Internet-Kunden erhalten nur selten vereinbarte Übertragungsgeschwindigkeit

Anbieter die Übertragungsgeschwindigkeiten, die eigentlich in ihrem Vertrag vorgesehen sind. Das geht aus Untersuchungen der Bundesnetzagentur hervor. Verbraucherschützer übten scharfe Kritik

Internetkunden erhalten nur selten von ihrem Anbieter die Übertragungsgeschwindigkeiten, die eigentlich in ihrem Vertrag vorgesehen sind. Das geht aus den Ergebnissen einer detaillierten Breitbandmessung hervor, die die Bundesnetzagentur am Montag in Bonn veröffentlichte. Dabei sind die Werte im Festnetz insgesamt besser als im Mobilfunk.

"Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erreichen Kunden oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen in Aussicht gestellt wurde", erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Dabei fielen aber die Werte je nach Anbieter und Vertrag sehr unterschiedlich aus.

Im Festnetz erreichten demnach bei Downloads 70,8 Prozent der Nutzer mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate. Die Hälfte der Nutzer erreichte demnach mindestens 60 Prozent der Maximalraten, bei einigen Anbietern sogar mehr als 90 Prozent.

Die volle Rate wurde demnach allerdings nur bei vier bis 25 Prozent der Endkunden erreicht. Bezogen auf die Anbieter reichte die Spanne dabei von nur einem bis 35 Prozent der Kunden. Auch fiel die Leistung häufig abends stark ab.

Bei mobilen Breitbandanschlüssen waren die Werte deutlich schlechter. Hier wurden laut Bundesnetzagentur nur bei 30 Prozent der Nutzer wenigstens die Hälfte der maximalen Übertragungsraten erreicht. Rückschlüsse auf die Qualität der Breitbandversorgung lassen die Ergebnisse der Analyse demnach nicht zu, da diese eher von den jeweiligen Tarifen der Endkunden abhingen.

Scharfe Kritik an den Anbietern kam vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Verbraucher müssen die Leistung bekommen für die sie bezahlen", verlangte dessen Vorstand Klaus Müller. Er forderte gesetzliche Regelungen, um dies sicherzustellen. Darin müssten auch Rechte der Verbraucher festgeschrieben werden, ihren Vertrag zu kündigen oder Zahlungen zu mindern, sollten sich Anbieter nicht an vertragliche Zusagen halten.

"Wenn nicht einmal ein Viertel der Nutzer die vertraglich versprochene maximale Bandbreite erhält, dann grenzt das an systematischen Kundenbetrug", erklärte die Grünen-Internetexpertin Tabea Rößner. Sie forderte festgelegte Mindestbandbreiten "sowie Bußgelder und Schadensersatzzahlungen, wenn Unternehmen nicht liefern".

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