Isdera Commendatore 112i: Einzelstück mit Mercedes-V12 steht zum Verkauf

de.info@motor1.com (Adrian Padeanu)
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1993 Isdera Commendatore 112i
1993 Isdera Commendatore 112i

Natürlich, das da auf dem Dach ist ein Rückspiegel ...

Wer in den späten 1990ern Need for Speed II SE gezockt hat, dürfte jetzt glückselig in wunderbaren Erinnerungen schwelgen. Ja, Sie sehen hier den schwer zu fassenden Isdera Commentadore 112i und er ist auf der Suche nach einem neuen Besitzer. Angeboten wird er von Isdera selbst. Das einzigartige Flügeltürer-Supercar ist Teil der Paris-Auktion von RM Sotheby's, die im Februar 2021 über die Bühne gehen soll.

Der Commentadore ist eines der besten Beispiele dafür, wie ein kleines Unternehmen mit Hilfe großer Player zu einem absolut spektakulären Endprodukt kommen kann. Man muss es halt nur irgendwie schaffen, in die exotischsten Regionen von dessen Teileregal vorzudringen.

Also, wo sollen wir anfangen? Vermutlich mit dem Motor. Es handelt sich um einen Mercedes M120 6,0-Liter-V12, der auch im Pagani Zonda zum Einsatz kommt. In diesem Einzelstück entwickelt er mehr als 400 PS. Das mag nach heutigen Standards nicht übermäßig beeindrucken, aber denken Sie daran - das Auto wurde vor nahezu drei Jahrzehnten gebaut.

Weil Mercedes nie ein Schaltgetriebe für den M120 entwickelt hatte, musste Isdera ein wenig improvisieren. Letztlich entschied man sich für ein manuelles Fünfganggetriebe von Getrag, das von RUF modifiziert und mit einem sechsten Gang versehen wurde.

In Kombination mit einer für damalige Verhältnisse sehr windschlüpfigen Karosserie (cW-Wert: 0,306), die im Mercedes-Windtunnel getestet wurde, erzielte man so eine Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h.

Apropos Karosserie: Hier ging es um mehr als nur ein eindrucksvolles Design. Die Absicht war es, größtmögliche aerodynamische Effizienz zu erreichen. Aus diesem Grund entwickelte man sogar den Scheibenwischer von null weg. Deutlich irrer erscheint aber wohl der Ersatz der Außenspiegel durch einen auf dem Dach montierten Periskop-Spiegel.

Sollten Sie über sehr gute Augen verfügen, wird Ihnen nicht entgangen sein, dass Isdera sich auch fleißig bei anderen Herstellern bedient hat. Die Klappscheinwerfer etwa stammen vom Porsche 968, die Instrumente wiederum eindeutig von Mercedes-Benz.

Der Mann hinter dem Unternehmen, ein ehemaliger Porsche-Mitarbeiter namens Eberhard Schulz, wollte den Isdera Commentadore 112i eigentlich in Le Mans an den Start bringen. Er konnte jedoch nie genügend Geld einsammeln, weshalb dieses Vorhaben ein Traum blieb.

Glücklicherweise konnte wenigstens das Straßenauto fertiggestellt werden. Ein Schweizer Konsortium kam Schulz zur Hilfe, nachdem er zuvor in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Schuld war die damalige Wirtschaftskrise in Japan, wo Isdera den Großteil der Finanzmittel für die Entwicklung des Commentadore eingesammelt hatte.

Der Commentadore-Motor im Pagani Zonda

Im Jahr 1999 zeigte man das Auto auf der Frankfurter IAA als "Silver Arrow" mit Seitenspiegeln im Stile des CLK GTR anstatt des schrägen Dachspiegels. Außerdem tauschte man die BBS-Räder gegen ein traditionelleres Fünf-Speichen-Design. 17 Jahre später kaufte Isdera das Auto zurück und versetzte es wieder in den Originalzustand von 1993.

Dass ein derart besonderes Auto im Laufe seines schwierigen Lebens nicht mehr als 10.500 Kilometer auf die Uhr gebracht hat, ist wenig verwunderlich. Es ist davon auszugehen, dass der Commentadore 112i bei der Auktion im Februar ein stattliches Sümmchen einbringen wird. Das Auto ist übrigens in Deutschland registriert und verfügt über eine Straßenzulassung. Wir haben es hier also mit einem vollumfänglich nutzbaren 90er-Jahre-Hecktriebler-Biest mit Mercedes-V12 und Handschalter zu tun.


Source: RM Sotheby's