Kommentar: Impfmuffel verprellen unsere Freiheit

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Vielleicht ist das ein Stimulans zum COVID-Impfen? Bratwurst für Spritze wäre ein Angebot (Bild: REUTERS/Kamenko Pajic)
Vielleicht ist das ein Stimulans zum COVID-Impfen? Bratwurst für Spritze wäre ein Angebot (Bild: REUTERS/Kamenko Pajic)

Mit dem Impfen kommt Deutschland nicht wirklich aus dem Saft. Zu viele Erwachsene wollen sich nicht impfen lassen. Die Gründe mögen vielschichtig sein. Aber für den einen führen sie ins Krankenhaus. Und für alle zu weniger Freiheit.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Die Freiheit nehm ich mir – dieser alte Werbeslogan einer Kreditkartenfirma zieht nicht mehr. Wer früher sein Konto überzog, hatte erstmal nur selbst die Konsequenzen dieser Freiheit zu ziehen. Heute aber ist es anders: Da hat die Freiheit, sich nicht einen Piecks zu geben, Folgen für ziemlich viele.

Deutschland vor dem Herbst 2021. Die Impfquote liegt bei 61,1 Prozent. Je nach Perspektive ist das eine ganze Menge, es ist auch demokratisch gesehen ein eindrucksvoller Akt. Doch das Corona-Virus lebt zwar vom Menschen, funktioniert aber nicht nach seinen politisch verfassten Prinzipien. So ein Drittel der Bevölkerung, das ist ordentlich Futter. Damit lässt es sich leben, als Virus.

Für uns Menschen dagegen ist es keine tolle Nachricht. Denn das Ausbleiben eines persönlichen Piecks zahlen Kinder und Jugendliche, wenn sie statt zur Schule oder zum Freundetreff nachhause in die Quarantäne müssen. Die Zeche löhnt, wer sich nun infiziert und nicht damit klarkommt wie mit einer Grippe. Der ins Krankenhaus muss.

Wir haben uns ja mehr oder weniger mit dem Virus arrangiert, wir leben nun mit diesem Mist. Während ich das hier schreibe, sitze ich in einem Zug und trage eine Maske, auf die ich auch gern verzichten würde. Andererseits falle ich wegen ihr nun auch nicht vom Sitz, und eine Nussschnecke hab ich auch nicht dabei.

Aber bei all der alltagsnotwendigen Gewöhnung an eine Pandemie vergessen wir, dass immer noch jeden Tag Menschen mit Atemnot ins Krankenhaus geliefert werden, dass jeden Tag Menschen diesen Atem nicht wiedererlangen und sterben. Es sind viel weniger geworden, aber das interessiert die Person am Sauerstoffgerät womöglich nicht sondermaßen.

Die Freiheit, die sich die Impfmuffel nehmen, führt also zu weniger Freiheit für alle.

Kein Platz für Ätschibätsch

Nun werden die überzeugten unter ihnen einwenden: Sie seien ja eigentlich die wahren Freiheitsverteidiger. Aus ihrer Sicht seien Quarantäne, Platzbeschränkung und Ausschluss nicht notwendig. Aber die politische Mehrheit hat nun entschieden, ein gefährliches Virus ernst zu nehmen. Die so genannten Querdenker sind schlechte Verlierer. Zuerst lagen sie falsch in ihrer Einschätzung. Und nun kommen sie vom Baum nicht runter, auf den sie stiegen. Das heißt: Einige schon, eine Menge von jenen zum Beispiel, bei denen jetzt das Virus einschlägt und sie hecheln lässt. Diese Geschichten von Leuten aus dem Krankenhaus, die nun bereuen, häufen sich. Denn sie tragen in sich eine Logik des Infektionsmechanismus.

Bitte mit Senf und Ketchup

Es rächt sich, dass die Politik keine massivere Impfkampagne gefahren hat. Es hätte viel mehr Bratwurst geben sollen! Und es macht Sinn, auf einen Impfzwang zu verzichten – schon allein, weil dann die selbst erklärten Verteidiger eines komischen Naturglaubens oder ihrer Auffassung von Freiheit dann aufheulen würden. In der Zwischenzeit hatten wir gehofft, sie würden zur Vernunft kommen, Einsehen und Erkenntnis haben und sich still impfen lassen; aber viele haben offenbar noch heute die Glocken nicht gehört.

Aus diesem Problem kommen wir nur heraus, indem wir stumpf fürs Impfen werben. Es ist das Sinnvollste, was ein Mensch in diesen Tagen machen kann. Also, liebe Freiheitsliebende oder Spritzenfürchtende oder wasweißich: Es ist nun an euch, Solidarität zu zeigen. Eure Nabelschau dauerte lang genug.

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