Insolvenz abgewendet: Kölner CSD-Veranstalter ist doch nicht pleite

Doch richtig freuen will sich scheinbar niemand.

Der Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. (Klust) ist doch nicht insolvent. In einem Schreiben vom 29. März teilt der Verein seinen Mitgliedern mit: „Wir haben es mit euch geschafft, der Insolvenz von der Schippe zu springen.“

Eigentlich ein Grund zu feiern, mag man annehmen. Doch richtig freuen will sich scheinbar niemand. Immerhin sah es noch vor wenigen Wochen mehr als düster für den Organisator des Christopher Street Day (CSD) und Cologne Pride aus.

Was war geschehen?

Dass der Klust finanzielle Probleme hat, ist keine Neuigkeit. Seit einer Mitgliederversammlung Mitte Dezember 2016 bestand aus diesem Grund ein Lenkungsteam. Dieses sollte die erfolgreiche Durchführung des CSD 2017 sicherstellen. Anhand des Berichts zur Kassenprüfung für das vergangene Jahr riet dieses Lenkungsteam dem Klust-Vorstand, Insolvenz anzumelden.

Die Gründe: Erhebliche Budgetüberschreitungen, Gläubiger, die noch Geld bekommen und offene Rechnungen, deren Verträge unklar formuliert waren. Kurz gesagt: Das Lenkungsteam hielt den Klust für bankrott. Am 14. Februar teilte der Klust-Vorstand deswegen mit, er habe den Antrag auf die Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Was ist seitdem passiert?

Die Community wurde aktiv. Aus verschiedenen Organisationen gründete sich ein Bündnis, das gemeinsam den CSD 2017 stemmen wollte. Die Stadt sagte dem Bündnis sogar finanzielle Unterstützung zu. „Wir haben festgestellt, dass es auch ohne den Klust möglich ist, den CSD zu organisieren“, sagt Matthias Eiting. Eiting gehörte zum Lenkungsteam, das zur Insolvenz riet und unterstützte in den vergangenen Wochen das Bündnis.

Auf Hochtouren habe die Community gearbeitet, habe Gespräche geführt und Pläne geschmiedet. Vor wenigen Tagen dann die Mitteilung: Der Klust-Vorstand nimmt den Antrag auf Einleitung des Insolvenzverfahrens zurück.

Wie es dazu kam, erklärt Klust-Vorstandsmitglied Joerg Altenrath: „Wir haben den Antrag beim Amtsgericht gestellt. Der zuständige Richter meinte, der Antrag müsse geprüft werden. Also bekamen wir einen Sachverständigen an die Hand. Er fragte uns, ob es möglich sei, dass uns die Gläubiger entgegenkämen. Und ja, das war der Fall.“ Das Gericht sei es dann gewesen, das dem Klust-Vorstand dazu riet, den Antrag zurückzuziehen. Unter den neuen Umständen wäre der Antrag abgelehnt worden.

Wo ist das Problem?

Die Fronten sind verhärtet. Auf der einen Seite steht der aktuelle Klust-Vorstand, zu dem Altenrath gehört. Auf der anderen Seite scheint es Mitglieder der Community zu geben, die sich nun vor den Kopf gestoßen fühlen. Seit Wochen arbeiten sie an einer Lösung, investierten Zeit und Geld. „Der Vorstands des Klust hat hinter dem Rücken der Community gearbeitet“, sagt Eiting.

Trotzdem wolle man sich mit Vorwürfen zurückhalten und abwarten. „Ich kenne noch keine Details“, sagt Eiting: „Aber wie ich es verstanden habe, wurde ein mehrjähriger Sponsoring-Vertrag mit der Kommunikationsfirma »Kuschel GmbH« geschlossen.“ Diese sei aber eigentlich auch ein Gläubiger des Klust. Und außerdem Arbeitgeber von Joerg Altenrath. „Das ist in meinen Augen keine Lösung, sondern ein Verkauf“, sagt Eiting.

Wie geht es jetzt weiter?

„Wir müssen sparen, aber wir werden einen angemessenen CSD veranstalten können“, meint Altenrath zur jetzigen Situation. Das von der Oberbürgermeisterin angekündigte Geld wird jedoch nicht mehr bereitgestellt, teilt das Presseamt der Stadt Köln mit, immerhin sei der Insolvenzantrag zurückgenommen worden.

Ende April wird es zunächst eine Mitgliederversammlung des Klust geben. Dabei sollen die Details bezüglich der Vereinbarungen mit Gläubigern erklärt werden. Auch wird ein neuer Vorstand gewählt. Ob der aktuelle Vorstand noch einmal kandidieren wird, wisse Altenrath noch nicht. Eiting, der sich im Bündnis engagiert, wolle nicht antreten. Er war bereits einmal im Klust-Vorstand, doch meint zur aktuellen Lage: „Das ist zu viel Aufwand für ein Ehrenamt. Der neue Vorstand wird erst mal mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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