theater vertraut machte, ihn mitnahm in die Stücke von Shakespeare. Mit 22 stand Ian McKellen dann selbst erstmals auf der Bühne, das Theater sollte fortan seine Heimat werden.</p> <p>McKellen spielte MacBeth, Doktor Faustus und Othellos Gegenspieler Iago. Allein 300-mal war er King Lear. Von den vielen Hundert Theaterstücken, in denen er mitgewirkt habe, &quot;gibt es vielleicht zwei, die mir nicht so viel Freude bereitet haben. Ich bin ein sehr glücklicher Schauspieler&quot;, sagte er der teleschau. Sechsmal gewann er den Laurence Olivier Award, so oft wie kaum ein anderer Schauspieler, dazu einen Tony Award. Warum also etwas anderes machen - zum Fernsehen gehen etwa, so wie Patrick Stewart, mit dem er schon 1977 erstmals auf der Bühne stand? Er habe Stewart abgeraten, die Rolle des Captain Picard in &quot;Raumschiff Enterprise&quot; zu übernehmen, erinnert sich McKellen. Ein Fehler, wie er selbst später eingestand. Im Jahr 2000, nach mehreren kleinen und größeren Filmrollen, gab McKellen seinen Widerstand gegen das Filmgeschäft dann endgültig auf. Er ging nach Hollywood und spielte in den &quot;X-Men&quot;-Filmen den Mutanten Magneto - an der Seite von Patrick Stewart übrigens. Dass Magneto ein Außenseiter ist, das gefiel McKellen. Als schwuler Mann könne er sich identifizieren mit der Rolle des Superhelden, auf den andere mit dem Finger zeigen.</p>

Gandalf on Stage

<p>Seit seinem öffentlichen Coming Out 1988 ist McKellen auch als Aktivist unterwegs. Auf Twitter etwa, wo er vier Millionen Follower hat. &quot;Soziale Medien sind ein geeignetes Werkzeug, eine Botschaft ungefiltert in Umlauf zu bringen&quot;, sagt der Mann mit dem schelmischen Blick. Jungen Menschen Mut machen, das ist seine Herzensangelegenheit. Dafür geht er auch schon mal in englische Schulen, um darüber zu erzählen, wie es war, in einer Zeit aufzuwachsen, in der Homosexualität verboten war. &quot;Ich würde mich nie des Glücksgefühls berauben wollen, das mir durch mein Coming Out vergönnt war&quot;, so seine Botschaft. Und er kritisiert die Filmindustrie. &quot;Hollywood hat in seiner ganzen Geschichte Frauen auf nur jede erdenkliche Weise falsch behandelt. Und schwule Männer kommen überhaupt nicht vor&quot;, schimpfte er unlängst in einem Interview mit der Zeitschrift &quot;Time Out&quot;.</p> <p>Derzeit dreht McKellen, der in einem Haus an der Themse lebt und sich seit 1991 &quot;Sir&quot; nennen darf, die Musicalverfilmung &quot;Cats&quot;. Seine Rolle - was sonst: Gus, der Theater-Kater. Seit Anfang des Jahres steht McKellen auch wieder auf der Bühne. &quot;Ian McKellen on Stage&quot; heißt das Programm, das ihn durch 80 verschiedene Theater Großbritanniens führt. Shakespeare spielt er da, und natürlich auch: den Zauberer Gandalf.</p>