Indonesien weitet Lockdown auf das ganze Land aus

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Indonesien erlebt eine heftige Corona-Welle

Im Kampf gegen die bislang heftigste Corona-Welle hat Indonesien den Lockdown auf das gesamte Land ausgeweitet. Die am Mittwoch verhängten landesweiten Corona-Beschränkungen gelten zunächst bis zum 20. Juli. Einige Kliniken arbeiten wegen Überlastung bereits mit zusätzlichen Zelten oder müssen Patienten ablehnen. Die australischen Behörden verlängerten derweil den Lockdown in Sydney wegen neuer Ansteckungsfälle mit der Delta-Variante um eine weitere Woche.

Viel Staaten auch in Europa lockern derzeit vor dem Hintergrund ihrer Corona-Impfkampagnen die Beschränkungen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte jedoch am Dienstag, die Pandemie befinde sich weiterhin in einer "sehr gefährlichen Phase". Mehrere Ausbrüche im gesamten asiatisch-pazifischen Raum in den vergangenen Wochen geben ihm Recht.

Indonesien ist in der Region zu einem Hotspot geworden. Das Land meldete am Mittwoch eine neue Rekordzahl von 1040 Corona-Toten binnen 24 Stunden nach 728 Todesfällen am Dienstag. Die Zahl der Neuinfektionen stieg auf 34.379 nach 31.189 am Vortag.

"Wir müssen auf die Verfügbarkeit von Krankenhäusern achten", sagte der zuständige Minister Airlangga Hartarto. Die Krankenhäuser mussten in den vergangenen Wochen viele Patienten aufnehmen, die unter anderem auch mit der hochansteckenden Delta-Variante des Virus infiziert waren.

Bereits am Wochenende waren in Indonesien wegen des alarmierenden Anstiegs der Corona-Neuinfektionen neue Beschränkungen in Kraft getreten. Seit Samstag gelten in der Hauptstadt Jakarta, auf der Hauptinsel Java und auf der Urlaubsinsel Bali strikte Einschränkungen. Schulen, Moscheen, Restaurants und Einkaufszentren müssen geschlossen bleiben.

Der Unterricht für Schüler findet vorerst nur noch online statt. Unternehmen wurden aufgerufen, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde eingeschränkt. Inlandsreisen per Bus, Bahn oder Flugzeug sind nur jenen erlaubt, die mindestens eine Impfdosis erhalten haben.

Der indonesischen Regierung wird vorgeworfen, unzureichend auf die Pandemie reagiert zu haben. Präsident Joko Widodo hatte auf begrenzte Maßnahmen gesetzt, um der Wirtschaft des Landes nicht zu schaden. Am Freitag erklärte er aber, die derzeitige Lage zwinge die Regierung dazu, "striktere Maßnahmen zu ergreifen".

Auch die australische Regierung reagierte auf die steigenden Fallzahlen. Die australischen Behörden verlängerten am Mittwoch den Lockdown in Sydney wegen neuer Ansteckungsfälle mit der Delta-Variante des Coronavirus um eine weitere Woche. Dies sei die beste Möglichkeit, "sicherzustellen, dass dies der einzige Lockdown bleibt, bis die große Mehrheit unserer Bürger geimpft ist", sagte die Regionalregierungschefin des Bundesstaates New South Wales, Gladys Berejiklian.

In der größten Stadt des Landes waren zuvor 27 neue Corona-Ansteckungen festgestellt worden. Seit zwei Wochen dürfen die Bewohner von Sydney ihr Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen. Die Maßnahme wurde vorerst bis zum 16. Juli verlängert. "Die Delta-Variante verändert alles, sie ist extrem übertragbar", begründete Berejiklian den Schritt. Die einzige Lösung sei, das Virus auszuschalten.

Australien verfolgt anders als die europäischen Länder eine Strategie, die darauf abzielt, keinerlei Ansteckungen mit dem Virus mehr zu haben. Dafür machte die Regierung die Grenzen weitgehend dicht und verhängte bereits bei wenigen Ansteckungen örtlich begrenzte, aber dafür umso strengere Lockdowns.

Diese Strategie hat es den Australiern ermöglicht, während der Pandemie relativ normal zu leben und gleichzeitig hohe Todes-Zahlen zu vermeiden. Seit Beginn der Pandemie wurden in Australien etwas mehr als 30.000 Infektionen und 910 Todesfälle gemeldet.

noe/cp/jes

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