Investoren verklagen Daimler auf fast 900 Millionen Euro Schadenersatz

Daimler-Zentrale in Stuttgart

Die Summe der Ansprüche gegen Daimler im Dieselskandal wächst weiter. Die Tübinger Anwaltskanzlei Tilp Litigation verklagte den Autokonzern vor dem Landgericht Stuttgart auf 896 Millionen Euro Schadenersatz, wie sie am Dienstag mitteilte. Die Klage sei Ende Dezember "im Auftrag von 219 institutionellen Investoren" eingereicht worden. Sie werfen Daimler demnach "die Verletzung kapitalmarktrechtlicher Pflichten" und einen Wertverlust ihrer erworbenen Aktien vor.

Daimler habe illegale Abschalteinrichtungen in Diesel-Fahrzeugen "und die hiermit verbundenen Risiken und Kosten dem Kapitalmarkt verschwiegen" und seine Anleger "getäuscht", erklärte die Kanzlei. Diese hätten "deshalb die Daimler-Aktien zu teuer erworben". Banken, Kapitalgesellschaften und Fonds aus Europa, Nordamerika, Asien und Australien schlossen sich laut der Kanzlei der Klage an. Es geht um Aktienkäufe zwischen dem 10. Juli 2012 und dem 20. Juni 2018. Während dieser "Desinformationsphase" sank der Kurs der Daimler-Aktie demnach von über 90 auf unter 60 Euro.

Daimler sei die Klage "bislang nicht bekannt", sagte eine Konzernsprecherin der Nachrichtenagentur AFP. " Wir halten die uns bekannten Klagen für unbegründet und werden uns gegen die Vorwürfe mit allen juristischen Mitteln verteidigen", kündigte sie an, "auch in einem etwaigen Musterverfahren".

Ein solches Kapitalanleger-Musterverfahren könnte kurz bevorstehen, wie Tilp erklärte: Den entsprechenden Antrag der Kanzlei aus dem Jahr 2018 habe das Landgericht Stuttgart unterdessen "als zulässig erachtet und öffentlich bekannt gemacht", darum könne das Verfahren "noch vor der Sommerpause beginnen". Zum Jahreswechsel seien auch Klagen "für über 100 private Anleger" eingereicht worden. "Weitere geschädigte institutionelle Investoren mit erheblichen Aktienverlusten haben mitgeteilt, mit uns in 2020 ebenfalls klagen zu wollen".

Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" soll es dabei "um Schäden in dreistelliger Millionenhöhe" gehen. "Die Gesamtschadenssumme unserer Klagen dürfte 2020 auf 1,8 Milliarden Euro steigen", sagte Anwalt Andreas Tilp der Zeitung.