Intensivmediziner bei Lanz: "Europa ist der am schlechtesten gemanagte Corona-Kontinent"

teleschau
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Intensivmediziner Dr. Tankred Stöbe ging mit der Corona-Politik der Bundesregierung hart ins Gericht. (Bild: ZDF / Screenshot)
Intensivmediziner Dr. Tankred Stöbe ging mit der Corona-Politik der Bundesregierung hart ins Gericht. (Bild: ZDF / Screenshot)

Wie gut ist Deutschland bislang durch die Pandemie gekommen? Beim Markus Lanz trafen am Dienstagabend zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen frontal aufeinander.

Klar, es hätte noch schlimmer kommen in Deutschland. Ein Blick über den Atlantik, etwa in die USA oder nach Brasilien, zeigt das deutlich. Nur: Hätte Deutschland, hätte Europa, die Pandemie nicht auch viel besser in den Griff kriegen können? Ja, sagte am Dienstagabend der Intensivmediziner Dr. Tankred Stöbe im ZDF-Talk von Markus Lanz. "Deutschland hat es nicht gut gemacht", bilanzierte der Berliner.

Anders sah das Ralph Brinkhaus, der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Er war zu Lanz gekommen, um sich zur Maskenaffäre seiner Partei zu äußern. Die Wut in seiner Fraktion sei "sehr, sehr groß", sagte Brinkhaus zerknirscht. Das Verhalten der Politiker Georg Nüßlein und Nikolas Löbel, die die CSU beziehungsweise CDU mittlerweile verlassen haben, sei "unmoralisch" und "geht nicht", so der Mann aus NRW. Dem konnte Blogger Sascha Lobo nur zustimmen, er wollte Brinkhaus aber nicht so schnell aus der Affäre entlassen. Der Autor machte eine generelle "Schmierlappigkeit" in der Union aus - so habe etwa auch CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn viel zu teure Masken gekauft, die hinterher niemand hatten haben wollen.

CDU-Politiker musste den Schaden, den die Maskenaffäre seiner Partei ausgelöst hatte, irgendwie begrenzen. (Bild: ZDF / Screenshot)
CDU-Politiker musste den Schaden, den die Maskenaffäre seiner Partei ausgelöst hatte, irgendwie begrenzen. (Bild: ZDF / Screenshot)

"Über 70.000 Tote, Dunkelziffer nicht mitgerechnet"

Fast so, also wolle er nicht, dass seine Partei so kurz vor zwei Landtagswahlen nur für Negativnachrichten stehe - schließlich sieht sich auch Gesundheitsminister Spahn seit Wochen scharfer Kritik an seiner Corona-Politik ausgesetzt -, versuchte es Brinkhaus mit ein wenig Zuversicht. "Vieles ist gut in der Krise gelaufen", behauptete der 52-Jährige - und brachte damit die anderen Studiogäste auf die Palme.

Sascha Lobo etwa hatte Brinkhaus zuvor vorgeworfen, die Regierung habe die Digitalisierung verschlafen, und das räche sich nun in der Pandemie. Die Politik, so Lobos Fazit, sei nicht mutig genug. Das wollte Brinkhaus nicht auf sich sitzen lassen und schaltete in den Angriffsmodus: "Wissen Sie Herr Lanz, wir müssen jetzt auch mal darüber reden, dass wir so tun, als wenn hier alles Schrott ist in Deutschland", sagte er zum Moderator.

Intensivmediziner Stöbe aber konnte das so nicht stehen lassen. Sein Fazit über die deutsche und europäische Krisenbewältigung fiel vernichtend aus: "Europa ist der am schlechtesten gemanagte Corona-Kontinent", so seine bittere Bilanz. Wenn man nur auf Länder blicke, die eine noch schlechtere Corona-Bilanz hätten, dann sei das der falsche Weg. Vielmehr müsse man sich Staaten wie Taiwan zum Vorbild nehmen - die Inselrepublik ist äußerst glimpflich durch die Krise genommen. Deutschland hingegen, so Stöbe, habe "über 70.000 Tote, Dunkelziffer nicht mitgerechnet".

Kritik an den Schnelltests

Warum das so ist? Mikrobiologin Prof. Mariam Klouche glaubt, einen Grund dafür zu kennen: Entscheidungen würden in Deutschland in viel zu umständlichen Verfahren getroffen, immer wieder mische sich die Politik in Prozesse ein, bei denen aber vielmehr Expertenwissen gefragt sei.

Später in der Sendung sprach Klouche noch eine Warnung aus: Die Corona-Schnelltests, die in den kommenden Tagen und Wochen massenhaft zur Verfügung gestellt werden sollen, seien keine Patentlösung, mahnte sie. Denn im Vergleich zu Labortests seien die kleinen Kits, die es vereinzelt schon bei Discountern zu kaufen gibt, viel zu ungenau. Das könne dazu führen, so die Laborärztin, dass sich die Menschen in einem falschen Gefühl von Sicherheit wiegen.