Interview: Übers Internet die Anonymität im Kiez verringern

Dr. Anna Becker

Berlin. Anna Becker ist diplomierte Stadtplanerin und Sozialwissenschaftlerin und forscht beim Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung (VHW) zu Themen wie gesellschaftliche Veränderungsprozesse durch Digitalisierung, Mobilität und Vielfalt.

Frau Becker, was bedeutet Nachbarschaft heute für die Menschen?

Anna Becker: Für viele Menschen hat Nachbarschaft gar keine Bedeutung, weil Freundschaften über den Arbeits- und Ausbildungsplatz sowie Hobbys und nach Interessen aufgebaut und gepflegt werden. Das direkte räumliche Umfeld gewinnt vor allem dann an Bedeutung, wenn man weniger mobil ist, über geringere Ressourcen verfügt oder sich lokal engagieren möchte und dafür Gleichgesinnte sucht.

Wünschen sich mehr Leute eine funktionierende Nachbarschaft zurück?

Viele wollen wieder Kontakte zu den Menschen in ihrer Umgebung pflegen. Meist geht das mit einer bestimmten Veränderung im Leben einher. Sei es die Geburt eines Kindes oder der beginnende Ruhestand.

Was sind die Gründe für ihr Interesse?

Das können Ängste sein, die aus der Globalisierung resultieren. Die Menschen haben Sehnsucht nach Verortung, Vertrauen und Stabilität. Durch die Gemeinschaft haben sie die Möglichkeit diesen Herausforderungen im "Kleinen" zu begegnen.

Nachbarschaft aus dem Internet?

Digitale Angebote wie Nachbarschaftsplattformen, Tauschbörsen oder Facebook-Gruppen können sehr hilfreich sein, um Kontakte vor Ort aufzubauen und so das Gefühl von Anonymität zu verringern und die lokale Identifikation zu stärken.

Wer nutzt die...

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