Investor will hunderte Schlecker-Läden wiederbeleben

Tante-Emma-Läden an bis zu 600 Standorten geplant

Ein österreichischer Investor will bis zu 600 ehemalige Schlecker-Filialen in Deutschland neues Leben einhauchen und zu Tante-Emma-Läden ausbauen. Er gehe davon aus, bis Ende 2013 in Deutschland bis zu 3000 Mitarbeiter zu beschäftigen, sagte Rudolf Haberleitner. Verdi wollte die Pläne, die neue Perspektiven für ehemalige Schleckerfrauen bedeuten könnten, nicht bewerten.

Er habe bereits 484 ehemalige Schlecker-Filialen in Süddeutschland "bis hinauf nach Rheinland-Pfalz ausgewählt", die wiederbelebt werden könnten, sagte Haberleitner handelsblatt.de. Zudem verhandle er über weitere Standorte in Berlin, Brandenburg und Thüringen. "So planen wir, ab dem kommenden Jahr über 600 Standorte in Deutschland zu verfügen."

Haberleitners Restrukturierungsgesellschaft Tap 09 hatte Ende Juli die Österreich-Tochter von Schlecker mit insgesamt 1350 Filialen in Österreich sowie Italien, Polen, Belgien und Luxemburg vom Schlecker-Insolvenzverwalter übernommen. Diese Geschäfte tragen jetzt den Namen "Dayli" und verkaufen neben Drogerieartikeln auch Lebensmittel wie frische Brötchen. Haberleitner hat nach eigenen Angaben außerdem "das Drittel der Bevölkerung" im Blick, das aus unterschiedlichsten Gründen bislang kein Online-Shopping nutzt. Für diese Kunden bietet er einen Bestellservice für Elektroartikel und andere Waren an.

Dieses Konzept will der Investor nun auch auf einstige Schlecker-Filialen in Deutschland anwenden. Er wolle "einen echten Nahversorger aufbauen", der zu Fuß erreichbar sei. "Die Kunden sind uns dankbar und glücklich, dass sie wieder einen Tante-Emma-Laden haben", zeigte Haberleitner sich von seiner Geschäftsidee überzeugt.

Durch Gespräche mit ehemaligen Vermietern, Verkaufs- und Bezirksleitern der einstigen Schlecker-Filialen sei direkter Kontakt zu möglichen Mitarbeitern aufgenommen worden. "Ich gehe davon aus, dass wir Ende nächsten Jahres, abhängig von der Geschwindigkeit unserer Expansion, in Deutschland bis zu 3000 Mitarbeiter beschäftigen werden", sagte Haberleitner. Bei der Kontaktaufnahme half Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, wie dessen Sprecher bestätigte: "Wenn er es irgendwie unterstützen kann, dass Schlecker-Frauen neue Jobs und ehemalige Schlecker-Vermieter neue Mieter finden, tut er das."

Dass Haberleitner "auch schon mit Verdi gesprochen" hat, wie der Investor dem "Handelsblatt" sagte, wurde von Gewerkschaftsseite nicht bestätigt. Mit einem Verantwortlichen der Gewerkschaft sei nicht gesprochen worden, hieß es. Angesprochen auf die Pläne des Investors sagte eine Verdi-Sprecherin: "Wir möchten das nicht bewerten." Unabhängig davon freue sie sich "für jede ehemalige Schleckerfrau, die eine gute Arbeit findet".

Die Drogeriemarkt-Kette Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Seit Ende Juni sind sämtliche Läden geschlossen. Gut zwei Monate später machten auch die Läden der zum Unternehmen gehörenden Ketten Schlecker XL und Ihr Platz dicht. Rund 25.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Das Familienunternehmen aus dem schwäbischen Ehingen hatte Schulden über eine Milliarde Euro angehäuft.

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