Interne Konkurrenz für Trump: Diese Republikaner wollen ins Weiße Haus

Noch warten die Republikaner ab, ob Donald Trump 2024 erneut antritt. Doch im Schatten des Ex-Präsidenten formieren sich mittlerweile einige Gegenkandidaten.

An Donald Trump führt in der republikanischen Partei momentan kein Weg vorbei. Noch. (Bild: Scott Olson/Getty Images)
An Donald Trump führt in der republikanischen Partei momentan kein Weg vorbei. Noch. (Bild: Scott Olson/Getty Images)

Es ist ziemlich bezeichnend, hinter wen Donald Trump sein politische Gewicht momentan mit seiner lang aufbauten Aufmerksamkeitsmaschinerie wirft - und hinter wen nicht. Auch innerhalb der republikanischen Partei wird dies sehr genau wahrgenommen. Denn nach den Midterm-Wahlen könnten sich tatsächlich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder parteiinterne Gegenkandidaten zu Trump hervortun. Das ist deshalb besonders bemerkenswert, weil sich die Republikaner im Zuge der Trump-Präsidentschaft und vor allem der nachfolgenden Verweigerung, die demokratischen Wahlen anzuerkennen, extrem nach rechts verschoben haben. Dies bedeutete aber auch, dass die GOP - die Grand Old Party - ihr Schicksal auf Gedeih und Verderb mit der Figur Trump verknüpft hatte. Doch im Herbst 2022 sieht das nun etwas anders aus.

Der schwierige Spagat der Gegenkandidaten

Noch traut sich zwar kein republikanischer Spitzenpolitiker, offen von einer Gegenkandidatur zu sprechen. Doch die Zeichen mehren sich, dass Trump, sollte er antreten wollen (und bis dahin nicht über eines der zahlreichen gegen ihn laufenden Gerichtsverfahren gestolpert sein) sich zunächst mal in der eigenen Partei durchsetzen müsste. Der Spagat, den mögliche Präsidentschaftsanwärter*innen dabei zu bewältigen haben, ist kein einfacher. Sie müssen einer konservativen Mitte glaubhaft vermitteln, dass sie nicht zu weit in die Untiefen rechter Verschwörungstheorien abgeglitten sind. Dabei dürfen sie aber die Trump-nahen Anhänger eben dieser Theorien nicht verprellen.

Wie man diesen politischen Eiertanz absolviert, zeigt momentan am besten der Gouverneur von Florida. Ron DeSantis gilt deshalb nicht zu Unrecht als schärfster Konkurrent Trumps. Sein eigener Konkurrent im aktuellen Gouverneurs-Wahlkampf versuchte prompt, das gegen ihn auszuspielen. In der abschließenden TV-Debatte ging es um die heiklen Themen der US-Politik. DeSantis gelang es dabei meist, sich nicht vom Demokraten Charlie Christ in die rechtsextreme Ecke drängen zu lassen. Und das trotz teilweise radikaler eigener Entscheidungs-Historie als Gouverneur bei den Themen Abtreibung und LGBTQ+-Rechte. Doch als es darum ging, ob DeSantis überhaupt seine Amtszeit erfüllen wolle, oder nicht doch vorher für das Weiße Haus kandidieren würde, geriet der erfahrene Republikaner ziemlich ins Schwimmen.

Üben für das Weiße Haus? Floridas Gouverneur Ron DeSantis im Wahlkampf mit seiner Frau Casey DeSantis.
Üben für das Weiße Haus? Floridas Gouverneur Ron DeSantis im Wahlkampf mit seiner Frau Casey DeSantis. (Bild: REUTERS/Marco Bello)

Trump droht DeSantis

Denn klar ist, mit einer frühzeitigen Kandidatur macht man sich Trump und seine Hardcore-Follower zum Feind, das kann sich eigentlich kein Republikaner leisten. Ein erster Warnschuss kam auch prompt in Richtung DeSantis. Denn der hatte den republikanischen Senats-Kandidaten Joe O'Dea aus Colorado öffentlich unterstützt, der sich gegen eine erneute Trump-Kandidatur 2024 ausgesprochen hatte. "Das war ein Riesenfehler," drohte Trump daraufhin in Richtung DeSantis auf seiner "Truth Social"-Plattform. Bei den Wahlkampfveranstaltungen von DeSantis lässt sich Trump auch nicht blicken, obwohl solche Auftritte sonst zu seinem Lieblingsprogramm gehören. Dafür hat der Gouverneur von Florida bereits angefangen, das für eine Kandidatur so wichtige eigene Netzwerk aus Spender*innen aufzubauen.

