Inflationsrate sinkt im Juni leicht auf 2,3 Prozent

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Die Inflation in Deutschland ist im Juni leicht gesunken

Bereits seit Anfang des Jahres steigt die Inflationsrate in Deutschland Monat für Monat an - im Juni ist sie nun erstmals wieder leicht gesunken. Die Teuerung betrug 2,3 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte. Im Mai hatte die Inflationsrate noch 2,5 Prozent betragen. Experten rechnen nach dem leichten Rückgang im Juni jedoch mit einem erneuten Anstieg der Inflation.

Wie schon in den Vormonaten stiegen im Juni vor allem die Preise für Energie - sie legten im Vorjahresvergleich um 9,4 Prozent zu, wie die Statistiker mitteilten. Die Preise für Nahrungsmittel kletterten um 1,2 Prozent, die für Dienstleistungen um 1,6 Prozent. Im Vergleich zum Mai stiegen die Verbraucherpreise den vorläufigen Ergebnissen zufolge um 0,4 Prozent.

Dass die leichte Entspannung andauert, ist nach Ansicht von Finanzexperten jedoch eher unwahrscheinlich. Es sei "überhaupt nicht sicher, dass diese kurzfristige Inflation genauso schnell verschwindet wie sie gekommen ist", erklärte Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Aufgrund steigender Löhne in Schwellenländern, einem erhöhten Lohndruck bei Arbeitnehmern und schwindendem Vertrauen in die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, die Inflation wirkungsvoll zu bekämpfen, bestehe die "reale Gefahr eines dauerhaften Inflationsanstiegs".

Auch Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sieht in der leicht gesunkenen Inflationsrate im Juni lediglich eine "kleine Atempause im Aufstieg zum Inflationsgipfel". Inflation werde bis mindestens zum Jahresende ein Thema bleiben, ab September rechne er mit einer Inflationsrate von über drei Prozent. Das Risiko einer lang anhaltenden Inflation wachse weiter, warnte Niklasch.

Treiber der Inflation dürften in den kommenden Monaten auch die Auswirkungen der Mehrwertsteuerabsenkung sein, erklärte der Chefökonom der ING-Bank, Carsten Brzeski. Diese werden sich ab Juli deutlich in den Inflationsraten bemerkbar machen. Auch er rechne deshalb mit einer Inflationsrate von über drei Prozent. "Trotz des heutigen Rückgangs der Inflation befinden sich alle potenziellen Inflationstreiber noch in vollem Schwung", erklärte Brzeski.

Auch der ehemalige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret mahnte angesichts der Inflationsraten zur Vorsicht. "Das Anziehen der Inflation ist noch nicht vorbei", erklärte er. Die Inflation dürfe nicht "auf die leichte Schulter" genommen werden, der Inflationsdruck steige auch unabhängig von etwaigen Nachholeffekten in der Coronakrise weiter.

Die Chefvolkswirtin der KfW, Fritzi Köhler-Geib, rechnet hingegen mit einer Rückkehr zu einer Inflationsrate von "unter, aber nahe zwei Prozent" bereits ab 2022. Zwar werde die Inflation im laufenden Jahr weiter zunehmen, erklärte die Finanzexpertin. Dies sei jedoch insbesondere mit Effekten der wirtschaftlichen Erholung und Lieferengpässen im Verarbeitenden Gewerbe zu begründen. "Neben dem Auslaufen der Basis- und Sondereffekte sehen wir Anzeichen für die Überwindung der momentanen Lieferengpässe", erklärte Köhler-Geib.

fho/cax

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