Interview mit Sänger Tim Bendzko: „Texten ist wie Kreuzworträtseln“

Der Sänger spricht im Vorfeld seines Konzerts im Mai in Köln über sein neues Album.

Im Oktober ist Ihr neues Album rausgekommen – es heißt „Immer noch Mensch“. Wieso dieser Name?

Zum einen ist erstmal eine Feststellung. Nach den letzten Jahren im Musikgeschäft habe ich das Gefühl, endlich wieder ein normaler Mensch zu sein. Oder besser gesagt: Ich habe mich einmal innerlich abgetastet mit dem Ergebnis das noch alles dran ist und ich nicht vollkommen den Verstand verloren habe. Zum anderen ist es ein bisschen ein Aufruf. Wenn man in den letzten Jahren die Nachrichten schaut, hat man ein bisschen das Gefühl, dass das was uns Menschen ausmacht, das menschlich sein, sich erst um den Nebenmann und dann um sich selbst sorgen ein bisschen verloren geht. Ich habe irgendwie die Hoffnung, dass wir uns das wieder zurückholen können.

In Ihrem Lied „Warum ich Lieder singe“ erklären Sie, was sie manchmal auch für Schwierigkeiten beim Song-Schreiben haben. Was ist das für ein Prozess bei Ihnen?

Das ist leider tatsächlich eher unromantisch. Meistens setze ich mich wie bei einem Bürojob einfach hin und hoffe darauf, dass mir etwas gutes Einfällt. Meistens habe ich schon eine Zeile im Kopf die ein bisschen vorgibt wo die Reise hingeht und dann ist das wie ein Kreuzworträtsel: Ich suche nach Zeilen, die dazu passen und die am Ende ein ausgefülltes Rätsel ergeben. Früher habe ich manchmal acht Stunden lang da gesessen und nichts geschrieben und danach in 10 min das Ganze Lied. Mittlerweile habe ich ein bisschen ein Gespür dafür wann es Sinn macht zu schreiben und wann ich meine Zeit verschwende, weil ich mich nicht konzentrieren kann.

Sie singen auf Deutsch. Viele deutsche Künstler machen das nicht, oft auch, um international Erfolg haben zu können. Wieso machen Sie das nicht?

Für mich hat sich noch nie die Frage gestellt, ob ich auf Englisch schreiben sollte. Deutsch ist die Sprache, in der ich denke. Deutsch ist in meinen Augen auch eine schöne Sprache. Natürlich ist es eine harte Sprache, aber mit deutschen Worten kann man Dinge so präzise beschreiben. Ein gutes Beispiel ist da das Wort „einfallen“. Das beschreibt super, worum es geht. Etwas fällt in dich hinein. Eine Idee, eine Erinnerung. Das ist bildlich und so funktionieren viele deutsche Worte.

Am 6. Mai stehen Sie in der Lanxess-Arena auf der Bühne. Was dürfen Ihre Fans erwarten?

Mit der Lanxess-Arena verbinde ich nur gute Erinnerungen. Damals habe ich dort den Bundesvision Song Contest gewonnen. Daran denke ich gerne zurück. Bei der letzten Tour haben wir zwei Mal im Palladium gespielt und gucken wir mal wie es in der Arena ist. Die Band hat sich etwas vergrößert, wir werden Streicher dabei haben um die Songs so nah wie möglich am Albumsound zu spielen. Wir wollen „es krachen lassen“ aber auch versuchen intime Momente zu schaffen, in denen die Leute in der letzen Reihe das Gefühl haben, dass wir nur für sie spielen.

Vorher steht noch ein Auftritt bei der Echo-Verleihung an. Da spielen Sie aber nicht alleine...

Stimmt, da werde ich mit Max Giesinger und Vincent Weiss auf der Bühne stehen und wir werden versuchen, Musikgeschichte zu schreiben. (lacht) Ich bin gespannt. Es soll ja alles anders werden dieses Jahr beim Echo, aber wir wissen, was das im Deutschen Fernsehen bedeuten kann. Wir drei haben auf jeden Fall schon gemeinsam geprobt und werden ein Medley spielen. Das wird super.

Das Gespräch führte Lukas Hansen ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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