Experten warnen vor verschärftem Personalmangel in der Pflege

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Arbeit auf einer Intensivstation

Experten haben angesichts der Corona-Pandemie vor einem verschärften Personalmangel in der Pflege gewarnt. "Wir müssen die Flucht aus dem Pflegeberuf unbedingt stoppen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Montag. Unterdessen sahen sich mehrere Bundesländer gezwungen, wegen der Lieferkürzung des Astrazeneca-Impfstoffs Impftermine zu verschieben. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg weiter an und erreichte 79.

"Die Krise der deutschen Pflege hat sich durch die Corona-Pandemie jetzt noch einmal erheblich verschärft und wird sich weiter verschärfen", sagte Divi-Präsident Marx. In der beginnenden dritten Welle der Corona-Pandemie hielten die Pflegenden derzeit aus Pflichtgefühl noch durch. Die Frage sei aber, was danach komme. Einer aktuellen Umfrage zufolge trage sich derzeit fast jeder dritte Pflegende mit dem Gedanken, aus dem Beruf auszusteigen.

Auch das Divi-Präsidiumsmitglied Felix Walcher warnte vor einem Kollaps der Intensivversorgung. "Die Pandemie führt uns mehr als deutlich vor Augen, wie fragil auch das deutsche Gesundheitswesen ist." Es gebe kein Intensivbett ohne Pflege. Nötig seien jetzt rasche Verbesserungen im Arbeitsalltag des Pflegepersonals, forderte der Direktor der Unfallchirurgie der Uniklinik Magdeburg.

Den Zeitungen zufolge fordern die Divi und die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) in einem gemeinsamen Papier konkrete Verbesserungen zur Stärkung der Intensivpflege in Deutschland. Der Forderungskatalog umfasst demnach unter anderem einen am tatsächlichen Pflegebedarf orientierten Personalschlüssel, moderne Arbeitszeitmodelle und eine der Qualifikation angemessene Bezahlung.

In der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag forderte der Deutsche Pflegerat 4000 Euro als Einstiegsgehalt für Pflegende. Dies sei eine "angemessene Entlohnung" und mache den Beruf konkurrenzfähig, sagte der Präsident des Pflegerats, Franz Wagner. Wichtig sei aber auch mehr Personal, "um der hohen Belastung entgegenzuwirken".

Die Erschöpfung gehe bei einigen Beschäftigten so tief, "dass sie unter posttraumatischen Erschöpfungszuständen leiden", sagte Wagner. "Viele denken daran, ihren Beruf aufzugeben."

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntagmorgen unter Berufung auf die Gesundheitsämter 10.790 Corona-Neuinfektionen sowie 70 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Infektion. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz stieg weiter an und lag bei 79 - nach 76,1 am Samstag.

Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche an und ist ein wesentlicher Maßstab bei der Verhängung oder Lockerung von Corona-Restriktionen. Sie war im Februar zwischenzeitlich auf unter 60 gefallen.

Die Impfungen in Deutschland kommen zugleich nur langsam voran. Zurzeit stehen drei Mittel zur Verfügung: Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Der britisch-schwedische Hersteller Astrazeneca hatte am Freitag aber erneut Lieferkürzungen verkündet. Das Land Thüringen stoppte als Konsequenz daraus die Terminvergabe im Impfzentrum in Gera, Sachsen-Anhalt muss deshalb die Corona-Impfungen der Polizisten im Land vorerst zurückstellen.

Der Chef der Konservativen im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), drohte dem Impfstoffhersteller mit einem Exportstopp von in der EU produzierten Impfstoffdosen - die FDP wiederum kritisierte diese Ankündigung. "Europa und Deutschland sollten weiter auf Verhandlungen und nicht auf Protektionismus setzen", sagte Fraktionsvize Michael Theurer AFP. Statt Exporte zu verbieten, müsse mehr importiert werden, etwa nicht gebrauchte Dosen aus den USA.

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