Immer mehr Arbeitnehmer haben einen Zweitjob

Mehr als 2,6 Millionen Menschen verdienen sich etwas hinzu

In Deutschland haben immer mehr Arbeitnehmer einen Zweitjob. Im Juni 2013 gingen 2,63 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zusätzlich mindestens einem Minijob nach, wie aus Angaben der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Brigitte Pothmer hervorgeht, über die am Mittwoch die "Saarbrücker Zeitung" berichtete. Zehn Jahren zuvor waren es lediglich 1,16 Millionen Beschäftigte. Die Opposition wertet den Anstieg als Alarmsignal.

Die Zahl derer, die einen Minijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ausübten, stieg den AFP vorliegenden Angaben der Bundesregierung zufolge binnen zehn Jahren um 126 Prozent. Die 1,16 Millionen Arbeitnehmer mit Nebenjob im Juni 2013 entsprachen neun Prozent aller Beschäftigten. 2003 hatten lediglich 4,3 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zusätzlich einen Minijob.

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), auf die die Bundesregierung in ihrer Stellungnahme verweist, haben Frauen häufiger als Männer einen Nebenjob zusätzlich zum Hauptjob. So gingen im vergangenen Sommer 1,5 Millionen Frauen zusätzlich einem Minijob nach, aber nur 1,1 Millionen Männer. Aus der Statistik geht nicht hervor, ob die Beschäftigten einen oder gar mehrere Minijobs neben ihrer Hauptbeschäftigung haben.

Die Grünen-Politikerin Pothmer sagte der "Saarbrücker Zeitung", wenn Menschen auf einen Zweitjob angewiesen seien, um finanziell über die Runden zu kommen, laufe etwas schief in Deutschland. Sie forderte, den von der großen Koalition geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde auch für Minijobs einzuführen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, hält die Zunahme von Zweitjobs ebenfalls für bedenklich. "Das Vollzeitarbeitsverhältnis, aus dem man den Lebensunterhalt bestreiten kann, wird immer weiter zurückgedrängt", erklärte Zimmermann. Dieser Entwicklung müsse dringend Einhalt geboten werden.

Als Minijobs gelten geringfügige Beschäftigungen, bei denen der Monatsverdienst die Grenze von 450 Euro nicht übersteigt. Arbeitnehmer müssen in der Regel keine Beiträge für die Sozialversicherung außer für die Rentenversicherung bezahlen. Von der Rentenversicherungpflicht können sich Minijobber auch befreien lassen.

Aus der BA-Statistik geht auch hervor, dass die Zahl derer, die ausschließlich einem Minijob nachgehen, seit rund neun Jahren stets bei etwa 4,8 Millionen liegt. Den bisherigen Höchstwert gab es im Juni 2009 mit 4,9 Millionen Minijobbern.

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