Spott gegen die "RINOs"

Kandidat*innen, die nicht nach seinem Geschmack handeln oder den - nachweislich widerlegten - Vorwurf des Wahlbetrugs 2020 nicht mittragen, schmäht Trump gerne als "RINOs -Republican in Name Only", also Republikaner nur dem Namen nach. Den Senats-Kanidaten Blake Masters aus Arizona warnte Trump kürzlich, er werde verlieren, wenn er bei den Wahlbetrugsvorwürfen "weich werde". Derweil nehmen Drohungen und Attacken auf Wahlbüros und deren Mitarbeitende durch Trump-Anhänger*innen drastisch zu. In diesem Klima der Angst traut sich kaum ein parteiinterner Trump-Gegner lautstarke Wortmeldungen zu. Im Gegenteil, bei den Midterms treten reihenweise radikale Kandidat*innen an, die deutlich klar machen, dass sie bei der nächsten Wahl in verantwortlichen Positionen dafür sorgen würden, dass ihre Seite gewinnt.

Ex-Vizepräsident Pence bringt sich in Stellung

Doch ein paar Republikaner*innen scheinen dennoch das Feld einer möglichen Gegenkandidatur auszuloten. Neben DeSantis ist das vor allem der ehemalige Vize-Präsident Mike Pence. Pence hat bei den extremen Trump-Anhängern nicht viel zu verlieren. Sie nehmen ihm übel, dass er die Wahl von Joe Biden nicht vereitelt hat, beim Sturm auf das Kapitol wurde er deshalb selbst zur Zielscheibe. Im Midterm-Wahlkampf tritt der 63-Jährige nun vermehrt in Erscheinung. Und zeichnet ein Bild von seiner Version der USA. Es ist ein Bild eines sehr konservativen christlichen Nationalismus, für das Pence steht. Und anders als Trump zeigt er dabei immer wieder seine glaubhafte religiöse Überzeugung, die bei vielen US-Wähler*innen gut ankommt. So schaffte es Pence kürzlich in die Schlagzeilen, als er mit markigen Worten verkündete, die US-Amerikaner*innen hätten "kein Recht auf die Freiheit von Religion". Dies sei nämlich, was die "radikale Linke" fordere, sagte Pence in einer konservativen Talkshow.

Wichtige Qualität im Wahlkampf: Leutseliges Händeschütteln. Mike Pence übte das schon mal in Iowa.
Wichtige Qualität im Wahlkampf: Leutseliges Händeschütteln. Mike Pence übte das schon mal in Iowa. (Bild: Scott Olson/Getty Images)

Seine öffentliche Positionierung und die gehäuften Auftritte lassen durchaus vermuten, dass er sich als Gegenkandidat zu Trump ins Spiel bringen will. In Wisconsin lässt sich das Duell schon einmal im Kleinen betrachten. Dort unterstützt Trump den republikanischen Gouverneurs-Kandidaten Tim Michels, Pence stellte sich hinter dessen Gegnerin Rebecca Kleefisch. Auf die Frage bei einer Veranstaltung an der Georgetown University, ob er Trump bei einer Kandidatur unterstützen würde, antwortete Pence trocken: "Es mag da jemand anderen geben, den ich bevorzugen würde."

Die Liste der möglichen Kandidat*innen wächst

Auch Mike Pompeo, Trumps ehemaliger Außenminister, soll mit den Gedanken an eine Kandidatur für das Weiße Haus spielen, auch wenn er sich zurückhaltend gibt. Weniger bekannt sind weitere GOP-Politiker wie der Senator Tom Cotton aus Arkansas, der sein politisches Profil kürzlich mit einer personellen Veränderung schärfte. Einer seiner engsten Berater verließ sein Team, aber nur, um künftig ein "Super-Pac" aufzubauen, das Lobby-und Wahlarbeit für eine mögliche Kandidatur Cottons 2024 betreiben soll. Ähnliches ist auch von Senator Tim Scott aus South Carolina zu hören. Wie auch Nikki Haley, ehemalige Gouverneurin von South Carolina und UN-Botschafterin unter Trump, besuchte Scott bereits einige wichtige Wahlkampf-Staaten wie Iowa und New Hampshire, um dort das Wasser zu testen. Bis zum Ergebnis der Midterm-Wahlen am 8.November dürften sie alle noch die Füße stillhalten. Doch dann könnte ein echter Machtkampf um die Führung der republikanischen Partei ausbrechen.

Will Trump überhaupt antreten?

Trump selbst hat angekündigt, er werde eine Entscheidung über eine erneute Kandidatur "in nicht zu weiter Ferne" bekannt geben. Das sagt er allerdings schon seit einiger Zeit, womöglich ist auch dies abhängig davon, was aus den laufenden Gerichtsverfahren und der Untersuchung der vom FBI beschlagnahmten Dokumente aus seinem Anwesen Mar-A-Lago wird. Was er aber nicht im Unklaren ließ, ist, was er von seinen politischen Gegnern hält. In einem Radio-Interview mit "Fox-News" sagte Trump auf mögliche Kandidaturen von Haley, Pence und Pompeo angesprochen: "Ich denke, es wäre sehr illoyal." Viele hätten ihm versprochen, nicht anzutreten, sollte er selbst kandidieren. "Wir werden sehen, ob sich das als Wahrheit herausstellt," sagte Trump. Es war durchaus alls Drohung an seine möglichen Konkurrent*innen zu verstehen.

Im Video: „Ich muss es wahrscheinlich wieder machen": Trump deutet Kandidatur an