IOC erlaubt keine politischen Zeichen bei Olympischen Spielen 2020

Ben Barthmann
Sports Editor

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Darbietung von politischen Zeichen während den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio strikt verboten. Die NRO bleibt ihrer Linie damit treu und reagiert auf Ereignisse in jüngster und älterer Vergangenheit.

Tommie Smith und John Carlos protestierten 1968 in Mexico City. (Bild: Getty Images)

Wer sich während den Olympischen Spielen in Tokio die Schuhe binden muss, sollte besser aufpassen, dabei kein politisches Signal auszusenden. Das IOC hat einen Leitfaden für die kommenden Spiele in Tokio herausgegeben und damit für weltweites Aufsehen gesorgt.

Verboten sind politische Nachrichten, etwa überbracht durch Zeichen oder Armbänder, politische Gesten, etwa Handzeichen oder Knien sowie die Weigerung, dem offiziellen Protokoll der Zeremonien zu folgen. Klar wird: Das IOC will in Tokio den Fokus auf den Sport, und nur auf den Sport, legen.

Den Athleten wird jede Form von “Protest oder Demonstration” auf den “Spielfeldern, im olympischen Dorf, während Siegerehrungen und anderen Zeremonien” untersagt. Die eigene Meinung darf entsprechend nur bei “Pressekonferenz, Interviews, Teammeetings oder in den Medien” dargestellt werden.

IOC reagiert auf lange Historie politischer Vernetzung

Das IOC reagierte damit auf eine lange Historie von Protesten bei Sport-Veranstaltungen. 1968 hatten die schwarzen US-Athleten Tommie Smith und John Carlos während ihrer Ehrung jeweils eine Faust in die Höhe gestreckt und damit ein Zeichen pro Menschenrechte gesendet.

In jüngster Vergangenheit hatten bei den Panamerikanischen Spielen der Fechter Race Imboden und Hammerwerfer Gwen Berry mit Gesten auf sich aufmerksam gemacht. Bei der Schwimm-WM weigerten sich Athleten aus Australien und Großbritannien, mit dem Chinesen Sun Yang gemeinsam auf dem Siegerpodest zu stehen. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Male gegen die Dopingrichtlinien verstoßen zu haben.

Wirklich neu ist die Regelung des IOC derweil nicht, wohl aber wurde sie erstmals schriftlich fixiert. Smith und Carlos musste 1968 das olympische Dorf verlassen, nachdem das IOC Druck auf das US-Team ausgeübt hatte. Imboden und Berry wurden zu einer 12-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

“Wir sollten nicht mundtot gemacht werden”

Jene Berry sprach nach dem Bekanntwerden der neuen IOC-Richtlinien mit Yahoo Sports: “Es ist eine Form der Kontrolle. Sie lassen uns in den größten Momenten unseres Lebens verstummen. Ich kann mich damit nicht anfreunden.”

Berry verdeutlichte die enge Verbindung von Sport und Politik: “Es sollte uns möglich sein, zu sagen, was immer wir sagen wollen und zu tun, was immer wir tun wollen. Für unsere Marke, für unsere Kultur, für die Leute, die uns unterstützen, die Länder, die uns unterstützen. Wir sollten nicht mundtot gemacht werden.”

Sie wünsche sich insgesamt “mehr Dialog” bei den Olympischen Spielen. Gerne würde sie sich mit dem IOC über die Thematik austauschen, abgesehen von der Mitteilung ihrer Strafe nach ihrem Protest bei den panamerikanischen Spielen per Brief sei bislang allerdings kein Kontakt entstanden.

IOC-Präsident Thomas Bach wünscht sich strikte Trennung

Der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach hatte am Donnerstag verdeutlicht, dass er sich eine strikte Trennung von Sport und Politik wünsche. Diesen Wunsch habe er auch Staaten wie Nordkorea oder China vorgetragen.

“Die Olympischen Spiele sind dafür da, Menschen zusammenzubringen und nicht zu trennen. Wir sind das einzige Event der Welt, das es vermag, die gesamte Welt zusammen in einem friedvollen Wettbewerb zu vereinen. Jeder Boykott, aus welchen Gründen auch immer, ist ein Angriff auf die Mission der Olympischen Spiele, deshalb fordere ich Respekt”, sagte Bach in Lausanne.