Intensivmediziner bei "maischberger": "Lockdown musste verlängert werden"

teleschau
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Der Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens betonte in der jüngsten Ausgabe der ARD-Talkshow "maischberger. die woche", wie froh er über die Verlängerung des Lockdowns sei. (Bild: ARD / Screenshot)
Der Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens betonte in der jüngsten Ausgabe der ARD-Talkshow "maischberger. die woche", wie froh er über die Verlängerung des Lockdowns sei. (Bild: ARD / Screenshot)

Der Lockdown ist verlängert, über konkrete Maßnahmen dürfen die Länder selbst entscheiden. In der ARD-Talkshow "maischberger. die woche" diskutierten ein Intensivmediziner und ein Oberbürgermeister über die Beschlüsse vom Mittwoch.

Nach einer mehrstündigen Sitzung im Kanzleramt beschlossen die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs am Mittwochabend, den Lockdown bis zum 7. März zu verlängern; über die konkrete Umsetzung der Maßnahmen wie die Öffnung der Schulen und Kitas soll jedes Bundesland selbst entscheiden. Über diesen Beschluss diskutierte Moderatorin Sandra Maischberger in der jüngsten Ausgabe ihrer ARD-Talkshow "maischberger. die woche" mit ihren Gästen.

Zunächst zeigte Maischberger ein Statement von SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der betonte: "Eigentlich müsste jetzt verschärft werden, weil wir sehen zwar einen absinkenden Trend bei den Gesamtfällen, aber die Zahlen der Viren, die deutlich gefährlicher sind, die Mutationen aus England und Südafrika, die wirken wie Turboviren. Die verbreiten sich sehr viel schneller."

In einem kurzen Video erklärte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: "Eigentlich müsste jetzt verschärft werden." (Bild: ARD / Screenshot)
In einem kurzen Video erklärte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: "Eigentlich müsste jetzt verschärft werden." (Bild: ARD / Screenshot)

Der Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens machte deutlich, wie erleichtert er über die Verlängerung des Lockdowns sei. "Die Intensivstationen sind ganz am Ende von diesem furchtbaren Prozess, von dieser schweren Krankheit", hielt er zunächst fest. In Bezug auf den Lockdown betonte der Mediziner: "Das musste verlängert werden. Das ist absolut unausweichlich angesichts der Mutationen." Janssens warf einen Blick auf die Entwicklung in anderen Ländern. "Man kann ganz klar sagen, die Zahlen haben es gezeigt in Großbritannien und Irland, was das für dramatische Effekte über die Weihnachtstage gezeigt hat, über die Öffnung und explosionsartige Zunahmen in Irland. Das können wir uns hier nicht erlauben." In Köln seien inzwischen bis zu 20 Prozent der Viren Mutanten. "Warten wir mal ab, was da so auf uns noch zukommt."

"Verschiedene Probleme miteinander abwägen"

Der Grünen-Politiker Boris Palmer zeigte sich weniger glücklich über die Lockdown-Verlängerung. Zumindest aber gebe es nun "Hoffnung für unsere Kinder", stellte er fest. Er hoffe, dass viele Länder die Grundschulen und Kitas wieder öffnen. "Weil ich glaube, dass hier auch Schäden entstehen, die wir nicht aufholen können." An Janssens gewandt erklärte Palmer, dass es inzwischen eine "Triage" an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tübingen gebe. "Da können die Kinder nicht mehr aufgenommen werden, die ist total überlaufen." Sein Appell: "Wir müssen die verschiedenen Probleme miteinander abwägen."

Im Hinblick auf den Inzidenzwert riet Palmer, "kontrolliert und klug" zu öffnen, ohne "allzu große Risiken" einzugehen. In Tübingen seien Schulen beispielsweise bereits mit Schnelltests ausgestattet, außerdem sollten die Geschäfte für wenige Kunden wieder öffnen dürfen. "Das muss man meiner Meinung nach auch machen." Der Oberbürgermeister von Tübingen erklärte: "Bei massiven Grundrechtseinschränkungen kann nur die Intensivstation der Maßstab sein." Es gebe keine Grippewelle dieses Jahr, die Situation in den Kliniken sei aktuell "sehr gut kontrollierbar", daher sei er der Meinung: "Grundrechtseingriffe sind nicht mehr verhältnismäßig."

Das sah Janssens allerdings kritisch. Die Intensivstationen seien "nicht der Ort, an dem wir testen sollen", ob die Pandemie-Maßnahmen anfingen zu wirken, erklärte er. Wenn die Menschen dort ankämen, sei es eigentlich schon zu spät. Es dauere zehn bis 14 Tage, bis die infizierten Menschen mit schwerem Verlauf tatsächlich ins Krankenhaus müssten, betonte er. "Dann ist der Zug schon längst abgefahren." Janssens betonte außerdem, dass vergessen werde, dass es zwar viele Intensivbetten in Deutschland gebe, allerdings seien diese dazu da, die Bevölkerung in normalen Zeiten zu versorgen - ohne COVID-19.

Video: Lockdown verlängert - Länder entscheiden über Schulöffnungen