Fachleute und Politiker betonen Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs

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Corona-Impfung in Berlin

Fachleute und Politiker versuchen weiter, die Skepsis mancher Menschen gegenüber dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca zu zerstreuen. Das Mittel "ein sehr guter Impfstoff", hieß es von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte das Produkt am Donnerstag sicher und gut. Skeptisch zu dem Impfstoff hatte sich unter anderem der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery geäußert - deutsche Ärztinnen und Ärzte reagierten empört.

"Zu sagen, der Astrazeneca-Impfstoff wäre zweitklassig, ist sowohl wissenschaftlich als auch von der öffentlichen Wirkung völlig daneben", sagte DGfI-Generalsekretär Carsten Watzl der "Augsburger Allgemeinen" vom Donnerstag. Das Mittel sei "ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind".

"Astrazeneca bietet einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, der um ein Vielfaches besser ist, als wenn man nicht geimpft ist", unterstrich Watzl. "Das heißt, wenn man vor die Wahl gestellt wird, jetzt Astrazeneca oder in ein paar Monaten mit einem anderen Impfstoff, sollte man auf jeden Fall jetzt bei Astrazeneca zugreifen."

Watzl schlug zugleich vor, für dieses Vakzin eine Nachimpfung mit einem anderen Wirkstoff zu garantieren. "Man kann die Immunität, die man mit dem Astrazeneca Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken", sagte er. "Es wäre ein Leichtes für die Bundesregierung, eine neuerliche Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zu garantieren, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, dass die Menschen dadurch besser geschützt wären.

Der Mediziner Lauterbach sagte dem "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe), Astrazeneca werde "unberechtigterweise als Impfstoff zweiter Klasse" angesehen. Bei seinem bevorstehenden Einsatz als Impfarzt in Leverkusen werde er sich, wie alle Mitarbeitenden in dem Impfzentrum, damit impfen lassen. "Wir wollen ein klares Bekenntnis zu Astrazeneca abgeben, das ist ein sicherer und guter Impfstoff."

Einer der prominentesten Kritiker des Astrazeneca-Impfstoffs ist der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery. Er hatte diese Woche in einem Interview gesagt, der Impfstoff sei zwar "genauso sicher wie die anderen und hat nach aktueller Studienlage auch nicht mehr Nebenwirkungen. Doch die geringere Wirksamkeit lässt sich nicht wegdiskutieren." Er habe Verständnis für medizinisches Personal, das sich nicht damit impfen lassen wolle.

Nachdem bereits der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, Montgomery klar widersprochen hatte, kommt auch vom Spitzenverband Fachärzte Deutschland (SpiFa) Kritik. Wie das Magazin "Business Insider" am Donnerstag berichtete, richtete der Verband einen Brief an den Präsidenten des Weltärztebundes, David Barbe. Darin werde Montgomery vorgeworfen, ein Selbstdarsteller zu sein und sich negativ in nationale Angelegenheiten einzumischen.

Montgomerys Aussagen zu Astrazeneca seien inakzeptabel. "Wer so aus Gründen der Selbstdarstellung die Wirksamkeit und den Nutzen dieses Impfstoffs in Zweifel zieht und von einer Impfung des medizinischen Personals damit abrät, der sendet - so meinen wir - ein fatales Signal an unsere ärztlichen Kolleginnen und Kollegen in der Dritten Welt, die so in Ihrem Kampf gegen Covid-19 ungeschützt bleiben", zitierte das Magazin aus dem Brief.

cne/bk