Indien: Wie eine neue Polizeieinheit für den Schutz aller Kühe sorgen soll

Dabei geht es nicht nur um das heilige Tier, sondern auch um Schikane gegen Muslime.

Shaukat Ahmed Qureshi weiß noch genau,  wie die Polizei zu seinem Straßenstand in Mewat im Norden Indiens kam. Mit drei Wagen fuhren die Beamten vor. „Sie haben Fleischstücke aus meinem Biryani gefischt“, sagt Qureshi  und zeigt dabei auf seinen Topf mit dem würzigen  Reisgericht,  Gemüse ist drin, Fleisch. „Sie haben die Fleischstücke in Plastiktüten gepackt und weggebracht.“

Die Razzia bei Qureshi und seinen Kollegen war der erste Einsatz einer  Polizeieinheit im Bundesstaat Haryana: Die Kuhschutz-Taskforce wurde  eingerichtet, um einem neuen Gesetz zum Schutz von Rindern Geltung verschaffen. Demnach drohen für das Schlachten von Kühen zehn Jahre Haft, für den Verkauf des Fleisches fünf Jahre. Für Hindus – rund 80 Prozent der 1,3 Milliarden Inder – ist die Kuh heilig.

Irgendwo in  Mewat, einem mehrheitlich muslimischen Distrikt, habe die Kuhschutz-Spezialeinheit Gerüchte gehört, dass die Straßenverkäufer ihr Biryani mit Rindfleisch zubereiten, erzählt der 17 Jahre alte Qureshi. Er beteuert, selbst nur mit Hühnchen und Büffelfleisch zu kochen. Beides wäre legal. Die Polizei nahm sieben Proben von den Ständen. Ein halbes Jahr später weiß immer noch keiner, ob die Reisgerichte nun Rindfleisch enthielten oder nicht. Das beauftragte Universitätslabor hat die Ergebnisse nicht veröffentlicht.

Politik und Religion

Das neue Gesetz passt zum  Programm der rechtskonservativen, hindunationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) von Premierminister Narendra Modi. Er will den Rindfleischverzehr in ganz Indien eindämmen. Seit seiner Wahl 2014 hat Modi immer wieder betont, wie wichtig der Hinduismus für Indien sei. Kritiker werfen ihm vor, in einem eigentlich säkularen Land Politik und Religion zu vermischen – und Fanatiker anzustacheln. 

Shabnam Hashmi,  Menschenrechtsaktivistin für „Act Now for Harmony & Democracy“ in Neu-Delhi, sagt, die Kuhschutz-Razzien zielten vor allem auf Nicht-Hindus. Sie beobachtet eine zunehmend nationalistische Stimmung, angeheizt von der BJP und ihrer Freiwilligenorganisation Rashtriya Swayamsevak Sangh. „Die Polizeieinheit nimmt Minderheiten ins Visier und soll Indien in einen hinduistischen Staat verwandeln“, behauptet Hashmi. Der BJP-Sprecher Vijay Chauthaiwale sagt hingegen, die Zentralregierung  diktiere nicht die Kuhschutzpolitik in den Bundesstaaten. „Das ist lokale Politik.“

Bharti Arora ist die Chefin der Kuhschutz-Einheit. Sie sagt: „Das hier ist kein Hindu-Muslim-Problem. Selbst Hindus betätigen sich als Kuhschmuggler.“ Ihre Truppe  hat bereits 350 Operationen im Bundesstaat ausgeführt – die meisten davon in Mewat. „Weil die Leute dort Rindfleisch essen.“ Bharti Arora ist nicht nur diensthabende Generalinspekteurin, sondern auch Direktorin einer Sportschule im Norden von Delhi. Auf ihrem Schreibtisch steht ein goldener Pokal des Jungen-Boxteams. Sie selbst trägt ein rosa Kleid, ihr Couchtisch ist mit Rosenblättern dekoriert.

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