Impfpflicht für Gesundheitspersonal in Frankreich in Sicht

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Eine Impfung in Paris

In Frankreich zeichnet sich eine Impfpflicht gegen das Coronavirus für das Gesundheits- und Pflegepersonal ab. Der wissenschaftliche Beirat empfahl der Regierung am Freitag diese und weitere Auflagen. Ziel ist, die Ausbreitung der hoch ansteckenden Delta-Variante zu bremsen, die zuerst in Indien aufgetaucht war. Sie steht laut Gesundheitsminister Olivier Véran inzwischen für rund die Hälfte der Neuinfektionen in Frankreich. Ungeachtet dessen können die Diskotheken wieder öffnen.

Der Corona-Beirat warnte davor, "dass eine vierte Welle im Zusammenhang mit der Delta-Variante schnell kommen könnte", weil das Impfniveau in Frankreich "unzureichend" sei. Zuletzt waren laut Gesundheitsbehörden rund 39 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Die Regierung will in Kürze ein Gesetz für eine Impfpflicht auf den Weg bringen, am Montag ist dazu eine Sondersitzung geplant. Am Montagabend will Präsident Emmanuel Macron die neuen Maßnahmen im Kampf gegen die Delta-Variante im Fernsehen erläutern, wie das Präsidentenbüro mitteilte.

Auf Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats könnte die Impfpflicht neben dem Gesundheitspersonal auch für andere Bereiche gelten - bis hin zu allen Dienstleistern, die einem besonderen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind "oder eine Gefahr für andere darstellen können".

Niedrig ist die Impfquote laut dem Beirat mit 40 Prozent unter anderem in der Altenpflege in Frankreich. Aber auch von den über 60-Jährigen oder bestimmten Risikogruppen wie fettleibigen Jugendlichen sei bisher nur rund die Hälfte geimpft.

Daneben sprach sich der Beirat für verschärfte Maßnahmen in besonders stark betroffenen Gebieten aus, auch in der Hauptferienzeit im Juli und August. Unter anderem im Pariser Großraum, an der Côte d'Azur und in der Bretagne nehmen die Corona-Infektionen wieder zu.

Seit Mai hatte Frankreich die Corona-Auflagen schrittweise gelockert. In der Nacht zu Samstag können erstmals seit rund 16 Monaten die Diskotheken wieder öffnen. Viele bleiben wegen der Auflagen aber vorerst geschlossen.

Disco-Besucher müssen einen "Gesundheitspass" vorlegen, der Aufschluss über eine Impfung, eine überstandene Erkrankung oder einen negativen Corona-Test gibt. Die Räume dürfen maximal zu 75 Prozent gefüllt sein. Im Gegenzug wird das Tragen einer Maske lediglich empfohlen.

Die Öffnung der Diskotheken ist wegen der Delta-Variante umstritten. "Wir sind sehr wachsam", versicherte Gesundheitsminister Véran. Er deutete an, dass bei einem Anstieg der Infektionszahlen eine neue Schließung drohen könnte.

lob/ck

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