Instagram: #eyecandy is over

Rabea Weihser

Optische Täuschungen überall auf Instagram: In Toronto kann man sich jetzt in den tollsten Luxuskulissen selbst fotografieren. Das ist übrigens der Anfang vom Ende.

Was ist das für 1 Life? Rosen, Sekt und Privatjet – in Kanada jetzt für 20 Dollar zu haben. © @thisiseyecandytoronto/Instragram

Wir alle kennen diese Fotos von Michi und Mareike, wie sie in einigen hundert Meter Entfernung vor dem schiefen Turm von Pisa stehen, sich schräg in die Luft lehnen und so tun, als seien sie eine wichtige Stütze für den italienischen Denkmalschutz. Nein, weder zieht Mareike hauptberuflich Lastwagen auf DSF, noch ist Michi der größte Mensch unter der Sonne. Sie machen nur einen Witz, sie spielen nur mit einer optischen Täuschung.

Seit Touristen mit Kameras die Welt bereisen und Bildtrophäen für die Daheimgebliebenen sammeln, darf man sich immer wieder neue Variationen von Menschen vor Fotokulissen ansehen. Früher wurden sie in abendfüllenden Diashows präsentiert, heute auf Instagram. Zwei Unterschiede gibt es: Die Daheimgebliebenen sind heute ein Publikum von potenziell einer Milliarde Menschen, und @Meyekey und @Mareyekey (Ähnlichkeiten zu real existierenden Avataren sind rein zufällig) haben gehört, dass man inzwischen mit solchen Knipsereien Geld verdienen kann.

Schön sollen diese Bilder aussehen, erbaulich, lebensfroh, im besten Fall noch begehrenswert. Und weil es wohl kein Menschenleben auf der Welt gibt, dessen Livestream einem Disneyfilm entspräche, hat sich eine Instagram-Schattenindustrie gebildet, die Tapeten der Wohlgefälligkeit herstellt. Es gibt Städtetouren, Bodenbeläge, Pflanzen, begehbare Kunstwerke für Instagrammer. Hingegen sehnsüchtig erwartet: echte Freunde für Instagrammer.

In Toronto, so entnehmen wir unserem avocadofarbenen Newsfeed, hat jetzt ein Themenpark für Selfiesüchtige eröffnet mit dem programmatischen Namen ThisIsEyeCandy. Man kann sich dort zum Eintrittspreis von 20 Kanadischen Dollar 45 Minuten lang in den beliebtesten Szenen erfolgreicher Social-Media-Feeds herumtrollen. Die Veranstalter bringen laut Selbstbeschreibung "unglaubliche Installationen, multi-sensorisch immersive Räume und unendliche Momente der Sweetness" unters Volk. Diabetikerfreundlich ausgedrückt: Wer zu Hause kein Spiegelkabinett, keinen Tresorraum, keinen Swimmingpool oder Privatjet hat, kann sich hier in entsprechender Kulisse fotografieren.

Lesen Sie hier weiter!