Warum intelligente, erfolgreiche Frauen eher dazu neigen, sich von toxischen Männern abhängig zu machen

Stressed young married couple sitting separately on different sides of sofa, ignoring each other after quarrel. Offended spouses do not talk communicate, feeling depressed disappointed after argue. - Copyright: getty images
Stressed young married couple sitting separately on different sides of sofa, ignoring each other after quarrel. Offended spouses do not talk communicate, feeling depressed disappointed after argue. - Copyright: getty images

Beziehungen können kompliziert sein: Streitigkeiten und Auseinandersetzungen erleben die meisten Paare an einem Punkt ihrer Beziehung. Doch es gibt auch Menschen, die im Leben ihrer Partner Chaos anrichten. Sie schicken sie auf eine emotionale Achterbahnfahrt und geben ihnen das Gefühl, den Verstand verloren zu haben.

Die Opfer dieser Menschen sind oftmals diejenigen, von denen man es niemals erwartet hätte. So finden sich häufig intelligente und erfolgreiche Frauen in Beziehungen mit toxischen Männern wieder. Doch wie erkennt man eigentlich eine toxische Beziehung? Und wie kommt man am besten wieder aus so einer heraus?

Toxische Beziehungen bleiben lange unbemerkt

Toxische Beziehungen sind für viele wie ein blinder Fleck, weil sie meistens als die perfekteste, liebevollste Partnerschaft beginnen, die das Opfer je erlebt hat. Wenn der Täter irgendwann sein wahres Gesicht zeigt, sind die Opfer häufig schon zu tief in die Beziehung verstrickt, um etwas dagegen zu unternehmen. Tatsächlich geben sich viele auch selbst die Schuld.

Die Beziehungsexpertin Cherlyn Chong sagt, dass Frauen in toxischen Beziehungen befürchten, niemals einen anderen Mann zu finden, der bei ihnen bleibt. Sie hätten Angst, dass sie, wenn sie gehen, dazu verdammt sind, für immer allein zu sein.

Das sei zwar kein rationaler Gedankengang, aber auch nicht überraschend. Ist man in einen toxischen Partner verliebt, der einen monate- oder jahrelang psychisch missbraucht, werde den Betroffenen dadurch die eigene Persönlichkeit und die Lebensfreude genommen.

Anstatt sich Zeit für sich selbst zu nehmen, verwenden die Opfer ihre ganze Energie, um ihren Partner glücklich zu machen, was sich letztendlich als unmögliche Aufgabe herausstellt. Die Betroffenen sind in einem ständigen mentalen Kampf mit sich selbst – weil sie zwar nichts falsch machen, aber trotzdem immer bestraft, angeschrien und aus Gründen beleidigt werden, die sie nicht verstehen können.

Die Opfer sind meistens leistungsstarke Frauen

Es hört sich zwar so an, als würden nur schwache und verletzliche Menschen in diese Falle tappen, aber das ist nicht richtig. Männliche Täter suchen sich oft starke, selbstbewusste und erfolgreiche Frauen. Zum einen, weil sie selbst dadurch gut aussehen und zum anderen, weil sie den Nervenkitzel genießen, jemanden, der so selbstsicher ist, zu Fall zu bringen.

„Leistungsstarke Frauen sind in der Regel auch sehr pflichtbewusst“, erklärte die Psychologin und Executive Coach Perpetua Neo im Gespräch mit Business Insider. „Das bedeutet, dass sie wirklich hart für ihre Beziehung arbeiten. Deshalb geben und geben und geben sie auch immer wieder.“

Laut Neo leben hochintelligente Frauen viel in ihren Köpfen, was bedeutet, dass sie auch die extrem schädlichen Verhaltensweisen der toxischen Männer rationalisieren und erklären wollen und können.

Meistens haben toxische Männer eine rührselige Ausrede

Oft hätten toxische Partner eine emotionale Geschichte vorzuweisen. Sie sprechen von einer turbulenten Vergangenheit, dem Missbrauch durch einen Elternteil oder schlechten Erfahrungen mit Ex-Partnern – und natürlich davon, wie sie die Widrigkeiten überwunden haben. Oft lügen sie und geben vor, dass sie sehr erfolgreich und reich waren, bis sie von einem Schicksalsschlag getroffen wurden.

