Indien probt landesweite Ausgangssperre wegen Coronavirus-Pandemie

Normalerweise geschäftige Straßen in Neu-Delhi wirkten wie ausgestorben

Mit einer 14-stündigen landesweiten Ausgangssperre hat Indien den Ernstfall in der Coronavirus-Pandemie geprobt. Millionen Inder verbrachten den Sonntag in ihren Häusern. Geschäfte blieben geschlossen, fast alle Inlandsflüge wurden gestrichen. Internationale Flüge durften nicht auf indischen Flughäfen landen. Die von 07.00 bis 21.00 Uhr (Ortszeit) geltende Ausgangssperre war zwar nicht verbindlich. Premierminister Narendra Modi rief aber alle 1,3 Milliarden Inder auf, den Anweisungen zu folgen.

"Lasst uns alle ein Teil dieser Ausgangssperre sein, die ein gewaltiger Beitrag zum Kampf gegen die Bedrohung durch Covid-19 sein wird", twitterte Modi mit Blick auf die Lungenkrankheit Covid-19, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird. "Bleiben Sie zu Hause und bleiben Sie gesund", fügte er hinzu. Lav Agarwal vom Gesundheitsministerium erklärte, die Regierung wolle mit der Test-Maßnahme "Einigkeit in der Isolation" erreichen.

In der Hauptstadt Neu Delhi und der Finanzmetropole Mumbai schienen sich die meisten Bewohner an die Vorgaben zu halten. Normalerweise geschäftige Straßen wirkten wie ausgestorben. Durch die beliebten Lodi-Gärten in Neu Delhi flanierten nur wenige Besucher - zu einer Zeit, zu der sich laut dem Sicherheitsmann Jaiveer Singh gewöhnlich zahlreiche Menschen in dem Park aufhalten. "Wenn es hilft, die Ausbreitung (des Coronavirus) zu stoppen, sollte die Regierung darüber nachdenken, sie für zwei oder drei weitere Tage zu verlängern", sagte Singh zu der Ausgangssperre.

Beobachter gehen davon aus, dass der begrenzten Ausgangssperre längere verpflichtende Ausgangsbeschränkungen nachfolgen werden. Indien hat bislang mehr als 320 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet, fünf Menschen starben. Die Dunkelziffer könnte nach Einschätzung von Experten allerdings deutlich höher liegen.

Aus Sorge vor einer Ausbreitung des Virus hat die indische Eisenbahngesellschaft den Bahnverkehr bis zum 31. März fast komplett eingestellt. Bis Ende des Monats verkehren nur noch Güterzüge und Züge aus Großstädten in die Vororte. Von den Einschränkungen betroffen sind mehr als 20 Millionen Menschen, die das Eisenbahnnetz täglich nutzen.