Importverbot russischer Bücher: "Wir müssen viele Dinge rückgängig machen"

Das ukrainische Parlament hat vor einer Woche zwei Gesetze verabschiedet, durch die russische Bücher und Musik teilweise verbannt werden. Ziel ist, die kulturellen Verbindungen zwischen den Ländern einzuschränken. Unter anderem wird künftig der Import von bestimmten Druckerzeugnissen aus Russland und Belarus verboten.

Auf dem Buchmarkt Petrivka in Kiew reagieren Händlerinnen und Händler unterschiedlich.

Buchhändler Olexandr Drobin ist erbost über die Initiative: "Es ist unmöglich, es umzusetzen. Sie haben dieses Gesetz gemacht, aber wie man es umsetzt, weiß niemand. Was sollen wir tun? Diese Bücher nehmen, sie auf die Straße stellen und verbrennen?"

Im Gesetzentwurf heißt es unter anderem, die Einfuhr von Verlagsprodukten aus dem Gebiet des Aggressor-Landes werde gestoppt.

Buchhändler Anatoly Gounko befürwortet die Gesetze: "Das ist Krieg, also brauchen wir meiner Meinung nach natürlich härtere Maßnahmen und wir müssen viele Dinge rückgängig machen, die mit der Russifizierung in der Vergangenheit zu tun haben. Das ist meine Meinung."

Nicht nur Kunden sind verwirrt

Es gibt aber viele Ausnahmen, die für Verwirrung sorgen. So bleibt der Verkauf einiger russischsprachiger Bücher, die in der Ukraine veröffentlicht werden, erlaubt, wenn russisch die Muttersprache des Autors oder der Autorin ist.

Natasha Sikorskaya ist Kundin auf dem Buchmarkt: "Die Folgen des Krieges mit Russland sind sehr ernst. Aber ich denke, dass es heute wirklich nicht angebracht ist, ein solches Gesetz zu ratifizieren. Im Moment gibt es viel wichtigere Probleme."

Ausgenommen von dem Verbot sind Werke berühmter russischer Schriftstellerinnen und Schriftststeller wie Alexander Puschkin und Lew Tolstoi. Die seien allerdings gegenwärtig weniger gefragt berichtet Buchhändlerin Nadine, die ihren Nachnamen nichtr preisgeben wollte: "Seit Beginn des Krieges ist die Nachfrage nach ukrainischer Literatur, nach ukrainischen Schriftstellern, stark gestiegen. Deshalb denke ich, dass wir neue Autoren veröffentlichen werden."

Die meisten Menschen in der Ukraine sprechen Ukrainisch und Russisch und lesen Literatur in beiden Sprachen. 2021 importierte die Ukraine 32 Millionen Bücher aus Russland.

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