Klima-Diskussion bei Maybrit Illner: Christian Lindner will vor Braunkohleausstieg den Regenwald retten

Mila Lemke
Freie Autorin
Philipp Schröder (Ex-Deutschland-Chef von Tesla), Annalena Baerbock (Grüne), Peter Altmaier (CDU), Christian Lindner (FDP), Matthias Dürbaum (Betriebsratvorsitender des Tagebaus Hambach) und Stefan Rahmstorf (Klimaforscher) disktuierten über die Rettung des Klimas. Foto: Screenshot ZDF

Vertrocknete Felder, Niedrigwasser in den Flüssen, Versicherungen, die nicht mehr versichern: Auch in Deutschland sind wir mitten im Klimawandel. Doch trotzdem scheint die Volkswirtschaft seine Klimaziele zu verfehlen. Auf der Pariser Klimaschutzkonferenz 2015 haben sich 195 Länder vorgenommen die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Bis 2030 sollten die Emissionen bei Null sein. Jetzt merken die Politiker: Die Zeit wird knapp. Seit zehn Jahren wurde kein CO2 mehr im Verkehr reduziert und es fehlt immer noch ein Plan für den Kohleausstieg, um keine Arbeitsplätze zu gefährden. Die Zeit rennt, die Temperaturen klettern und die Politiker diskutieren. Maybrit Illner fragt in ihrer Talkshow: „Wie schützen wir das Klima in Deutschland, dass es danach besser wird.“

Es diskutieren:

Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtscahftsminister
Annalena Baerbock (B’90/Grüne), Parteivorsitzende
Christina Lindner (FDP), Partei- und Fraktionsvorsitztender
Stefan Rahmstorf, Klimafolgenforscher, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Matthias Dürbaum, Betriebsratsvorsitzende des Tagebaus Hambach
Philipp Schröder, Experte für Erneuerbare Energien, Investor, Ex-Deutschland-Chef von Tesla (2013 bis 2015)

Gas geben

Es brennt. Ein paar wenige versuchen zu löschen, doch da gibt es die Gaffer alias Lobbyverbände, die rumstehen und Angst haben, nass zu werden – so beschreibt der Experte für Erneuerbare Energien Phillip Schröder das Problem des Klimawandels. Nur wie löscht man am Besten ein Feuer, wenn man nicht zu viel Wasser verschwenden darf?

Grünen-Politikerin Baerbock würde am liebsten einen ganzen Kübel über das Braunkohlefeuer kippen. Sie fordert innerhalb zehn Jahren den Ausstieg aus der Kohlekraft. Je schneller desto besser. Aber was geschieht mit Beschäftigten, wie Matthias Dürbaum wenn sie vierzig sind? Muss er den gemütlichen Zuschauerplatz auf der Couch räumen? Kleinlaut versucht der Betriebsvorsitzende des Tagebaus Hambach einzuwerfen, dass den Leuten vor Ort Antworten fehlen – doch Baerbock redet weiter. Reden – darauf kommt es ihr an. Und planen. Mit den Gewerkschaften. Damit eine Lösung für die Beschäftigten gefunden wird – beispielsweise neue Arbeitsplätze in den erneuerbaren Energien. Ob sie Dürbaum dann einen Job garantieren kann?, fragt Illner. Wenn davor genug geredet wurde vielleicht. Versprechen tut sie jedenfalls nichts und Dürbaums Angst bleibt wohl.

Oder einfach mal chillen

Da hört sich Christian Lindners Vorschlag schon bequemer an. Lieber erst den Regenwald retten, bevor die Braunkohle abgestellt wird, findet er, denn dort ist der deutsche Euro besser angelegt. Und Klimaschutz muss global, nicht national gedacht werden. „Grüner Klimanationalismus stoppt nicht die Erderwärmung“, so der FDP-Politiker. Deutschland könnte es sich auf einen der hinteren Plätze am Feuer bequem machen, dort wo man nicht nass wird, wenn andere löschen. Damit es aber in den letzten Bänken auch warm bleibt, wird natürlich fleißig mit Braunkohle nachgeheizt. Hört sich nach einem Wiederspruch an? Philipp Schröder gibt zu, dass auch er Angst hat. Und zwar davor, dass die Allgemeinheit auf einfachen Antworten anspringt. Denn dann wäre das Klima erst Recht in Gefahr.

Dagegen bezeichnete er Altmaier als Feuerlöscher. Der Bundeswirtschaftsminister will den Ausstiegspfad lang genug definieren, so dass genügend erneuerbare Energien ausgebaut werden können und genug Arbeitsplätze existieren, bevor die große Wende kommt. Schließlich will niemand der Rentnerin den Kaffee und den Kuchen wegnehmen, den einmal in der Woche mit ihren Freunden im Kaffee bestellt und den sie für einen höheren Strompreis opfern müsste. Nur was nicht mehr erwähnt wird, dass das Problem der zu niedrigen Renten auch an zu hohen Mieten krankt. Für eine Folge gibt es meist mehrere Ursachen. Und je nachdem wie es gerade passt muss die Rentnerin als Beispiel herhalten. Das Fazit der Runde kommt von Stefan Rahmstof: „Der Klimawandel lässt sich nur gemeinsam mit sozialen Problemen lösen.“ Nur wie? Gab es die Frage nicht schon mal im Text? Ganz am Anfang? Einmal zurückspulen. Wir haben ja Zeit.