Internationale Gartenschau öffnet in Berlin-Marzahn

Marzahn gilt vielen Berlinern als Sinnbild sozialistischer Betonlandschaften. Dennoch lockt der ganz im Osten der Hauptstadt gelegene Bezirk in diesem Jahr Hobbygärtner und Pflanzenfreunde aus aller Welt. Dort eröffnet am Donnerstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Rahmen eines Bürgerfests die Internationale Gartenausstellung. Die IGA 2017 ist nicht nur eine weitere Hauptstadtattraktion. Der etwas verrufene Randbezirk soll insgesamt lebenswerter werden.

Seit 30 Jahren locken die zum 750. Geburtstag Berlins eröffneten "Gärten der Welt" die Ostberliner jedes Frühjahr zum Kirschblütenfest. Vielen Zugezogenen und Westberlinern dagegen ist der etwas abseits gelegene Park bis heute kein Begriff. Dabei sind die Chinesischen, Japanischen, Orientalischen und Koreanischen Gärten mit ihren ländertypischen Bauten und Pflanzen durchaus beeindruckend.

Für die IGA kam ein Englischer Garten hinzu sowie eine Tropenhalle, die einem Balinesischen Garten eine Heimstätte bietet. Insgesamt wurde die Fläche der "Gärten der Welt" in den vergangenen Jahren auf mehr als 40 Hektar verdoppelt. Die IGA-Besucher wandeln sogar durch insgesamt 100 Hektar grüner Fläche, weil die Gärten über eine Landschaftserhöhung namens Kienberg mit dem Naherholungsgebiet Wuhletal verbunden wurden.

Mag der Name Kienberg beim ersten Blick auf den 100 Meter hohen Hügel auch übertrieben wirken, übertrifft er zumindest in einem Punkt doch manche Mittelgebirgshöhe: Die Kienbergspitze wird nämlich von einer eigens errichteten Seilbahn angefahren. Auf einer Strecke von 1,5 Kilometern überspannt die Seilbahn die gesamte Längsachse der IGA. So können pro Stunde bis zu 3000 Besucher die Gartenausstellung in einem der 65 Waggons aus der Vogelperspektive erleben.

Zu sehen gibt es dabei vor allem von internationalen Gartenarchitekten entworfene Landschaften im Stil aller fünf Kontinente. Daneben sind im Laufe der 186 Tage währenden IGA diverse Veranstaltungen geplant. Im Amphitheater mit Platz für bis zu 5000 Besucher finden Konzerte mit bekannten Popkünstlern statt. Im September führen bis zu 100 Kinder aus dem Bezirk, in dem viele einkommensschwache Familien leben, die Oper "Carmina Burana" auf.

Die jahrelangen Bauarbeiten haben Bund und Land rund 49 Millionen Euro gekostet. Der Betrieb der IGA selbst soll bis Mitte Oktober etwa 40 Millionen Euro kosten. Drei Viertel des Geldes muss die Ausstellung selbst erwirtschaften, wobei ein Großteil auf die Eintrittskosten für die erwarteten zwei Millionen IGA-Besucher entfällt.

Viele der neuen Erweiterungen bleiben den "Gärten der Welt" über die IGA hinaus erhalten. Der Berliner Senat rechnet deshalb ab kommendem Jahr dort mit jährlich 1,2 Millionen Besuchern. Das wäre ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem bisherigen Besucherschnitt. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten sich allerdings auch künftig vor allem mehr Neu- und Westberliner hin und wieder in den fernen Osten der Stadt aufmachen.

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