Influencerin behauptet, Latino-Paar hätte versucht, ihre Kinder zu entführen – nun wird sie angeklagt

Stefica Budimir-Bekan
·Freie Autorin
·Lesedauer: 4 Min.

Mit einem Video, in dem sie behauptet, ein Latino-Paar hätte ihre Kinder bei einem Einkauf entführen wollen, sorgte eine Influencerin vor einiger Zeit für Riesenwirbel. Doch ihre Geschichte warf Fragen auf. Und das wohl zu recht: Nun ist sie angeklagt worden und muss sich wegen Rassismusvorwürfen vor Gericht verantworten.

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In einem Bastelshop soll es zur unheimlichen Begegnung mit dem Latino-Paar gekommen sein (Symbolbild: Getty Images)

Eine Influencerin, die kürzlich mit dem Vorwurf eines Entführungsversuchs auf Instagram für Furore sorgte, ist angeklagt worden. Der Grund? Falschaussage! Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft von Sonoma County gegenüber BuzzFeed News bestätigte, wurde Katie Sorensen in zwei Punkten angeklagt und muss sich am 13. Mai vor Gericht verantworten. 

Doch noch mal zurück auf Anfang! Katie Sorensen aus Petaluma, Kalifornien, teilte mit ihren 6.000 Followern regelmäßig Einblicke in ihr Familienleben. Nichts Ungewöhnliches, machen das doch viele Influencer so. Als die Mama-Bloggerin allerdings ein Video veröffentlichte, indem sie von einem Entführungsversuch beim Einkaufen berichtete, war die Aufregung groß. 

So lief der mutmaßliche Entführungsversuch ab

Auf ihrem Instagram-Kanal "Motherhoodessentials", dem inzwischen übrigens rund 75.000 Menschen folgen, schilderte die Influencerin den Albtraum aller Eltern: Sie sei mit ihren Kindern in einem Bastelgeschäft einkaufen gewesen, als sie ein fremdes Paar bemerkte, das ihr und den Kindern im Laden auflauerte. Ihr Unbehagen wuchs weiter, als sie mit den Kids zum Auto ging. 

Denn auch dort habe sie das unheimliche Paar bemerkt, das Sorensen zufolge Bemerkungen über das Aussehen ihrer Kinder gemacht hatte. Doch dabei blieb es nicht: Während Katie Sorensen die zwei älteren Kinder auf den Rücksitz ihres Autos setzte und anschnallte, blieb das jüngste Kind kurz unbeobachtet in einem Wagen sitzen. Als die Influencerin den Kopf hob, stand das fremde Paar plötzlich ganz nah bei ihr. Sie habe daraufhin ihr Kind geschnappt und es prompt ins Auto gesetzt. Mit dem Video wolle sie andere Eltern vor solchen Aktionen warnen.

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"Ich glaube, dass wir gerade alle so abgelenkt sind von dem, was in der Welt passiert, dass wir vor allem darauf achten, dass Masken getragen werden und unsere Kinder sich nirgends anstecken. Da vergessen wir vielleicht die wichtigste Methode, für ihre Sicherheit zu sorgen, und die ist, sie immer nah bei uns zu haben und sich nicht wegnehmen zu lassen", heißt es in dem Video, das die Influencerin inzwischen auf privat gestellt hat und das nur noch für ihre Follower sichtbar ist. Ein Reporter von "KTVU" teilte den Clip allerdings auf Twitter:

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Keine Beweise für Verbrechen – im Gegenteil

Die Polizei hatte von Anfang an Zweifel an der Geschichte, da sich die Fakten in der Polizeiaussage Sorensens nicht damit deckten, was die Influencerin später in ihrem Video angegeben hatte. Der Fall nahm nun aber eine spektakuläre Wende. Nachdem die Polizei von Petaluma die Beweislage geprüft und das Paar aus dem Bastelgeschäft (Sorensen identifizierte die beiden dank einer Überwachungskamera) ausfindig gemacht hatte, kamen die Ermittler zu folgendem Schluss: Nichts deutet auf ein Verbrechen hin. Stattdessen hätten die Beamten Zeugen gefunden, die die Geschichte des Paares bestätigten und nicht die der Influencerin, 

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Das Paar, Sadie Vega-Martinez und Eddie Martinez, hatte die Bloggerin des Racial Profilings bezichtigt, weil sie Latinos sind. Der lokalen Zeitung "Petaluma Argus-Courier" sagte Vega-Martinez: "Wir sind sehr glücklich über die Neuigkeiten. Es ist ein Schritt in Richtung Gerechtigkeit. Es gibt uns Hoffnung."

Im Dezember letzten Jahres gab Vega-Martinez' Tochter Esaia Gonzales gegenüber BuzzFeed News an, ihre Mutter und ihr Stiefvater hätten fünf Kinder und zwei Enkelkinder. Gonzales sagte, sie sei entsetzt über die Anschuldigungen gegen ihre Eltern gewesen, die einkaufen waren und vermutlich über ihre eigenen Enkelkinder und nicht die von Katie Sorensen gesprochen hatten. Auch sie warf Sorensen Rassismus vor. 

"Das ist nicht der erste rassistische Vorfall in Petaluma, aber wir sind auf jeden Fall dankbar, dass die Wahrheit in diesem Fall ans Licht gekommen ist", sagte sie. 

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