„Einige der Frauen neigen zum Überkompensieren und wollen die Menschen, die weniger Glück haben als sie, besser behandeln“, sagte Neo.

Dem Täter könnten solche Geschichten dabei helfen, das Opfer vom eigenen Potenzial zu überzeugen. Wenn die betroffene Person weiß, dass der Partner vor seinem Schicksalsschlag erfolgreich war, wird sie von den Geschichten seiner früheren Erfolge angezogen. Jemand, der diesen idealistischen Vorstellungen nicht entspricht, könnte möglicherweise langweiliger erscheinen.

Chong erklärt, dass auch die Erziehung eine Rolle spiele. Einige Menschen seien in Bezug auf Bindungen bereits vorbelastet durch einen abwesenden oder emotional distanzierten Elternteil. Und auch Mobbing könne dazu führen, dass jemand denkt, es würde mit ihm etwas nicht mit stimmen. Dieses Gefühl ist selbst durch Erfolge im Beruf oder im Privatleben nur sehr schwer wieder zu beseitigen.

Wenn diese gewohnten Gefühle und Gedanken so tief in einer Person verwurzelt sind, ignoriert sie laut Chong alle gegenteiligen Aussagen. Selbst wenn Freunde sagen, dass sie in ihrer Beziehung etwas Besseres verdient hat, kann sie das nicht nachvollziehen, weil sie das Gefühl hat, dass sie alles an sich selbst ändern muss.

Der toxische Partner weiß, wie er den mentalen Zustand seines Opfers ausnutzen kann

Die Opfer werden süchtig nach ihrer Beziehung, wie nach einer Droge. Sie entwickeln eine sogenannte „Traumabindung“ und sind abhängig von dem emotionalen Drücken und Ziehen des toxischen Partners. Das liegt daran, dass erst das Stresshormon Cortisol dann ansteigt, wenn die Dinge schlecht laufen und schließlich dann das Dopamin, wenn die Person durch Zuneigung wieder für ihr Verhalten belohnt wird.

„Wir werden wirklich so süchtig, dass wir bereit sind, ein ganzes Leben für fünf Minuten der Erheiterung zu opfern“, sagte Chong. „Dr. Helen Fisher, eine führende Verhaltensexpertin, nennt dies das Phänomen der 'Frustrations-Anziehung', bei dem die Unvorhersehbarkeit das Gefühl der romantischen Liebe verstärkt, anstatt sie zu behindern.“

Der toxische Partner weiß genau, wie er den mentalen Zustand seines Opfers ausnutzen kann, indem er ihm gerade genug Aufmerksamkeit als Verstärkung gibt, um es in seiner Nähe zu halten, bevor er wieder distanziert und launisch wird.

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„Manchmal ist Untätigkeit die beste Tat“

Toxische Männer würden auf diese Weise auch weiterhin nach leistungsstarken Frauen suchen und sie ansprechen. Sie mögen den Erfolg der Partnerin und das Wissen, sie kontrollieren und zerstören zu können. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass die Betroffenen wissen, worauf ihre Anziehung beruht und wie sie sich mit eigen gesetzten Grenzen schützen können.

Laut Neo ist der erste Schritt, um aus einer toxischen Beziehung wieder herauszukommen, sich eine Auszeit zum Nachdenken zu nehmen. Vor allem nach einem schnellen Partnerwechsel nach einer emotionalen Trennung sei es wichtig, dass die betroffene Person einen Schritt zurücktritt und lernt, allein zu sein, bevor sie jemand anderen in ihr Leben lässt.

„Eine leistungsstarke Frau denkt, sie muss herumlaufen und alles sofort machen, aber manchmal ist Untätigkeit die beste Handlung“, sagte Neo. Nicht jeder Partner ist gut für einen. „Man muss akzeptieren, dass es sehr schlechte Menschen auf dieser Welt gibt“, so die Psychologin.

Dieser Text wurde von Lea Kreppmeier aus dem Englischen übersetzt, angepasst. Er erschien ursprünglich im Juni 2019. Wir haben ihn im September 2023 erneut geprüft, überarbeitet und aktualisiert. Das englische Original lest ihr hier.